dpa

Zahl der Opfer steigt auf Rekordniveau

13.11.2018 9:19 Uhr

Nie zuvor sind bei einem Feuer im US-Bundesstaat Kalifornien mehr Menschen ums Leben gekommen als bei dem derzeit im Norden tobenden Brand rund um den Ort Paradise. Der Sheriff von Butte County, Kory Honea, sagte, es seien weitere 13 Leichen geborgen worden, so dass die Zahl der Opfer allein hier auf 42 stieg. Damit sei das jüngste Feuer dasjenige mit den meisten Todesopfern seit Beginn der Aufzeichnungen in Kalifornien.

Darüber hinaus waren im von Flammen heimgesuchten Küstenort Malibu im Süden des Bundesstaats zwei Menschen tot aufgefunden worden. Die Gesamtopferzahl stieg damit auf 44. Dutzende Menschen werden weiter vermisst.

Die Brände, die am Donnerstag ausgebrochen waren, haben bereits Hunderte Quadratkilometer Wald verkohlt, Tausende Häuser zerstört - und sind noch lange nicht eingedämmt. Hunderttausende Menschen mussten sich in Sicherheit zu bringen.

Trump verspricht Hilfen

US-Präsident Donald Trump stellte den Betroffenen finanzielle Unterstützung vom Bund in Aussicht. Das Weiße Haus teilte mit, dass unter anderem Menschen, deren Häuser oder Geschäfte abgebrannt sind, finanzielle Hilfen des Bundes beantragen können - etwa um eine vorübergehende Unterkunft oder Reparaturen zu bezahlen. Die Unterstützung solle Aufbauhilfen des Bundesstaates und auf lokaler Ebene ergänzen, hieß es.

Trump schrieb bei Twitter, er habe schnell reagieren wollen, um das Leiden der Betroffenen etwas zu mildern. Er stehe alle Betroffenen bei. Der Gouverneur von Kalifornien, Jerry Brown, hatte die Unterstützung des Bundes angefordert.

In den vergangenen Tagen waren mehrere Tausend Feuerwehrleute im Einsatz, um die Flammen zu bekämpfen. Der größte der drei Brände, das sogenannte "Camp"-Feuer in Nordkalifornien, war am Montagabend aber noch immer nur zu 25 Prozent eingedämmt. Der kleine Ort Paradise nördlich von Sacramento wurde durch das Feuer zu großen Teilen zerstört. Mehr als 6450 Wohnhäuser fielen dort den Flammen zum Opfer, rund 15.000 Gebäude sind weiter vom Feuer bedroht.

Lage auch in Südkalifornien kritisch

Auch in Südkalifornien blieb die Lage angespannt. Neu aufkommende Winde fachten die Flammen immer wieder an. Insbesondere das sogenannte "Woolsey"-Feuer nordwestlich von Los Angeles richtete viel Zerstörung - unter anderem in dem Küsten-Ort Malibu, in dem viele Prominente leben. Dort wurden bislang mehrere Hundert Häuser zerstört. Nach offiziellen Angaben sind aber 57 000 Gebäude vom Feuer bedroht.

Auch die Villen mehrerer Stars brannten ab - darunter die Häuser von Moderator Thomas Gottschalk und US-Popstar Miley Cyrus. Hollywood-Star Gerard Butler und "Doctor Strange"-Regisseur Scott Derrickson ereilte das gleiche Schicksal. Auch Sänger Robin Thicke und der kanadische Rocker Neil Young schrieben in sozialen Medien über den Verlust ihrer Häuser.

Die Einsatzkräfte rechnen wegen anhaltender Trockenheit, Wärme und heftigen Winden nicht mit einer schnellen Entspannung der Lage. Der Feuerwehr gelang es aber zumindest, den kleineren der beiden Brände in Südkalifornien - das sogenannte "Hill"-Feuer - bis Montagabend (Ortszeit) zu 80 Prozent einzudämmen.

Trump-Kommentar "demütigend"

Trump hatte sich am Wochenende mit einem Kommentar zu den Bränden in Kalifornien viel Kritik eingehandelt. Er hatte Behörden Versäumnisse und Fehler beim Forstmanagement vorgeworfen und mit dem Entzug von Bundesmitteln gedroht - während die Einsatzkräfte dort gegen die Flammen kämpften und Bewohner um ihr Leben bangten. Das hatte viel Empörung ausgelöst.

Kaliforniens Feuerwehrverband etwa beklagte, die Aussagen des Präsidenten seien "fehlinformiert, schlecht getimt und demütigend sowohl für die, die leiden, als auch die Männer und Frauen an der Einsatzfront". Auch der kalifornische Gouverneur Jerry Brown wies Trumps Vorwürfe vehement zurück. Trump und der liberale Westküstenstaat sind oft auf Kollisionskurs.

Nun meldete sich Trump mit versöhnlicheren Tönen zu Wort und lobte in einem Tweet die Feuerwehrleute, Katastrophenschützer und Rettungskräfte in Kalifornien als "großartig und sehr mutig".

(BL/dpa)