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Weiterer Vietnamese unter den Toten befürchtet

26.10.2019 11:49 Uhr

Ermittler waren davon ausgegangen, dass sich in dem Lkw mit 39 Toten nur Chinesen befunden hätten. Jetzt könnte es ein zweites vietnamesisches Opfer geben.

Nguyen Dhin Gia habe einen Anruf von einem Vietnamesen erhalten, der ihn über den Tod seines Sohnes auf dem Weg nach Großbritannien informiert habe, sagte er am Samstag der Nachrichtenagentur AFP. Am Freitag hatte bereits eine andere vietnamesische Familie Befürchtungen geäußert, dass eine Angehörige unter den Toten ist. Die Ermittler waren zunächst davon ausgegangen, dass alle Opfer aus China stammten.

Etwas "Unerwartetes passiert"?

Nguyen sagte AFP, sein 20-jähriger Sohn habe sich seit 2018 illegal in Frankreich aufgehalten und wollte für rund 12.600 Euro nach Großbritannien weiterreisen, um dort in einem Nagelstudio zu arbeiten. Vor einigen Tagen habe der Vater dann einen Anruf von einem Vietnamesen erhalten, der ihn um "Verständnis" bat und sagte, dass etwas "Unerwartetes passiert" sei. Nguyen bat die vietnamesischen Behörden um Hilfe bei der Identifizierung seines Sohns. Von Kontaktpersonen in Großbritannien erfuhr er, dass der 20-Jährige Paris am Nachmittag des 21. Oktobers verlassen habe - zwei Tage vor dem grausigen Fund der Leichen nahe London.

"Ich sterbe, weil ich nicht atmen kann"

Am Freitag hatte bereits der Vietnamese Pham Manh Cuong davon berichtet, dass seine Schwester unter den Toten sein könnte. Nach seinen Angaben war die 26-Jährige Anfang Oktober aus Vietnam nach Großbritannien aufgebrochen. Am Dienstagabend habe sie dann ihrer Mutter eine verzweifelte SMS geschickt. "Es tut mir Leid, Mama. Mein Weg ins Ausland hat keinen Erfolg. Mama, ich liebe Dich so sehr! Ich sterbe, weil ich nicht atmen kann." Pham sagte AFP, die SMS sei echt und wenige Stunden vor dem Leichenfund am Mittwochmorgen abgeschickt worden. Auch aus vietnamesischen Sicherheitskreisen hieß es, unter den 39 Toten könnten vietnamesische Staatsangehörige sein. Ein Sprecher der vietnamesischen Botschaft in London sagte zudem, die diplomatische Vertretung sei von einer vietnamesischen Familie kontaktiert worden, die ihre Tochter seit der Entdeckung des Lastwagens vermisse.

Gefälschte chinesische Pässe?

Die beiden mutmaßlichen Opfer könnten bei der Reise nach Großbritannien gefälschte chinesische Pässe bei sich getragen haben. Sie stammen aus der verarmten Provinz Ha Tinh im Zentrum des Landes, aus der viele illegale Migranten kommen. Viele zahlten für ihre Reise mit gefälschten Dokumenten zehntausende Euro - in der Hoffnung, vor allem in Großbritannien in Nagelstudios oder auf Cannabisfarmen arbeiten zu können. Die 39 Leichen waren am Mittwochmorgen in einem Industriegebiet östlich von London in einem Lkw-Kühlcontainer entdeckt worden. Die Polizei nahm Ermittlungen wegen Mordes auf, vier Verdächtige wurden festgenommen.

(be/afp)

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