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Was Sie über Cholesterin wissen sollten

30.11.2018 11:30 Uhr, von Doz. Dr. Yaşar Bilgin

Gastbeitrag: Doz. Dr. Yaşar Bilgin

Wir möchten uns heute einem Thema widmen, dass aktuell besonders in der Türkei, aber auch in Deutschland, sehr kontrovers diskutiert wird. Es geht um Cholesterin und seine Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit.

Wohl jeder hat bereits von Cholesterin etwas gehört. Dies hat auch damit zu tun, dass immer wieder kontrovers diskutiert wird, ob ein hoher Cholesterinspiegel negative Auswirkungen bei der Entstehung von Gefäßerkrankungen und Herzinfarkten hat oder ob ein geringer Cholesterinspiegel Krebs verursacht. Die unterschiedlichen Berichterstattungen hierüber verunsichern viele Menschen.

Es wurden weltweit viele Studien mit mehreren tausend Patienten durchgeführt, die den Zusammenhang von Cholesterin und die Entstehung von Gefäßerkrankungen betrachtet haben. Es ist der am meisten untersuchte Bereich in der Medizin.

So lecker es auch aussehen mag: Ein Spiegelei enthält 240 mg Cholesterin. Foto: imago / Chromorange

Braucht der Körper Cholesterin

Die Untersuchungen haben eindeutig gezeigt, dass ein hoher Cholesterinspiegel die Entstehung von Gefäßerkrankungen beschleunigen kann. Es gibt aber keine Studie, die eindeutig belegt, dass es einen Zusammenhang zwischen niedrigen Cholesteringehalt und der Entstehung von Demenz oder Krebs geben könnte. Bevor wir hierauf näher eingehen, möchten wir uns aber der Frage stellen, warum Cholesterin für den menschlichen Körper wichtig ist?

Im Jahr 1824 wurde in der Gallenblase eine feste Substanz entdeckt, die man Cholesterin nannte. Cholesterin ist lateinisch und bedeutet in etwa "fester Bestandteil in der Galle". Cholesterin ist kein Fett, aber ein fettartiger Naturstoff, der fettlöslich aber nicht wasserlöslich ist. Man findet es besonders in den Zellen der Nerven, des Gehirns, im Blut und in der Leber.

Rohstoff für Sexualhormone

Cholesterin stabilisiert die Zellmembrane und dient als Rohstoff aus dem Nebennierenhormone, Sexualhormone und Cortison entstehen und es dient als eine Vorstufe für das Vitamin D. Somit ist es lebenswichtig und da der Körper auf Cholesterin angewiesen ist, produziert er es überwiegend in der Leber selbst. Nur ein geringer Teil wird durch die Nahrung im Dünndarm durch die Gallensäure aufgenommen. Der Körper hat ca. 14 Gramm Cholesterin. Die Leber produziert pro Tag ca. 1 bis 2 Gramm und maximal 0,5 Gramm können durch die Nahrung aufgenommen werden und dies auch nur sehr eingeschränkt. Zum Beispiel enthält ein Ei 240 mg Cholesterin, 20 Gramm Butter 50 mg und 0,2 Liter Milch verfügen über 25 mg Cholesterin.

Wieso gibt es HDL- und LDL-Cholesterin?

Da Cholesterin nicht wasserlöslich ist, kann es von der Leber nicht durch das Blut zu den Zellen transportiert werden. Um dies doch zu ermöglichen, braucht es einen Träger, so etwas wie ein Taxi. Diese Funktion übernehmen Lipoproteine. Hiervon gibt es unterschiedliche und man unterscheidet sie nach ihrer Dichte in HDL und LDL. Durch diese Lipoproteine kommt es zur Bildung von HDL- und LDL-Cholesterin, die dann durch das Blut im Körper verteilt werden können. Dabei hat LDL die Funktion, Cholesterin zu den Zellen zu verteilen und HDL bringt das Cholesterin zur Leber zurück, wo es abgebaut und vom Körper ausgeschieden wird.

Die Frage ist, was passiert wenn der Cholesterinspiegel zu hoch ist?

Mehrere groß angelegte wissenschaftliche Studien mit vielen Patienten haben gezeigt, dass je höher der Cholesterinspiegel ist, eine Zunahme an Gefäßverkalkungen zu beobachten war. Allerdings spielt für diesen Zusammenhang nicht das Gesamtcholesterin eine Rolle, sondern nur ein Teilcholesterin, das LDL. Dieses wird als schlechtes Cholesterin bezeichnet, HDL als gutes Cholesterin.

Gefäßverkalkungen durch Cholesterin?

Wie kam man darauf, dass Cholesterin an der Entstehung von Gefäßerkrankungen beteiligt ist?

Im Jahr 1910 hat man in der Plaque von Gefäßverkalkungen neben Calcium Cholesterin entdeckt. Man stellte fest, dass nicht Calcium alleine zu einer Verengung der Gefäße führt, sondern eine Mischung aus Calcium und Cholesterin. Bei weiteren Untersuchungen fand man heraus, dass das LDL-Cholesterin an diesen Prozess beteiligt ist und bei einem hohen LDL-Cholesterinwert häufiger Gefäßveränderungen festgestellt wurden. Allerdings führt nicht ein hoher LDL-Cholesterinwert allein zu diesen Prozessen, sondern ist abhängig von weiteren Faktoren wie Rauchen, Übergewicht, Bluthochdruck und genetischen Besonderheiten. Zum Beispiel, wenn ein Patient einen Herzinfarkt erlitten hat und noch weitere Risikofaktoren wie Rauchen und Übergewicht vorliegen, hat der Cholesterinspiegel eine höhere Bedeutung und muss in der Therapie berücksichtigt werden. Es ist also immer das Gesamtbild des Patienten entscheidend und nur ein Arzt kann individuell für den Patienten eine Einordnung des Cholesterinspiegels vornehmen.

Aus diesem Grund ist mein Vorschlag, seinen Cholesterinspiegel vom Arzt feststellen zu lassen und eine Abschätzung weiterer Risikofaktoren vornehmen zu lassen. Eine mögliche medikamentöse Therapie bei einem erhöhten Cholesterinspiegel kann der Arzt individuell für den jeweiligen Patienten vornehmen.


Doz. Dr. Yaşar Bilgin
Türkisch-Deutsche Gesundheitsstiftung