dpa/Monika Wendel

YouTuber lösen Massenschlägerei auf Alexanderplatz aus

22.3.2019 10:27 Uhr

In einigen YouTube-Kanälen wurde es als das Treffen "der wirklich Hochbegabten" gefeiert. Fans von "Thatsbekir" und "Bahar", zwei YouTuber, die einander eher nicht grün sind, kamen zu einem "Fantreffen mit Autogrammstunde" auf dem Alexanderplatz in Berlin zusammen. Einige der "Herrschaften" schienen das Wort "Treffen" aber missverstanden zu haben und nutzten das Meeting zu einer Massenschlägerei im Migrantenmilieu.

Nach einem Aufruf in sozialen Medien ist es auf dem Berliner Alexanderplatz zu einer Massenschlägerei gekommen. "Am frühen Donnerstagabend versammelten sich auf dem Platz rund 400 Leute", sagte ein Sprecher der Polizei. Die meisten von ihnen waren nach den Angaben Jugendliche oder junge Erwachsene. Viele davon mit Migrationshintergrund. Später gerieten etwa 50 von ihnen in Streit und gingen mit Faustschlägen, Fußtritten und Pfefferspray aufeinander los. Die Beamten nahmen neun Menschen vorläufig fest.

Wenn sich die "Habibis" öffentlich hauen

Beide YouTuber beleidigten sich vorher in epischer Bandbreite auf den Social Media und in Instagram-Stories. Der Stuttgarter "Thatsbekir" weist dabei 260.000 Follower auf und der eher unbedeutende Account von "Bahar al Amood", der einer arabisch-stämmigen Großfamilie in Berlin zugeordnet wird, bringt es auf 13.000 Follower. Letzterer hatte seinen "Kontrahenten" angeblich gewarnt, "seine Stadt Berlin" zu betreten. Was ein wenig ans "Köln-Kalk-Verbot" des Komikers Tom Gerhardt in seinem Film "Voll normaaal!" erinnert.

Im Verlauf des Zusammentreffens der beiden Kontrahenten sei es dann seitens al Amood dazu gekommen, dass er seinem Stuttgarter Rivalen "Ehrverletzung" durch die Beleidigung seiner Familie vorwarf. Da wäre, so wird von Aussagen al Amoods berichtet, "der Spaß vorbei, Habibi". Ob es der Begriff "Ehrenschlägerei" neben "Ehrenmord" in den Duden schaffen kann, blieb offen. Über den Instagram-Account des Kontrahenten "Bahar al Amood" wurde dann wohl offen mit neuen Straftaten gedroht und gesagt, das wäre erst der Anfang und es würde weiter geklärt.

Einsatz von 100 Beamten sorgt für teuren Polizeieinsatz

Die Polizei war mit rund 100 Beamten im Einsatz und versuchte, die Jugendlichen zu trennen. "Dabei setzten die Beamten auch Reizgas ein", sagte der Sprecher weiter. Eine Polizistin wurde verletzt. Außerdem versuchten die Jugendlichen nach den Angaben, einen Beamten in die Menge zu ziehen. Etwas später zerstreuten sich die Menschen. "Etwa 20 von ihnen rannten in den U-Bahnhof und sprangen ins Gleisbett, wo sie sich mit Schottersteinen bewarfen", sagte der Polizeisprecher. Hintergrund könnte nach Medienberichten ein Streit zwischen rivalisierenden YouTubern sein. Die Polizei ermittelt noch.

Der Alexanderplatz zählt zu den sieben Kriminalitätsbrennpunkten in Berlin, an denen die Polizei besonders präsent ist.

Auch die Polizei macht den "Streithanseln" eine "Ansage"

Nach der Massenschlägerei am Alexanderplatzhat die Gewerkschaft der Polizei (GdP) die Internet-Szene vor riskanten Aktionen gewarnt, um die eigene Bekanntheit zu steigern. "Wir sehen in der Rapperszene und zunehmend auch bei anderen Influencern, dass sie teilweise sehr fahrlässig mit ihrem Einfluss umgehen und es scheinbar Mode wird, ganz bewusst Pulverfässer aufzumachen, um mehr Follower, Abonnenten und Klicks zu generieren", sagte der Berliner GdP-Landeschef Norbert Cioma am Freitag.

Bei der Massenschlägerei am Donnerstag könnte nach Medienberichten ein Streit zwischen rivalisierenden YouTubern der Hintergrund sein. Sie sollen sich zu der Prügelei verabredet haben. Die Polizei bestätigte das am Freitag jedoch nicht. Es gebe Sinnvolleres, als seinen Bekanntheitsgrad dafür zu nutzen, jungen Gewaltbereiten eine geeignete Plattform in der Öffentlichkeit zu bieten und mit voller Absicht das Risiko einzugehen, dass die Lage eskaliert, sagte Cioma.

(Hürriyet/dpa)

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