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Was ist bekannt und was ist spekulativ?

9.10.2019 19:52 Uhr

In Halle an der Saale in Sachsen-Anhalt sind am heutigen Mittwoch zwei Menschen erschossen worden. Im Zuge dieser Vorkommnisse schießen die Spekulationen und Gerüchte wie Pilze aus dem Boden. Grund genug, am frühen Abend eine Bestandsaufnahme hinsichtlich der Informationen durchzuführen. Was ist über die Geschehnisse in und um Halle an der Saale bekannt und was gehört ins Reich der Spekulationen?

Was gibt es an gesicherten Erkenntnissen?

Bekannt ist, es sind zwei Personen ermordet worden. Davon soll eine Person eine Frau sein, die auf offener Straße in der Nähe eines jüdischen Friedhofes erschossen worden sein soll.

Das erste Mordopfer, die Frau, ging über die Straße, sah den Täter, wie er an der Türe des Friedhofes eine selbstgebastelte und wirkungslose Sprengladung anbrachte. Daraufhin schimpfte die Dame mittleren Alters den Täter auf Sächsisch aus, ging an ihm vorbei, sagte noch "Mann, ey", schüttelte den Kopf und wurde dann vom Täter mit einer selbstgebauten Waffe - einer Slamfire-Gun - hinterrücks mit mehreren Schüssen niedergestreckt.

Eine weitere Person soll in einem Imbiss, einem türkischen Dönerladen, erschossen worden sein. Der zweite Tatort liegt rund 500 Meter Luftlinie vom ersten Tatort entfernt.

In circa 15 Kilometer Entfernung von Halle an der Saale, im Ort Landsberg, fielen rund 60 Minuten nach dem Vorfall in Halle Schüsse. Dabei wurden zwei Menschen verletzt.

Es gab bisher eine Festnahme, die von der Polizei gemeldet wurde.

Die Ermittlungen zu beiden Tatorten wurde – anders als beim Vorfall mit dem Lkw in Limburg - durch die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe übernommen.

Welche Erkenntnisse über Vorkommnisse sind nicht vollständig gesichert?

Der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde in Halle an der Saale, Max Privorozki, soll berichtet haben, dass sich der Anschlag zuerst gezielt gegen die Synagoge und den jüdischen Friedhof richtete. Dabei sei auf die Synagoge geschossen worden, um die Türe zu öffnen. Zudem habe es Explosionen gegeben.

Laut Augenzeugenberichten soll ein Täter "Explosionsmittel" über die Mauer des Friedhofs geworfen haben. Danach habe sich die Person, die als bewaffnet beschrieben wird, mit einem Fahrzeug entfernt.

Screenshot aus Tätervideo geteilt via Twitch

Es gibt Videos, die einen Mann zeigen, der hinter einem Pkw steht. Das Fahrzeug wie auch die Kleidung des Mannes entsprechen der Täterbeschreibung. Dieser Mann feuert über das Auto hinweg. Was er abschießt ist unklar, wie ebenso unklar ist, auf wen oder was er schießt. Im Video sieht man einen Nachladevorgang mit einer unbekannten Munition, die beim Abfeuern eine große Rauchentwicklung verursacht.

In einem anderen Video ist der identische Mann hinter dem Fahrzeug zu sehen und er packt etwas (Waffen) zusammen. Er geht auf die offene Wagentüre zu, als Schüsse fallen. Aus welcher Richtung und von wem abgefeuert ist unklar. Der Mann geht in Deckung, scheint zu fallen und liegt neben dem Fahrzeug. Danach gelangt der Mann ins Auto, wendet den Pkw und fährt davon.

In Landsberg hat es zwei Verletzte gegeben. Die sollen im Zusammenhang damit stehen, dass ein möglicher Täter sich ein neues Fluchtfahrzeug beschaffen wollte.

Einer der Täter soll ein 27-jähriger Deutscher mit Namen Stephan B. sein, der aus Sachsen-Anhalt stammt. Der Täter soll ein Bekennervideo aufgenommen und ins Netz gestellt haben, bei dem er sich während der Tat - nach dem Vorbild von Christchurch (Neuseeland), selbst mit einer Helmkamera filmt.

Zur Motivlage äußerte sich am frühen Abend der Bundesinnenminister Horst Seehofer von der CSU. Nach Rücksprache mit der Bundesanwaltschaft scheinen sich die Verdachtsmomente zu verdichten, dass es sich – wie im Fall des ermordeten Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke von der CDU, der am 2. Juni des Jahres von einem Rechtsterroristen ermordet wurde – um eine Tat mit rechtsextremistischen Hintergrund handelt.

(Hürriyet.de)

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