dpa

Zahl der Toten in Indien auf mindestens 24 gestiegen

22.12.2019 13:35 Uhr

Nach der Reform des Einbürgerungsgesetztes ist kein Ende der Proteste in Sicht. Die Zahl der Todesopfer stieg nach Polizeiangaben auf mindestens 24.

Auch am Samstag gingen wieder tausende Menschen im ganzen Land auf die Straße, um gegen das vom Oberhaus verabschiedete Staatsbürgerschaftsgesetz zu demonstrieren. Es wird als Verstoß gegen die staatliche Neutralität in religiösen Fragen kritisiert. Allein seit Freitag gab es im nordöstlichen Bundesstaat Uttar Pradesh 15 Tote bei den Protesten, darunter einen achtjährigen Jungen, der bei einer Panik ums Leben kam. Ein weiterer Demonstrant starb am Samstag nach Zusammenstößen mit der Polizei.In Patna im östlichen Bundesstaat Bihar wurden drei Demonstranten durch Schüsse verletzt. Sechs weitere wurden bei Zusammenstößen mit Gegendemonstranten durch Steinschleudern verletzt, teilte die Polizei mit. In Neu Delhi wurden 40 Menschen in Gewahrsam genommen, darunter auch Minderjährige, wie die Sicherheitskräfte der Nachrichtenagentur AFP am Samstag sagten. Die meisten von ihnen seien mittlerweile wieder auf freiem Fuß.

Straßenschlachten

Am Freitag hatte es in der Hauptstadt Straßenschlachten zwischen der Polizei und Demonstranten gegeben.In zahlreichen Staaten gingen die Proteste am Samstag weiter. Kundgebungen fanden unter anderem in den Städten Chennai, Delhi, Gurgaon, Kalkutta und Guwahati statt. In der Hauptstadt Neu Delhi hielten Demonstranten bei Tagesanbruch vor Indiens größter Moschee ihre Handys in die Höhe. Damit brachten sie ihre Ablehnung gegen das neue Staatsbürgerschaftsgesetz zum Ausdruck. Die landesweiten Proteste hatten vor rund zwei Wochen begonnen.

Neues Staatsbürgerschaftsgesetz

Auslöser ist ein am 11. Dezember vom Oberhaus verabschiedetes Staatsbürgerschaftsgesetz. Es sieht für Einwanderer aus Indiens Nachbarstaaten Bangladesch, Pakistan und Afghanistan Vereinfachungen bei der Einbürgerung vor - allerdings nur, wenn sie nicht Muslime sind. Kritiker halten der hinduistisch-nationalistischen Partei BJP von Regierungschef Narendra Modi vor, mit der Neuregelung Muslime zu diskriminieren. Indien hat eine mehrheitlich hinduistische Bevölkerung von insgesamt 1,3 Milliarden Menschen. Rund 200 Millionen Muslime leben im Land. Der BJP-Generalsekretär Bhupender Yadav sagte Reportern am Samstag, seine Partei werde "eine Aufklärungskampagne starten" und tausend Kundgebungen abhalten, um "Lügen" über das Gesetz zu zerstreuen. Die Behörden versuchten unterdessen, die Massenproteste mit allen Mitteln einzudämmen. Sie erließen Notstandsgesetze, blockierten den Internetzugang und schlossen Geschäfte im ganzen Land. Die Demonstranten wollen jedoch weiter auf die Straße gehen, bis das Gesetz aufgehoben wird.

(be/dpa)

0 Kommentare

Bitte geben Sie den Aktivierungscode ein, der an Ihre E-Mail-Adresse gesendet wurde.

Sie müssen angemeldet oder registriert sein, um mitzudiskutieren.

Sie müssen angemeldet oder registriert sein, um mitzudiskutieren.