Hürriyet

Zentralbank der Türkei erhöht Leitzins auf 17 Prozent

24.12.2020 19:03 Uhr

Die Zentralbank der Türkei hat ihren Leitzins zum zweiten Mal in Folge angehoben, meldet die Demirören Nachrichtenagentur (DHA). Damit unterstreicht der neue Verantwortliche, Naci Agbal, seine Bemühungen, die fiskalpolitische Glaubwürdigkeit des Landes, die durch Zinssenkungen gelitten hatte, nachhaltig wieder aufzubauen.

Das geldpolitische Komitee der Zentralbank der Türkei unter der Leitung des neuen Vorsitzenden Naci Agbal kündigte am Donnerstag an, den Hauptzinssatz von 15 auf 17 Prozent anzuheben - den höchsten Stand seit mehr als einem Jahr. Laut einer Bloomberg-Umfrage war der Anstieg damit höher größer als die mittlere Erwartung der Ökonomen ausgefallen, die einen Anstieg um 150 Basispunkte oder 1,5 Prozentpunkte progostizierten. Ausländische Investoren dürften dies als Zeichen dafür begrüßen, dass Herr Agbal, der im vergangenen Monat von Präsident Recep Tayyip Erdogan ernannt wurde, Handlungsspielraum erhalten hat, den Leitzins nach den Bedürfnissen und Vorgaben des Geld-Marktes anzupassen.

Die Zentralbank (CBTR) teilte mit: "Die Bedingungen der Inlandsnachfrage, die kumulierten Kosteneffekte, insbesondere die Wechselkurseffekte, die steigenden internationalen Lebensmittel- und sonstigen Rohstoffpreise sowie die Verschlechterung der Inflationserwartungen wirken sich weiterhin nachteilig auf das Preisverhalten und die Inflationsaussichten aus. Dementsprechend hat die Zentralbank unter Berücksichtigung des Prognoseziels für Ende 2021 beschlossen, eine starke geldpolitische Straffung vorzunehmen, um Risiken für die Inflationsaussichten auszuschließen, Inflationserwartungen einzudämmen und den Desinflationsprozess so bald wie möglich wiederherzustellen. In der kommenden Zeit wird die straffe geldpolitische Haltung entscheidend aufrechterhalten, bis starke Indikatoren auf einen dauerhaften Rückgang der Inflation im Einklang mit den Zielen und auf Preisstabilität hindeuten. Die dauerhafte Schaffung eines Umfelds mit niedriger Inflation wird sich positiv auf die makroökonomische und finanzielle Stabilität auswirken, da die Risikoprämie des Landes sinkt, die Substitution in umgekehrter Währung beginnt, sich Devisenreserven ansammeln und die Finanzierungskosten kontinuierlich sinken. In seinem Entscheidungsprozess nimmt die CBRT einen mittelfristigen Rahmen an, der auf der Analyse aller Faktoren basiert, die die Inflation und die Wechselwirkung zwischen diesen Faktoren beeinflussen. Es sollte betont werden, dass neue Daten oder Informationen den Ausschuss zu einer Überarbeitung seine Haltung veranlassen können."

Vier Milliarden US-Dollar Investitionsvolumen durch neuen Kurs der Zentralbank

"Gouverneur Naci Agbal macht gute Fortschritte beim Wiederaufbau der angeschlagenen Glaubwürdigkeit der Zentralbank und beim Abbau der schädlichen politischen Entscheidungen der Vergangenheit", sagte Jason Tuvey, leitender Ökonom für Schwellenländer bei der Beratungsfirma Capital Economics. Die Lira legte nach der Entscheidung um rund ein Prozent gegenüber Euro und US-Dollar an Wert. In einer Erklärung teilte die die Zentralbank mit, sie habe beschlossen, eine "starke geldpolitische Straffung" einzuführen, um die Inflation so schnell wie möglich zu senken. Das jährliche Preiswachstum liegt nach Daten aus dem November bei fast dem Dreifachen des offiziellen 5-Prozent-Ziels der Bank. Der Straffungszyklus der Türkei ist eher ungewöhnlich auf dem Weltmarkt, da andere Zentralbanken in diesem Jahr die Zinsen gesenkt haben, um ihre Volkswirtschaften vor den Folgen der Coronavirus-Pandemie zu schützen. Analysten hatten jedoch lange gemahnt, dass Zinserhöhungen in der Türkei zwingend erforderlich seien, nachdem eine Ausweitung der Kredite durch die türkischen Banken die Währung des Landes stark unter Druck gesetzt habe. Die Lira hat seit August dieses Jahres eine Reihe von Rekordtiefs erlebt und das Land an den Rand einer ausgewachsenen Finanzkrise gebracht.

Der Vorsitzende Agbal, ehemaliger Abgeordneter der Regierungspartei AKP, hat bisher sehr erfolgreich versucht, den Ruf der Zentralbank der Türkei wiederherzustellen. Bei seiner ersten Sitzung zur Festlegung der Zinssätze im vergangenen Monat erhöhte er den Leitzins der Bank um 475 Basispunkte oder 4,75 Prozent auf 15 Prozent. Die Entscheidung vom Donnerstag baut auf diesem Schritt auf und belässt den Realzins unter Berücksichtigung der jährlichen Inflation von 14 Prozent im November bei 3 Prozent. Der plötzliche Richtungswechsel der Zentralbank hat dazu beigetragen, internationale Investoren zurückzulocken, die in diesem Jahr einen Exodus von türkischen Vermögenswerten inszeniert hatten. Ausländische Investoren haben in den sechs Wochen bis zum 18. Dezember türkische Aktien und Anleihen im Wert von fast vier Milliarden US-Dollar gekauft, so die am Donnerstag veröffentlichten Daten.

(ce)

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