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Ziellinie der Pandemie: Tritt Herdenimmunität ein?

11.2.2021 12:15 Uhr

Das klingt nicht gut: Eine Metropole in Brasilien, in der die große Mehrheit der Bevölkerung schon mit dem Coronavirus infiziert gewesen sein soll, erlebt gerade einen zweiten Kollaps des Gesundheitssystems. Auslöser ist - nach Monaten relativer Ruhe - wieder Sars-CoV-2. Die Annahme einer erreichten Herdenimmunität: widerlegt? Welchen Anteil haben Virusmutationen an der Lage? Und droht so etwas auch hierzulande?

Die Nachrichten aus der Hauptstadt des Bundesstaates Amazonas mit mehr als zwei Millionen Einwohnern lassen aufhorchen: Es fehlen Krankenhausbetten und Sauerstoff, Patienten werden in andere Bundesstaaten ausgeflogen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) organisierte Hilfslieferungen: Sauerstoff, Thermometer, Schnelltests. Besonders verwunderlich an der Entwicklung ist, dass Forscher dort die theoretische Schwelle zur Herdenimmunität überschritten glaubten: Im Januar schätzten brasilianische Experten im Fachblatt "Science" den Anteil der Bewohner von Manaus, die sich bis Oktober infiziert hatten, auf mehr als 70 Prozent. Sie hatten Proben von Blutspendern auf Corona-Antikörper untersucht.

Bei dem Sars-CoV-2 ist bisher unklar, ob Geimpfte das Virus noch übertragen und wie lange eine Immunität anhält.

Mit Herdenimmunität ist ein Schutz durch die Gemeinschaft gemeint: Davon profitieren etwa Menschen, die aus medizinischen Gründen nicht geimpft werden können. Ist eine ausreichende Zahl der Bevölkerung geimpft oder nach durchgemachter Erkrankung immun, breitet sich der Erreger kaum noch aus - und gelangt weniger zu anfälligen Personen. Aber einen einheitlichen Schwellenwert gibt es nicht. "Wie viele Immune tatsächlich notwendig sind, damit dies funktioniert, hängt davon ab, wie ansteckend die jeweilige Erkrankung ist und wie gut die Impfung wirkt bzw. wie lange der Impfschutz anhält", erklärt das Robert Koch-Institut (RKI). Der Epidemiologe Rafael Mikolajczyk von der Uniklinik Halle betont, dass auch 30 Prozent empfängliche Bürger viel seien, wenn eine neue Virusvariante so viel infektiöser ist, dass die Epidemie sich erneut ausbreiten könne. Der Anteil sei groß genug, um ein Gesundheitssystem zu überlasten. In Deutschland hätten vermutlich bisher weniger als 10 Prozent der Bevölkerung Corona gehabt - und selbst diese geringe Zahl habe schon beinahe eine Überlastung bewirkt, erläutert er. Offiziell erfasst sind in Deutschland nur rund 2,2 Millionen Fälle - etwa 1,8 Prozent der Bevölkerung. Zur Frage der Dunkelziffer läuft noch eine Studie am RKI.

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(dpa)

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