epa/Yuri Kadobnov

Ziemlich beste Freunde - Über die russisch-venezolanischen Beziehungen

31.1.2019 17:43 Uhr, von Andreas Neubrand

Mitten in der Staatskrise Venezuelas gibt ein leeres russisches Flugzeug auf dem Flughafen von Caracas Rätsel auf. Die Opposition in dem südamerikanischen Land vermutete, dass damit Gold außer Landes geschafft werden sollte. Die Sprecherin des Außenamts in Moskau, Maria Sacharowa, sagte am Donnerstag lediglich: "Ich kann sagen, dass wir nicht über die Evakuierung russischer Diplomaten, ihrer Familien und von Angestellten russischer Unternehmen sprechen."

Die Opposition sprach in einem Tweet davon, dass sie Hinweise darauf habe, dass die Maschine aus Russland 20 Tonnen Gold der Zentralbank außer Landes schaffen sollte. Dem Kreml lägen dazu keine Informationen vor, erklärte Sprecher Dmitri Peskow am Mittwoch und ergänzte: "Russland ist bereit, auf jede erdenkliche Weise zur Lösung der innenpolitischen Lage in Venezuela beizutragen, ohne in die inneren Angelegenheiten dieses Landes einzugreifen."

Zu der Maschine mit etwa 500 Sitzplätzen selbst sagte die Sprecherin des Außenministeriums nichts: Sie könne nichts zu Flügen sagen, die nicht zu offiziellen Zwecken geschickt worden seien. Zwischen Moskau und der Hauptstadt Caracas gibt es keinen Direktflug. In russischen Medien wird seit Tagen über die Hintergründe spekuliert.

Machtkampf in Caracas

Russland gehört zu den wenigen Ländern, die den sozialistischen Staatschef Nicolás Maduro unterstützen. Seine Regierung befindet sich in einem Machtkampf mit dem selbst ernannten Interimspräsidenten Juan Guiadó. Der Oppositionsführer wird von den USA, vielen lateinamerikanischen und europäischen Ländern unterstützt.

Die Beziehungen beider Länder stammen noch aus den Zeiten der Sowjetunion, doch erst unter der sozialistischen - und anti-amerikanischen - Regierung Chavez kam Bewegung in das diplomatische Verhältnis. Wenig verwunderlich dabei, dass die beiden tragenden Säulen der Beziehungen aus Waffen und Energie bestehen.

Waffen und Öl

Unter Chavez wird Venezuela einer der größten Abnehmer für russische Waffen. Allein 2005 kauft Venezuela Waffen im Wert von mehreren Milliarden. Während des russischen Krieges mit Georgien 2008 lieferten die USA Waffen an Georgien. Russland antwortete mit mehreren nuklear betriebenen Kriegsschiffen, die im Hafen Venezuelas einliefen. Im gleichen Jahr stationierte Russland zwei Tu-160 Bomber zu Übungszwecken in Venezuela. Nicht das letzte Mal. Zuletzt wurden am 11. Dezember 2018 zwei Tu-16 Bomber in Venezuela gesichtet. Sollte Maduro die Krise politisch überleben, wäre sogar eine russische Militärbasis denkbar – etwas, was laut Verfassung in Venezuela bisher verboten war.

Ein russischer Tu-16 Bomber (Quelle: imago/ITAR TASS)

Auch auf dem Energiesektor kooperieren die beiden Petrostaaten. Im Jahr 2013 erklärte der Vorsitzende der staatlichen Ölfirma PdVSA, dass „Russland und nicht China bis 2021 der größte Ölpartner Venezuelas werde.“ Und er hatte nicht unrecht. Einer Studie von Global Business Consultants zufolge fördert Rosneft 209.000 Barrel am Tag in Venezuela.

Amerikas Hinterhof

Doch es ist nicht alles Gold was glänzt. Der russische Boom in dem lateinamerikanischen Land neigt sich dem Ende zu. Von den vielen Firmen, die sich in Venezuela engagiert haben, sind nur noch die staatlichen wie Rosneft und Gazprom im Land. Beklagt wird auch, dass bei der Ölförderung bis zu zehn Prozent gestohlen und auf dem Schwarzmarkt verkauft werden. Auch über das veraltete Equipment empören sich russische Experten oft. Vieles sei noch auf dem Stand der 1990er Jahre bemängelte der damalige CEO von Rosneft, Kim Gobert, bei einer Konferenz.

Doch sollten sich die Beziehungen zu den USA verschlechtern wird Moskau nicht auf einen Verbündeten in Washingtons Hinterhof verzichten. Dabei ist es nicht relevant ob im Orinocco-Becken Öl gestohlen oder venezolanische Ingenieure mit veralteter Technik arbeiten, so .Thomas W. O’Donnell im American Quarterly. Allerdings nicht zu jedem Preis. Ein russisches Exil für Maduro wäre denkbar, ein militärisches Eingreifen der Russen im Falle einer amerikanischen Intervention nicht. Dies wäre ein Preis, den Moskau nicht bereit wäre zu zahlen. Auch nicht für einen „großen Freund Russlands“ wie Maduro.

(an/dpa)

0 Kommentare

Bitte geben Sie den Aktivierungscode ein, der an Ihre E-Mail-Adresse gesendet wurde.

Sie müssen angemeldet oder registriert sein, um mitzudiskutieren.

Sie müssen angemeldet oder registriert sein, um mitzudiskutieren.