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Zehntausende feiern Gay-Pride-Parade in Sao Paulo

24.6.2019 9:54 Uhr

Gegen Homophobie und Respektlosigkeit - auch durch den rechtsradikalen Präsidenten Bolsonaro - sind Zehntrausende Brasilianer zur Gay-Pride-Parade in Sao Paulo zusammengekommen. Und wie das so in Brasilien ist, war diese Pride Parade besonders bunt.

Die jährliche Gay-Pride-Parade fand am Sonntag auch vor dem Hintergrund homophober Aussagen des rechtsradikalen Präsidenten Jair Bolsonaro statt. Viele Teilnehmer begründeten ihre Teilnahme mit der wachsenden Bedrohung ihrer Freiheitsrechte. "Ich bin gekommen, um gegen Homophobie und Respektlosigkeit zu kämpfen", sagte etwa die 31-jährige Monique Barber, die auch von Beschimpfungen zu Beginn der Parade erzählte.

Bolsonaro mit schwulenfeindlichen Aussagen

Staatschef Bolsonaro war in der Vergangenheit immer wieder mit schwulenfeindlichen Äußerungen aufgefallen. Unter anderem hatte er erklärt, es wäre ihm lieber, sein Sohn wäre tot als schwul. Mitte Juni kritisierte er eine Entscheidung des Obersten Gerichtshofs, der Anfeindungen gegen Homo- und Transsexuelle als Straftat eingestuft hatte. "Wir haben einen homophoben Politiker und wir sehen, wie die Dinge sich rückwärts bewegen", sagte Demonstrantin Barber. Der 27-jährige Felipe Ferreira erklärte, die LGBT-Menschen (Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender) seien außerhalb der großen Städte großer Gefahr ausgesetzt. "Schon wenn Du Deinen Partner an die Hand nimmst, könnte Dich das Dein Leben kosten."

"50 Jahre seit Stonewall"

In Brasilien hatten Anfeindungen gegen Schwule, Lesben und Transsexuelle in den vergangenen Jahren zugenommen. Nach Angaben der Organisation Grupo Gay de Bahia, die seit vier Jahrzehnten Statistiken erstellt, gab es in Brasilien allein im Jahr 2017 bei 387 Tötungsdelikten und 58 Suiziden einen homophoben Hintergrund. Das war ein Anstieg um 30 Prozent im Vergleich zu 2016. Die Gay-Pride-Parade in São Paulo gehört zu den größten der Welt. Dieses Jahr fand sie unter dem Motto "50 Jahre seit Stonewall" statt, ein Verweis auf die Proteste Homosexueller rund um die bekannte Schwulenbar Stonewall Inn in New York Ende der 60er Jahre. 19 Musikwagen fuhren durch Brasiliens Wirtschaftsmetropole, zu den auftretenden Künstlern gehörte unter anderem Spice Girl Mel C.

(be/afp)