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Eingestellter Loveparade-Prozess: Vater eines Toten klagt Gericht an

6.2.2019 12:05 Uhr

Die Entscheidung ist gefallen: In Düsseldorf wurde das Verfahren gegen sieben der zehn Loveparade-Beschuldigten vom Landgericht Duisburg eingestellt. Der Prozess wird somit gegen die drei verbliebenen Angeklagten fortgesetzt. Ein Vater der Opfer kann die teilweise Einstellung des Verfahrens nicht verstehen klagt das Gericht an.

Das Gericht hatte ursprünglich vorgeschlagen, den Loveparade-Prozess gegen alle zehn Angeklagten - sechs Bedienstete der Stadt Duisburg und vier Mitarbeiter des Loveparade-Veranstalters - einzustellen. Bei sieben Angeklagten sollte dies ohne Auflagen, bei den drei übrigen mit Geldauflagen erfolgen.

Drei beschuldigte Mitarbeiter des Veranstalters stimmten einer solchen Verfahrenseinstellung anders als die Staatsanwaltschaft aber nicht zu. Sie hätten nach dem Willen der Staatsanwaltschaft Geldauflagen von jeweils rund 10.000 Euro erhalten sollen. Bei der Duisburger Loveparade waren am 24. Juli 2010 in einem Gedränge 21 Menschen getötet und mehr als 650 weitere verletzt worden.

Zahlreiche Mängel und Pflichtwidrigkeiten

Der Vater eines der Opfer kann die Einstellung des Verfahrens nicht verstehen und erhebt schwere Vorwürfe gegen das Gericht. Das Gutachten zu dem Unglück sei vom Gericht willkürlich selektiv zitiert worden, zahlreiche Mängel und Pflichtwidrigkeiten seien nicht erwähnt, wichtige Zeugen noch nicht gehört worden, sagte Klaus-Peter Mogendorf am 101. Verhandlungstag. Er hatte seinen Sohn Eike bei der Katastrophe verloren.

Richter Mario Plein entgegnete, die Einstellung des Verfahrens sei kein Vorschlag aus Verlegenheit und auch nicht der drohenden Verjährung geschuldet. "Die Verjährung spielt keine Rolle", sagte Plein. Das Gericht gehe nach wie vor von einem hinreichenden Tatverdacht aus. "Viele Leute haben Schuld. Davon gehen wir nach derzeitigem Stand aus." Die Einstellung sei zweifellos unpopulär, "aber wir halten sie für richtig".

(sis/dpa)