imago/Xinhua

Warum der Ölpreis steigt

4.12.2018 13:35 Uhr, von Andreas Neubrand

Der Montag begann mit einem Anstieg des Öl-Preises für die Sorten Brent um 68 Cent auf 62,37 US-Dollar und West Texas Intermediate um 60 Cent auf 53,55 Dollar. Beide Sorten sind Leichtöl mit einem niedrigen Sulfur-Anteil, weshalb man sie auch als "süß" oder "leicht" bezeichnet. Die beiden Sorten sind deshalb so wichtig, weil sie für die Herstellung von Benzin und Kerosin von enormer Bedeutung sind.

Doch die Nachricht des Tages war das Ausscheiden Katars aus der OPEC. Ab dem 1. Januar 2019 werde Katar das Kartell verlassen, teilte der Energieminister Saad al-Kaabi am 3. Dezember mit. Die Gründe sind sowohl wirtschaftlich, als auch politisch motiviert. Das Land selber ist (und war noch nie) ein großer Förderer von Öl. Je nach Ausstoß und Quote steuerte das Land zwischen 0,6 und 1,1 Prozent zum Gesamtausstoß der OPEC bei.

Katars Strategie

Katar will sich nun vollständig auf die Förderung und Herstellung von Flüssigerdgas (LNG) konzentrieren. Dabei wird Erdgas auf -161 bis -164 Celsius heruntergkühlt und komprimiert. Dadurch ist das Gas so kompakt, dass es mittels Tanker verschifft werden kann und das Gas so flexibel verkauft werden kann wie Öl. Davor konnte es lediglich über Pipelines vom Produzenten zum Konsumenten gebracht werden. Dies führt zu Problemen, wenn sich Käufer und Verkäufer uneins sind. Denn ob sie wollen oder nicht, sie sind aufeinander angewiesen. Ohne LNG ist es nicht möglich, das Gas an einen anderen Käufer zu veräußern und der Abnehmer kann sein Gas nicht von einem anderen Verkäufer beziehen. Der Bau einer neuen Pipeline ist teuer, politisch langfristig zu planen und ökologisch in vielen Gegenden bestenfalls fragwürdig.

Ohne Bindung an die OPEC hat Katar freie Kapazitäten um das Kerngeschäft des Landes (über 50% des BSP) weiter auszubauen und die Führung im Weltmarkt für LNG von Australien zurückzuerobern.

Der zweite Grund ist politisch: Seit der Blockade durch Saudi-Arabien fürchtet Katar mehr und mehr um seine Souveränität. Da Saudi-Arabien der Silberrücken innerhalb des Kartells ist, ist der Austritt nur ein weiterer Schritt zu mehr Unabhängigkeit von Riad. Hintergrund des Konfliks zwischen Saudi-Arabien und Katar ist dessen Nähe zum Iran. Außerdem wirft Riad dem Land vor, terroristische Vereinigung von Al-Qaeda über die Al-Nusra-Front bis hin zum Islamischen Staat zu untersützen. Zum Höhepunkt kam es 2017, als alle Land-, See- und Luftanbindungen zu Katargekappt wurden und die Flugzeuge von Qatar Airlines keine Landeerlaubnis mehr erhielten. Außerdem soll Saudi-Arabien verhindert haben, dass Muslime aus Katar während der Haddsch die beiden Städte Mekka und Medina zu besuchen.

Quo Vadis, Riad?

In der Zwischenzeit steht Saudi-Arabien vor einem anderen Dilemma: Soll Riad dem Diktat Donald Trumps folgen und den Markt mit Öl fluten um die Preise für Öl und Benzin in den USA niedrigt zu halten oder soll das Königreich seine eigenen Finanzen im Blick haben und den Austoß drosseln? Doch die aktuelle Entscheidung wird nicht nur auf der wirtschaftlichen Ebene gefällt, sondern auf dem diplomatischen Parkett. Nach der Ermordung von Jamal Khashoggi wurde Saudi-Arabien zum Pariah der internationalen Gemeinschaft. Die Unterstützung der USA für Saudi-Arabien im allgemeinen und den Kronprinz Mohammed bin Salman im besonderen könnten die Wogen etwas glätten, so Anjli Rival in der "Financial Times".

Zu guter Letzt drohte der iranische Präsident Hassan Ruhani die Straße von Hormuz zu schließen - mal wieder. Die Sanktionen (wenn auch nicht vollständig in Kraft) zeigen Wirkung und wie oft in solchen Fällen droht der Iran mit dem Schließen der Ölstraßen im Persischen Golf. Normalerweise fällt dies in die Kategorie "business as usual". Aber die Zeiten sind alles andere als normal: Ein politisch isoliertes Saudi-Arabien und Russland vor einem neuen Konflikt mit der Ukraine machen die Anleger nervös. Und dass auf der westlichen Hemisphäre Winter herrscht und in weiten Teilen der Welt Weihnachten vor der Tür steht, ist nicht dazu geeignet die Nerven der Anleger zu beruhigen.

(an/dpa)