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Wann müssen Sie Bußgelder aus der Türkei in Deutschland bezahlen?

23.2.2021 16:05 Uhr

Jedes Land kann in einem bestimmten, rechtlichen Rahmen seine eigenen Gesetze verhängen. Dazu gehören auch Sanktionen, die greifen, wenn die vorgeschriebenen Gesetze nicht eingehalten werden. Das wohl bekannteste Beispiel, das nicht nur die Bürger der Türkei betrifft, sondern auch jene, die dorthin in den Urlaub fahren, ist der Straßenverkehr, die Gesetze, die auf der Straße gelten und die Bußgelder, die in der Türkei drohen. Wie hoch diese ausfallen und was mit Türkei-Urlaubern passiert, die ausreisen, ohne ihre Strafe zu bezahlen, verrät dieser Beitrag.

Wer durch die Gassen Istanbuls fährt, wird vermutlich eher nicht das Tempolimit überschreiten. Wenn doch, fallen die Bußgelder meist geringer aus als in Deutschland. Bildquelle: Pixabay / btaskinaya

Wie hoch fallen die Strafen für Verkehrssünder in der Türkei aus?

Der Direktvergleich einiger Bußgelder, die im Straßenverkehr in Deutschland und in der Türkei drohen können, macht in der folgenden Tabelle deutlich: Verkehrssünder müssen in Deutschland deutlich mehr für ein Vergehen berappen als in der Türkei. Bei allen gelisteten Bußgeldern handelt es sich jeweils um die unterste Grenze und ohne Berücksichtigung der Folgen des Verstoßes, also beispielsweise wenn durch Raserei ein Unfall passiert. Je nach genauem Vergehen kann das einzelne Delikt noch einmal deutlich teurer werden.

Mit Blick auf die in der Türkei niedrigeren Bußgelder als in Deutschland, lautet die klare Empfehlung der Reiseexperten: Urlauber sollten direkt im Urlaubsland die Strafe bezahlen. Wer sich das Geld sparen möchte, führt nämlich künftig ein unruhiges Leben – und zwar spätestens bei der erneuten Einreise.

Was passiert nach einer Ausreise ohne dass das Bußgeld bezahlt wurde?

Wer sich auf den Straßen von Izmir etwas zu Schulden kommen lässt, sollte das Bußgeld besser gleich bezahlen. Sonst drohen Probleme bei der erneuten Einreise. Bildquelle: Pixabay / 1508857

Zugegeben, es ist nicht gerade einfach, ein Bußgeld, das verhängt wurde, um ein in der Türkei begangenes Delikt zu ahnden, in Deutschland durchzusetzen. Das liegt daran, dass die Türkei kein EU-Mitglied ist. Unmöglich ist es dennoch nicht, denn es gibt das grundsätzlich mögliche Mittel der Vollstreckung, für das ein Bußgeldbescheid in Deutschland nötig ist. Ein entsprechendes Abkommen zwischen Deutschland und der Türkei gibt es nicht. Wäre die Türkei Mitglied der EU, würde das Vollstreckungsabkommen greifen, das bereits die Vollstreckung von „kleinen“ Bußgeldern von gerade mal 70 Euro ermöglicht. Durch die Bearbeitungsgebühren kann das Bußgeld durch das Nicht-Bezahlen im Land des Verkehrsvergehens, deutlich teurer werden.

Dieses Verfahren seitens der türkischen Polizei ist dennoch denkbar. Deswegen ist es nicht sinnvoll, einen Strafzettel zu ignorieren. Und selbst wenn bei der Ausreise alles problemlos abläuft, könnte ein offenes Bußgeld spätestens dann Probleme machen, wenn erneut in die Türkei eingereist wird. Statt Probleme bei einer erneuten Einreise zu riskieren, ist es sinnvoller, das Bußgeld direkt bei der Polizei zu bezahlen. Wer schnell ist und die Strafe binnen 15 Tagen bezahlt, kann sogar mit einem Bußgeld-Rabatt von 25 Prozent rechnen.

Wie stark weichen die Verkehrsregeln in der Türkei von denen in Deutschland ab?

De facto müssen sich Türkei-Urlauber nur wenig umstellen, wenn sie in der Türkei mit dem Auto unterwegs sind. Innerhalb türkischer Ortschaften sind 50 Stundenkilometer erlaubt; außerorts liegt das Limit bei 90 Stundenkilometern. Auf den Autobahnen im Land sind 120 Stundenkilometer erlaubt. Darüber hinaus gelten diese speziellen Regeln:

  • Pkw mit Anhänger dürfen innerorts nur 40 Stundenkilometer schnell fahren, außerorts 80 Stundenkilometer und auf der Autobahn 110 Stundenkilometer.
  • Motorradfahrer sind innerorts Autofahrern gleichgestellt und dürfen dort 50 Stundenkilometer fahren. Außerorts ist ihnen eine Höchstgeschwindigkeit von 80 Stundenkilometern erlaubt. Auf Autobahnen dürfen sie 100 Stundenkilometer schnell fahren.

Eine kleine Besonderheit gibt es mit Blick auf die Promillegrenze: 0,5 Promille sind in der Türkei erlaubt für die Fahrer privater Fahrzeuge. Zum Vergleich: In Deutschland gilt die Null-Promille-Grenze für Fahranfänger. Bei einem Blutalkoholspiegel zwischen 0,5 und 1,09 Promille fallen in Deutschland 500 Euro Bußgeld an. Dazu kommen ein Fahrverbot von einem Monat und zwei Punkte in der Verkehrssünderdatei. In der Türkei hingegen gilt die Null-Promille-Grenze nur für Fahrer, die mit Pkw und Anhänger unterwegs sind.

Wer mit Kindern reist, muss diese in einem Kindersitz befördern. Achtung: Das gilt sogar für Kinder, die über 1,5 Meter groß sind. Sie brauchen in der Türkei eine Art Sitzkissen.

Die meisten Verkehrszeichen sind auch in der Türkei verständlich, da sie rein optisch den aus Deutschland geltenden Zeichen ähneln. Dennoch raten Reiseexperten Urlaubern dazu, die folgenden Hinweise im Vorfeld zu lernen. Wer in die Türkei in den Heimaturlaub reist, weiß natürlich ohnehin, was sie bedeuten:

(Hürriyet.de)

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