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Wie steht der Islam zur Organspende?

26.4.2019 17:03 Uhr

Gastbeitrag von Doz. Dr. Yaşar Bilgin

Häufig wird in den Medien darüber berichtet, dass in Deutschland zu wenige Organe für eine Spende zur Verfügung stehen. Dadurch warten viele Patienten, die auf ein neues Organ angewiesen sind, meist jahrelang auf ein geeignetes Organ. In dieser Zeit müssen sie intensivmedizinisch betreut werden und leben in der Angst, dass rechtzeitig ein Organ für sie zur Verfügung steht. Die Organspende ist häufig die letzte Möglichkeit für diese Patienten und ohne ein geeignetes Organ können sie nicht überleben.

In der islamischen Religion gibt es viele Gebote und Verbote von Gott, deren Anwendung abhängig vom Gesundheitszustand des Einzelnen ist. Die Erhaltung der Gesundheit steht dabei vor der Anwendung der Gebote, so dass das Befolgen der Gebote und Verbote nicht die Gesundheit des Einzelnen gefährden darf. So steht in der Sure 6 Vers 145, dass der Genuss von Schweinefleisch verboten ist. Kommt es allerdings zu einer Nahrungsmittelknappheit und man droht zu verhungern, ist es erlaubt, Schweinefleisch zu essen, um seine eigene Gesundheit aufrecht zu halten. Laut der Sure 2 Vers 185 ist das Fasten wichtig und sollte von jedem Gläubigen durchgeführt werden. Allerdings darf man nicht fasten, wenn man erkrankt ist oder wenn Frauen ihre Tage haben. Auch hier gilt, dass die Achtung auf die eigene Gesundheit Vorrang vor dem Befolgen eines Gebots hat.

Lebensrettender Gesundheitsansatz im Islam

In der islamischen Religion wird darauf hingewiesen, dass der Mensch aktiv auf seine Gesundheit achten soll. Auch wird erwähnt, dass man anderen dabei helfen soll, dass sie ihre Gesundheit erhalten können. Man sollte auch dazu beitragen, dass Kranke wieder gesunden können und sie dabei unterstützen. In der Sure 5/32 wird betont, dass wenn man das Leben eines anderen rettet, dieses von Gott so gewertet wird, als hätte man die ganze Menschheit gerettet. Aus der Sicht des Islams kann man davon ausgehen, dass es eine Verpflichtung für jeden Gläubigen ist, wenn man durch eine Organspende das Leben anderer retten kann, dies auch zu tun. Es gibt viele Gutachten von Islamgelehrten, die eine Organspende befürworten.

Wie ist die Organspende in Deutschland geregelt?

Die Organspende ist in Deutschland so geregelt, dass der jeder Bürger sich entscheiden kann, ob er seine Organe nach seinem Tod anderen Patienten zur Verfügung stellen möchte. Wenn man sich dafür entscheidet seine Organe zu spenden, erhält man einen Organspenderausweis, der Ärzten darüber Auskunft gibt, welche Organe man bereit ist zu spenden. Hat man keinen Organspenderausweis, befragen die Ärzte die Angehörigen des Verstorbenen, ob seine Organe für einen anderen Patienten zur Verfügung stehen. Ohne vorherige Zustimmung des Verstorbenen oder die Zustimmung der Angehörigen kann kein Organ für eine andere Person entnommen werden. Das soll sich alledrings in Zukunft ändern. Ein Gesetzentwurf der Bundesregierung liegt bereits vor. Aktuell wird darüber noch politisch debattiert. Eine endgültige Entscheidung ist noch nicht gefällt.

Organspenderausweis immer bei sich tragen

Da viele Angehörige von gerade Verstorbenen mit der Entscheidung, ob die Organe gespendet werden dürfen, überfordert sind, ist es empfehlenswert, dass sich jeder darüber Gedanken macht. Hat man sich entschieden, dass man mit seinen Organen das Leben anderer Menschen retten möchte, sollte man durch seinen Hausarzt einen Organspenderausweis ausfüllen lassen und ihn immer bei sich tragen. Ein Organ wird dem Menschen nur entnommen, wenn durch verschiedene Ärzte der Hirntod des Patienten festgestellt wurde. Dabei gibt es klare Indikationen und Auflagen, die zu erfüllen sind und dokumentiert werden.

Unterschiede zwischen der Spende von Ein- und Zwei-Organen

Ein-Organe, wie das Herz, liegen im Körper nur einmal vor. Von anderen Organen, wie den Nieren, der Leber und der Lunge, verfügt der Körper über zwei gleiche Organe. Die nur einzeln vorliegenden Organe kann man nur nach seinem Tod spenden. Die zweifach vorhandenen Organe kann man auch bereits während des eigenen Lebens spenden. Hier spricht man dann von einem Lebendspender, der eines seiner Organe spendet, um das Überleben eines anderen Menschen zu ermöglichen. Man kann beispielsweise mit nur einer Niere gut leben und aus diesem Grund ist es medizinisch auch vertretbar, dass Lebendspender eines ihrer Organe spenden. Häufig wir dies innerhalb einer Familie geschehen und manchmal wird darüber auch in den Medien berichtet. Die Mediziner werden dabei den Spender genau über die Risiken und Auswirkungen einer Lebendspende aufklären. Außerdem müssen die gleichen Bedingungen vorliegen, wie bei sonstigen Organspenden, das Spenderorgan muss für den Patienten passend sein. Dies kann vorab labormedizinisch genau abgeklärt werden.


Doz. Dr. Yaşar Bilgin
Türkisch-Deutsche Gesundheitsstiftung