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Wie viel Vitamine braucht der Mensch?

15.3.2019 16:47 Uhr

Gastbeitrag von Doz. Dr. Yasar Bilgin

Besonders im Winter beschäftigen sich viele Menschen mit dem Thema Vitamine und auch viele Artikel und Beiträge in Zeitungen,Magazinen sowie im TV beschäftigen sich mit diesem Thema. Außerdem wird der menschliche Vitaminbedarf intensiv von der Werbung aufgegriffen und verunsichert dabei nicht selten die Menschen, da bei Ihnen Angst vor einer Vitaminunterversorgung entsteht.

Es wird viel geschrieben und diskutiert, ob unsere Ernährung uns genügend mit Vitaminen versorgt, wie viel wir von welchen Vitaminen für unsere Gesundheit benötigen und ob man zusätzlich Vitamine zu sich nehmen sollte. Wir versuchen Licht ins Dunkel zu bringen.

Was sind Vitamine?

Das Wort Vitamine setzt sich zusammen aus den Wörtern Vita, welches Leben bedeutet und Amine, das im Lateinischen für Stickstoff steht. Als man die Vitamine so bezeichnet hat, ging man noch davon aus, dass alle Vitamine Stickstoffverbindungen seien. Heute weiß man, dass dies nicht zutreffend ist. Man hat die Bezeichnung aber aus Gewohnheitsgründen beibehalten.

Vitamine sind lebenswichtig für unseren Stoffwechsel und den Zellaufbau. Vitamine werden von unserem Körper benötigt, um unsere Energiegewinnung aus der Nahrung zu ermöglichen und sie regulieren den Verbrauch von Kohlenhydraten und Fetten.

Es gibt 13 verschiedene Vitamine, von denen der menschliche Körper nur zwei selbst produzieren kann. Dies sind das Vitamin D und Vitamin B3 (Niacin), wobei Vitamin D durch Sonneneinstrahlung auf die Haut selbst erzeugt werden kann und Niacin durch die Umwandlung der Aminosäure Tryptophan, die sich im Eiweiß von beispielsweise Hühnerfleisch, Eiern, Haferflocken oder Erbsen befindet. Damit der menschliche Körper Niacin produzieren kann, muss man also die Aminosäure Tryptophan durch die Nahrung aufnehmen. Für die Produktion des Vitamins D ist es notwendig, dass die menschliche Haut in Berührung mit den Sonnenstrahlen kommt.

Fett- und wasserlösliche Vitamine

Es gibt zwei verschiedene Arten von Vitaminen - die fettlöslichen Vitamine A, D, E und K sowie die wasserlöslichen Vitamine C und die der B-Gruppe. Die fettlöslichen Vitamine kann der Körper in der Leber sowie in Körperzellen speichern. Wenn von den wasserlöslichen Vitaminen zu viele im Körper vorhanden sind, werden diese über die Niere ausgeschieden. Somit muss der Mensch die wasserlöslichen Vitamine regelmäßig durch die Nahrung aufnehmen, damit sie im ausreichenden Maße zur Verfügung.

Vitamine werden von Pflanzen, Tieren und Bakterien produziert und können so durch die Nahrung von uns aufgenommen werden. Auch Bakterien in unserem Darm können Vitamine produzieren oder so umwandeln, dass unser Körper sie aufnehmen kann. Durch die Einnahme von Antibiotika kann dies zeitweise eingeschränkt sein, da auch diese Bakterien reduziert werden. Nachdem man das Antibiotikum abgesetzt hat, normalisiert sich dies aber wieder und es können Vitamine im gleichen Maße wie zuvor aufgenommen werden.

Die Vitamine sind wichtig für das Immunsystem, die Blutbildung und die Zellerneuerung, wobei jedes Vitamin dabei eine eigene Funktion erfüllt. Alle Vitamine haben Auswirkungen auf den Stoffwechsel des Menschen und sind lebenswichtig.

Was passiert bei Überdosierung?

Die wasserlöslichen Vitamine werden bei einer Überdosierung einfach durch den Urin ausgeschieden. Bei den fettlöslichen Vitaminen ist eine Überdosierung selten, sie kann aber auch geschehen - besonders dann, wenn man zusätzlich zur Nahrung Vitaminpräparate zu sich nimmt. Fettlösliche Vitamine können in der Leber und in den Körperzellen mehrere Monate "bevorratet" werden. Das Vitamin A kann zum Beispiel bis zu einem halben Jahr in der Leber gespeichert werden. Vitamin D findet sich bis zu drei Monaten im Körper wieder.

Wie kann es zu einer Unterdosierung kommen?

Eine Unterdosierung von Vitaminen kann durch eine nicht abwechslungsreiche, einseitige Ernährung oder zu wenig Sonnenlicht vorkommen. Auch entzündliche Prozesse im Körper können zu einer Unterversorgung mit Vitaminen führen. Bei Menschen, die regelmäßig viel Alkohol zu sich nehmen, kann es ebenso zu einer Unterversorgung kommen - zumeist beim Vitamin B.

Auch Darmerkrankungenführen häufiger zu einer Unterversorgung, da die in der Ernährung enthaltenen Vitamine durch die Verdauungsvorgänge nicht mehr optimal vom Körper aufgenommen werden können. Auch bei Patienten mit künstlicher Ernährung oder durch einseitige Ernährung, sowie bei Vegetariern und Veganern kann eine Unterversorgung eintreten. Bei älteren Menschen und bei Schwangeren sollte man die Vitaminversorgung durch einen Bluttest überprüfen lassen, da häufig einige Vitamine nicht ausreichend zur Verfügung stehen.

Bei einer anhaltenden Unterversorgung von Vitaminen können ernsthafte körperliche Störungen auftreten. So können Probleme bei den Knochen, Muskeln oder Nerven entstehen und auch unser Immunsystem braucht für seine Funktion verschiedene Vitamine.

Erhöhter Vitaminbedarf im Alter, bei Schwangerschaft und Krankheiten

Früher kam es bei Seefahrern vor, dass sie durch eine lange Seefahrt keine frische Nahrung zu sich nehmen konnten. Hierdurch kam es zu einer mehrmonatigen Unterversorgung mit Vitamin C und so zu einer Erkrankung mit Skorbut, die zu einem Ausfallen der Zähne führte.

Manche Kinder litten früher an einer starken Unterversorgung mit Vitamin D. Hierdurch entstand eine Rachitis, die zu einer Verformung der Knochen führte. Zur Zeit herrschen in Europa aber keine dieser Vitaminmangelerkrankung, da wir alle genügend mit Vitaminen versorgt sind.

Vitamine sind lebenswichtig, aber bei einer ausgewogenen Ernährung ist eine zusätzliche Einnahme nicht notwendig. Ein erhöhter Bedarf besteht im Alter, bei Schwangerschaft und bei Krankheiten. Hier kann der Arzt feststellen, ob eine zusätzliche Einnahme von Vitaminen notwendig ist.

Doz. Dr. Yasar Bilgin
Türkisch-Deutsche Gesundheitsstiftung

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