epa/US Navy/MC3 Jason Waits

Weltgemeinschaft ruft zur Besonnenheit auf

15.6.2019 0:14 Uhr

Im Golf von Oman kam es zu einem Zwischenfall mit zwei Öltankern. China hat nun alle Parteien zur Zurückhaltung aufgerufen. "Wir alle wollen keinen Krieg in der Golfregion", sagte Außenamtssprecher Geng Shuang am Freitag in Peking. China sei besorgt über die jüngsten Spannungen im Nahen Osten.

Alle Parteien sollten ihre Differenzen durch Dialog lösen und Frieden und Stabilität sichern. Die Sicherheit der Schifffahrt in den betreffenden Seegebieten müsse gewahrt werden.

Zuvor hatte sich in der kirgisischen Hauptstadt Bischkek der chinesische Staats- und Parteichef Xi Jinping mit dem iranischen Präsidenten Hassan Ruhani getroffen. In Berichten chinesischer Staatsmedien über das Treffen am Rande des Gipfels der Shanghai Kooperationsorganisation (SCO) wurden die Zwischenfälle und die Vorwürfe der USA an den Iran, Schuld an den Angriffen auf die Öltanker zu sein, nicht erwähnt.

China betrachte die Beziehungen zum Iran von einer „strategischen und langfristigen Perspektive“, sagte Xi Jinping laut amtlicher Nachrichtenagentur Xinhua. Ungeachtet von Veränderungen in der regionalen und internationalen Lage sei China bereit, seine „umfassende strategische Partnerschaft“ mit dem Iran beständig zu fördern. China unterstütze auch die Aufrechterhaltung des Atomabkommens mit dem Iran.

Türkei ruft zur Besonnenheit auf

Auch der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu hat nach einem mutmaßlichen Angriff auf zwei Öltanker im Golf von Oman vor übereilten Reaktionen gewarnt. Die Vorfälle am Donnerstag seien wirklich sehr besorgniserregend, aber man dürfe nicht hastig reagieren, sagte er am Freitagvormittag in einem von CNN Türk übertragenen Interview mit der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu. „Das muss ernsthaft untersucht werden.“

Zu den Vorwürfen der USA in Richtung Iran sagte er: „Wir denken, dass es keinen Zweck hat, das auf die Schnelle einem einzigen Land anzulasten.“ Man könne nicht behaupten, binnen weniger Stunden alle Beweise gefunden zu haben. Das könne die Spannungen in der Region nur steigern.

Nach dem Vorfall wächst weltweit die Sorge vor einer Eskalation im Konflikt zwischen den USA und dem Iran. US-Außenminister Mike Pompeo hatte am Donnerstag die Führung in Teheran beschuldigt, hinter dem mutmaßlichen Angriff zu stecken. Diese wies wies das kategorisch zurück.

Betroffen von den teilweise weiter ungeklärten Vorfällen waren am Donnerstag ein von einem deutschen Unternehmen gemanagter Frachter, der einer japanischen Firma gehört, sowie ein Schiff einer norwegischen Reederei. Beide Tanker wurden beschädigt, die Besatzungen in Sicherheit gebracht.

EU ist bei Bewertung vorsichtig

Die Türkei und der Iran haben ein durchwachsenes Verhältnis. Im Konflikt im Bürgerkriegsland Syrien stehen sie beispielsweise auf unterschiedlichen Seiten. Die Türkei unterstützt die Opposition, der Iran zusammen mit Russland die Regierung von Machthaber Assad. Andererseits hat die Türkei lange viel Öl aus dem Iran bezogen und unterstützt die Proteste des Irans gegen US-amerikanische Sanktionen.

Der Auswärtige Dienst der EU schließt sich den US-amerikanischen Schuldzuweisungen gegen den Iran nach den mutmaßlichen Angriffen auf zwei Öltanker im Golf von Oman vorerst nicht an. „Wir sind dabei, die Lage zu bewerten und Informationen zu sammeln“, sagte ein ranghoher EU-Beamter am Freitag in Brüssel. Man habe es mit einer komplexen Situation zu tun und könne zum derzeitigen Zeitpunkt nur dazu aufrufen, größtmögliche Zurückhaltung walten zu lassen und Provokationen zu vermeiden.

(an/dpa)