epa/Justin Lane

Wall Street fürchtet Handelskrieg

6.5.2019 21:08 Uhr

Anleger an der Wall Street haben aus Angst vor einem eskalierenden Handelskrieg zwischen den USA und China am Montag den Stecker gezogen. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte gab bis zum frühen Nachmittag in New York 0,8 Prozent auf 26.285 Punkte nach. Der breiter gefasste S&P 500 sank ein Prozent auf 2916 Zähler.

Der Index der Technologiebörse Nasdaq ließ 1,2 Prozent auf 8066 Stellen Federn. "Anleger haben bislang darauf gesetzt, dass es eine schnelle Einigung gibt in den Verhandlungen", sagte Marktanalyst Mati Greenspan vom Onlinebroker eToro. "Mit nur zwei kleinen Tweets hat Donald Trump allerdings die Ruhe an den Märkten zerstört."

Der US-Präsident hatte am Wochenende via Twitter für Freitag eine Erhöhung von Importzöllen für bestimmte chinesische Produkte von zehn Prozent auf 25 Prozent angekündigt und seine harte Haltung am Montag bekräftigt. Unklar ist nun, wie die Regierung in Peking reagiert.

Der US-Notenbanker Patrick Harker warnte vor den Folgen einer Eskalation im Handelsstreit zwischen den USA und China. "Das ist generell keine gesunde Sache für die Wirtschaft", sagte der Chef der Notenbank von Philadelphia mit Blick auf Handelsbeschränkungen und Zollerhebungen. Die Spannungen in den Handelsbeziehungen seien Teil eines ganzen Bündels von Ungewissheiten, die auf Geschäftsangelegenheiten und Märkten lasteten. Harker erklärte, er wisse nicht, wie der Handelsstreit gelöst werden könne, und legte damit nahe, eine abwartende Haltung einzunehmen.

Chiphersteller besonders unter Druck

Unter Druck standen besonders Aktien von Chipherstellern, die einen Großteil ihrer Umsätze in China erwirtschaften. Das Branchenbarometer Philadelphia Chip Index gab 2,7 Prozent nach. Auch Technologiefirmen waren unter den Verlierern. Apple büßten 2,4 Prozent ein, Amazon und Facebook mehr als ein Prozent. Boeing, der größte US-Exporteur nach China, verlor 1,5 Prozent an Börsenwert.

Die Furcht vor einem Scheitern der Handelsgespräche zwischen China und den USA kehrte am Montag mit voller Wucht auch an die europäischen Börsen zurück. Der Dax schloss rund ein Prozent tiefer auf 12.286 Punkten. Der EuroStoxx50 notierte 1,1 Prozent niedriger bei 3462 Zählern. In China gingen die Leitindizes auf Tauchstation.

Ein Scheitern der Verhandlungen würde schwerwiegende Folgen für die weltweiten Börsen haben, sagte Marktanalyst Milan Cutkovic vom Brokerhaus AxiTrader. "Es ist zwar wahrscheinlich, dass Trump auch dieses Mal nur den Druck erhöhen möchte und keine neuen Strafzöllen folgen - zumindest nicht kurzfristig." China werde aber wohl kaum mit der Pistole am Kopf verhandeln wollen. Laut dem Außenministerium in Peking bereitet sich eine Delegation aus China auf eine Reise in die USA vor. Offen blieb aber bislang, ob auch Verhandlungsführer und Vizeregierungschef Liu He wie geplant an dem Treffen teilnehmen wird.

(an/dpa)

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