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Wegen Zöllen - USA kritisieren den Kosovo

31.1.2019 22:43 Uhr

Die Regierung im Kosovo hat die amerikanische Regierung verärgert indem hohe Zölle gegen den Nachbarn Serbien verhängt wurden. Ein Treffen des US-Botschafters in Pristina, Philip Kosnett, mit der kosovarischen Staats- und Regierungsspitze endete am Donnerstag damit, dass der US-Diplomat die Tür hinter sich zuschlug, als er entnervt den Sitzungssaal verließ, berichtete der Fernsehsender RTK auf seiner Webseite. Die Zollfrage droht überdies die regierende Koalition im Kosovo zu spalten.

Pristina hatte im vergangenen November Zölle in Höhe von 100 Prozent auf Waren aus Serbien und Bosnien-Herzegowina eingeführt. Ministerpräsident Ramush Haradinaj wollte damit die Anerkennung des seit 2008 unabhängigen Kosovos durch Belgrad erzwingen. Serbien, zu dem das überwiegend albanische bevölkerte Kosovo einst gehört hatte, lehnte dies entrüstet ab.

Verscherzt es sich das Kosovo mit den USA?

Die EU und die USA verlangen seitdem die Aufhebung der Zölle, die praktisch einem Einfuhrboykott gleichkommen. Vor allem Washington, der wichtigste Verbündete und Fürsprecher des kleinen Balkanlandes, erhöhte zuletzt den Druck. Haradinaj, der die AAK-Partei anführt, zeigte sich unbeeindruckt. Doch der Koalitionspartner PDK, aus dessen Reihen Präsident Hashim Thaci kommt, signalisierte: das Kosovo darf es sich um keinen Preis mit den USA verscherzen.

PDK-Chef und Parlamentspräsident Kadri Veseli hatte bereits zu Wochenbeginn eine 120-tägige Aussetzung der umstrittenen Zölle vorgeschlagen, um Verhandlungen in Gang zu setzen. Würden die Beziehungen zu den USA wegen der Zollfrage beschädigt, würde dies den Sturz der Regierung nach sich ziehen, fügte er hinzu.

Aber selbst nach dem offenbar stürmisch verlaufenen Treffen zwischen Kosnett, Thaci, Haradinaj und Veseli blieben die Fronten verhärtet. Beobachtern zufolge könnte die Regierung in Pristina bald fallen. Die Folgen wären vorgezogenen Neuwahlen.