Wurde die Currywurst in einer Schlossküche erfunden?

30.10.2018 15:03 Uhr

Bückeburg (dpa) - Ex-Kanzler Gerhard Schröder ist ihr Fan, <br/>Herbert Grönemeyer hat sie besungen, die NRW-SPD inszenierte die <br/>Currywurst als attraktives Wahlplakat-Modell. Nun könnte um den <br/>beliebtesten Imbiss der Deutschen ein gepfefferter Herkunftsstreit <br/>ausbrechen.

Die These von Alexander Fürst zu Schaumburg-Lippe

Kommt die Currywurst nicht aus Berlin, auch nicht aus <br/>Hamburg, sondern aus einer niedersächsischen Kleinstadt an der Grenze <br/>zu Nordrhein-Westfalen? So sieht es jedenfalls Alexander Fürst zu <br/>Schaumburg-Lippe aus Bückeburg bei Minden. Geburtsort der Currywurst <br/>sei nachweislich seine Schlossküche, behauptet er. Das würde das <br/>volksnahe Gericht in gewisser Weise endlich adeln.

"Die Currywurst kommt aus meiner Schlossküche", betonte der Fürst vor <br/>einigen Tagen in der "Bild"-Zeitung. Wie kommt er zu dieser äußerst <br/>delikaten These? Der Sohn eines Kochs aus dem Sauerland habe sich <br/>gemeldet und Fürst Alexander auf die Spur gebracht, schildert eine <br/>Sprecherin des Schlossherrn der Deutschen Presse-Agentur. Demnach <br/>soll der frühere Küchenmeister Ludwig Dinslage - 1987 verstorben - <br/>der wahre Erfinder sein, wie sein Sohn behauptet.

Currywurst für britische Offiziere

Konkreter: Dinslage habe nach dem Krieg in der Schlossküche <br/>gearbeitet und für Offiziere der britischen Rheinarmee aus <br/>Aprikosenmarmelade, Tomatenketchup, Curry und Salz eine <br/>ungewöhnliche, zähflüssige Soße kreiert. Geburtsstunde der Currywurst <br/>sei ein Tag im September 1946 gewesen.

Als Beleg wird auch ein <br/>Artikel der "Westfalenpost" vom 12. September 1984 angeführt. Darin <br/>erzählt Ludwig Dinslage höchstselbst, wie er die Currywurst erstmals <br/>zubereitete, im Speisesaal des Schlosses servierte und die Offiziere <br/>laut "delicious" (lecker!) ausriefen. Der Gastronom habe sie später <br/>im eigenen Restaurant in Warstein ebenfalls mit großem Erfolg <br/>aufgetischt.

Aus Berlin, Hamburg oder Bückeburg?

Wo die Currywurst erstmals kreiert wurde, ist tatsächlich nicht <br/>abschließend geklärt. Immer wieder mal meldeten Köche in der <br/>Vergangenheit Ansprüche an. Manches blieb Gerüchteküche. Nach <br/>verbreiteter Auffassung gilt die Berlinerin Herta Heuwer als Mutter <br/>der Bratwurst. Ihre Spezial-Curry-Bratwurst soll sie allerdings erst <br/>am 4. September 1949 geschaffen haben.

In der Novelle "Entdeckung der Currywurst" verlegt Uwe Timm die <br/>Entdeckung der kalorienreichen Speise nach Hamburg ins Jahr 1947. Der <br/>Essener Imbissbetreiber Timm Koch sieht das Ruhrgebiet als <br/>wahrscheinliche Geburtsstätte - dort habe man die Currywurst <br/>jedenfalls schon vor 1949 gegessen. Daran erinnerten sich Menschen <br/>aus dem Ruhrpott, sagte Koch der "WAZ" vor einigen Wochen - und <br/>kündigte die Gründung eines Currywurst-Museums an.

Die Zutaten

Die Currywurst ist nicht bloß irgendein Sattmacher, für viele hat sie <br/>Kultstatus, auch im Ausland ist sie zu einiger Berühmtheit gelangt. <br/>Und die Deutschen verdrücken rund 800 Millionen Stück Jahr für <br/>Jahr. Aber was muss eigentlich drin sein, damit es eine Currywurst <br/>ist? Die Zusammensetzung ist rechtlich nicht standardisiert, wie <br/>Manon Struck-Pacyna vom Bund für Lebensmittelrecht und <br/>Lebensmittelkunde (BLL) erläutert.

Nach gängiger Auffassung bestehe das Gericht aus einer Bratwurst mit <br/>currygewürzter Tomatensoße und Currypulver. Für die Bratwurst gebe es <br/>dann allerdings sehr wohl eine verbindliche Regelung: Sie muss eine <br/>Brühwurst sein, "mit Darmhülle oder ohne" und eine Vorgabe bei <br/>Mindest-Fleischanteil und Fettgehalt einhalten.

Ob nun Ludwig Dinslage der Schöpfer ist oder nicht - die Geschichte <br/>der Currywurst wird mutmaßlich nicht umgeschrieben werden. Fürst <br/>Alexander will den früheren Küchenmeister jedoch posthum zu Ehren <br/>kommen lassen. Auf seinem Schloss sind bisweilen auch Vertreter des <br/>europäischen Hochadels und viele andere Prominente zu Gast. Künftig <br/>soll auf der Speisekarte an Ludwig Dinslage erinnert werden. Und <br/>vielleicht gibt es eine Gedenktafel für den Currywurst-Pionier.

(dpa-serviceline)