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Warum die dauerhafte Beibehaltung der Sommerzeit völliger Unsinn ist

30.3.2019 8:04 Uhr, von Ein Kommentar von Chris Ehrhardt

Die Sommerzeit, die in der jüngeren Zeit nach dem Krieg erstmals am Sonntag den 6. April 1980 wieder eingeführt wurde, geht ihrem Ende zu. Ab 2021 ist Schluss mit dem Unfug. Doch folgt dem Zeitumstellungsunsinn ein noch viel größerer Unsinn? Wird man die Sommerzeit dauerhaft beibehalten? Das sollte man dann doch bitte den Eltern erklären, deren Kinder frühmorgens müde, ausgelaugt und in der Schule nicht aufnahmebereit sind oder noch schlimmer: Den Eltern, deren Kinder auf dem dunklen Schulweg verunglücken.

Die Zeitumstellung ist ein Relikt aus alten und düsteren Zeiten. In Deutschland wurde diese "Kunstzeit" erstmals am 30. April 1916 eingeführt. Warum? An der "Heimatfront" im Ersten Weltkrieg galt es Energie zu sparen und an den Fronten half es, dass "länger materialintensivst gekämpft werden konnte". Darum hat man die Zeitumstellung bis zum 16. September 1918 fortgeführt. Umgehend mit dem Kriegsende 1918 wurde auch die Sommerzeit beendet. Eine Wiederauferstehung fand die Sommerzeit im Nazi-Deutschland. Ab dem 1. April 1940 galt erneut, dass Energie zu sparen sei – und das nicht nur in Deutschland, sondern auch in den besetzten Ländern. Für den Führer und den herbei fantasierten Endsieg. Erst am 2. Oktober 1949 endete das "Experiment".

Das dritte Aufkommen, das bis zum heutigen Tage vorhält, gab es am 6. April 1980. Europa war von der Ölkrise mit stark steigenden Preisen arg gebeutelt und energiesensibel geworden. Frankreich machte 1976 den Vorreiter, der Rest zog nach. Unter der Flagge der "Zeitharmonisierung in Europa". Bis heute. Doch damit ist 2021 Schluss. Aber wird der Eselei der Sommerzeit eine weitaus größere Dummheit mit der permanenten Beibehaltung der Sommerzeit nachgeschoben? Es steht zu befürchten, auch wenn sich rund 50 Prozent der Deutschen klar dagegen aussprechen und die alte Normalzeit wollen.

Es gibt keinen rationalen Grund zur dauerhaften Sommerzeit

Käme die permanente Sommerzeit, so hieße das, im Winter würde es noch später hell. Exakt eine Stunde später. Und die lange Dunkelphase im Winter steht auch als Unfallbrennpunkt fest. Statistiken sagen, dass gerade für Kinder und Jugendliche auf dem Schulweg die Unfallgefahr in der Dunkelheit um den Faktor zwei ansteigt. Eine Verdoppelung! Bis weit in den März hinein müssten Kinder in völliger Dunkelheit den Schulweg absolvieren, startet die Schule weiterhin um 8.00 Uhr am Morgen. Aber am Schulbeginn will die Bundesregierung auch auf keinen Fall rütteln. War immer so, muss so bleiben. Wider den Rat der Mediziner. Unter der Prämisse wäre die permanente Beibehaltung der Kunstzeit ein gefährlicher Schuss in den Ofen.

Doch nicht alleine die Unfallgefahr stellt ein Problem dar. Mediziner haben herausgefunden, dass sich im Teenageralter der Biorhythmus nachhaltig verschiebt. Die Hormone, die Hormone. Teens, die um 8.00 Uhr Schulbeginn haben, sind mit Erwachsenen zu vergleichen, deren Arbeitsbeginn auf 4.00 Uhr festgelegt ist. Verschiebt sich das Ganze nochmals um eine Stunde, wäre man so gesehen bei 3.00 Uhr am Morgen. Teenager, die zur Schule müssen, um dort zu lernen, werden quasi zu Bäckern. Und jeder Erwachsene sollte sich einmal selbst testen, wie gut seine Aufnahmefähigkeit um 3 Uhr am Morgen ist – und damit ist nicht die Aufnahmefähigkeit von Alkohol auf der Partymeile gemeint. Somit wird die ganze Aktion, wenn es auf die dauerhafte Beibehaltung der unsinnigen Sommerzeit hinausläuft, doppelt riskant.

Auch Erwachsene leiden unter der Sommerzeit

Natürlich ist es für Partygänger schön, wenn es im Sommer am Abend eine Stunde länger hell bleibt. Oder für Grillfans. Oder Menschen, die Spätschichten fahren und dann fast noch im Hellen den Heimweg antreten. Das wars dann aber auch quasi schon. Unsere innere Uhr rebelliert wegen der Zeitumstellung – auch im Erwachsenenalter. Die "geklaute Stunde" sorgt für ein Mehr an Stress, ein Mehr an Schlafmangel und ein Mehr an Unausgeglichenheit. Menschen, die nicht zu den Frühaufstehern gehören, aber um 7.00 oder 8.00 Uhr am Arbeitsplatz sein müssen, zwingen ihren Körper und die innere Uhr ohnehin bereits in ein Korsett. Das wird noch enger, wenn sich die Zeit auf dem Ziffernblatt nochmals um eine Stunde verschiebt. Einem Frühaufsteher hingegen macht es nichts aus, zur Standardzeit arbeiten zu gehen. Im Gegenteil. Er hat mehr "Vorglühzeit".

Als Fazit lässt sich sagen, dass die Beibehaltung der Sommerzeit nicht nur gegen den Mehrheitswillen der Bevölkerung wäre, sondern es sogar Gefahren und Mehrbelastungen bedeutet, würde die Normalzeit entfallen. Darum kann es unter logischen Gesichtspunkten ab 2021 nur heißen: Her mit der Standardzeit und die Sommerzeit gehört auf den Müllhaufen der Kriegs- und Ölkrisengeschichte.