dpa

Weihnachten mit Emilia Clarke

11.11.2019 11:49 Uhr

Schauspielerin Emilia Clarke war in der Fantasy-Saga "Game of Thrones" die von Rache besessene Mutter der Drachen. In "Last Christmas" zeigt die Schauspielerin eine andere Seite. Sie ist die 26-jährige Kate, die den Halt im Leben verloren hat und sich mit ihrer Arbeit als Weihnachtself durchschlägt.

Als sie im Londoner Vorweihnachtstrubel Tom trifft, fühlt sie zum ersten Mal seit langem Geborgenheit. "Brautalarm"-Regisseur Paul Feig hat eine Weihnachtskomödie gedreht, die viele amüsante Momente hat, aber etwas bemüht wirkt. Der rote Faden: Jede Menge Songs von George Michael und Wham!, allen voran der Weihnachtsklassiker "Last Christmas".

Nicht der übliche Liebeskitsch

Der Film macht vieles richtig. Er hat wunderschöne, warmherzige Momente. Er ist immer wieder lustig und er hebt sich wohltuend von den üblichen Weihnachtskomödien ab. Das Autorenteam rund um Oscar-Preisträgerin Emma Thompson setzte bei dem Drehbuch nicht auf den üblichen Liebeskitsch. Stattdessen wartet "Last Christmas" mit einigen sehr überraschenden Wendungen auf, die eine nachdenkliche Note in den sonst eher locker gehaltenen Film bringt.

Kate hat ihre Freunde vergrault. Sie ist unzuverlässig und sorgt ständig nur für Chaos. Mit ihrer Familie liegt sie über Kreuz, vor allem mit ihrer Mutter (Emma Thompson - "Sinn und Sinnlichkeit"). Und ihre Chefin Santa (Michelle Yeoh - "Crazy Rich"), in deren Weihnachtsladen sie als Elf Regale abstaubt und Kunden bedient, zeigt weder Mitleid noch andere Gefühlsregungen.

Emilia Clarke in der Rolle der chaotischen "Kate"

Emilia Clarke macht ihre Sache gut. Ihre Kate wirkt chaotisch und kämpferisch, gleichzeitig hat sie etwas Zerbrechliches. Wunderbar vor allem ihr Mienenspiel - wie sie die Augenbrauen hebt, die Stirn runzelt oder frech grinst. Kein Wunder, dass Tom (Henry Golding - "Crazy Rich") da schwach wird. Er vermittelt Kate ein wohliges Gefühl von Vertrautheit und Sicherheit. Ein sensibler Mann, der gut aussieht, keinen Alkohol trinkt, den Obdachlosen hilft und immer Verständnis hat - fast zu gut, um wahr zu sein.

Dazu die volle Dröhnung Wham! und George Michael mit altbekannten Songs wie "Faith", "Everything She Wants" oder "Wake Me Up Before You Go-Go" (passenderweise als Aufwachlied für Kate). Auch eine Neuentdeckung gibt es, das bislang unveröffentlichte Lied "This Is How We Want to Get High".

Kritik

Doch insgesamt wirkt der Film nicht ganz stimmig. Erst allmählich wird man mit den Figuren warm. Vor allem Kate wirbelt zu Beginn ziemlich hektisch durch die Geschichte und bleibt als Charakter wenig greifbar. Zudem ist der Streifen thematisch überfrachtet. Die Angst vor dem Brexit und Fremdenfeindlichkeit wollten die Filmemacher unterbringen - ein lobenswertes Anliegen. Gelungen ist ihnen das nicht, denn die kurzen Szenen passen sich überhaupt nicht in die Geschichte ein und wirken seltsam aufgesetzt.

Ist der Film sehenswert?

Wer auf Pop à la Wham! steht, für den ist der Film trotzdem sehenswert. George Michael war noch in die Entwicklung eingebunden, bevor er 2016 starb. So mancher Fan hätte vielleicht lieber das berühmte Musikvideo von "Last Christmas" in Spielfilmlänge gesehen, in dem sich Freunde zum Skifahren in den Bergen treffen und es zwischen einem Mann und einer Frau plötzlich wieder knistert - alte Liebe vom letzten Weihnachtsfest, "Last Christmas, I gave you my Heart...". Der aktuelle Film erfüllt diese Liedzeile nun mit einem völlig anderen Sinn und sorgt am Ende nicht nur für eine große Überraschung, sondern auch für bewegende Momente voller Wehmut und Liebe.

(gi/dpa)

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