epa/Mohamed Messara

Waffenruhe hält nicht

12.1.2020 21:57 Uhr

In Libyen haben sich die Konfliktparteien gegenseitig einen Bruch der seit Sonntag geltenden Waffenruhe vorgeworfen. Bereits Minuten nach deren Inkrafttreten in der Nacht zum Sonntag habe es in zwei Randbezirken in der Hauptstadt Tripolis Verstöße gegeben, teilte die Regierung von Ministerpräsident Fajis al-Sarradsch mit.

Ein Kommandeur der selbst ernannten Libyschen Nationalarmee (LNA) des Generals Chalifa Haftar erklärte, die Regierung habe "mit allen möglichen Waffen, darunter Artillerie, an mehr als einer Front" gegen die Waffenruhe verstoßen.

Erdogan mahnte Waffenruhe an

Die Präsidenten der Türkei und Russlands, Recep Tayyip Erdogan und Wladimir Putin, hatten die Waffenruhe am Mittwoch nach einem Treffen in Istanbul angemahnt. Die Türkei unterstützt die Regierung von Al-Sarradsch und hat Truppen nach Libyen entsandt. Russland unterstützt dagegen Haftar gemeinsam mit Ägypten, Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Einem Bericht der staatlichen türkischen Nachrichtenagentur Anadolu zufolge, der sich auf eine nicht genannte diplomatische Quelle beruft, sollte Al-Sarradsch am Sonntag Erdogan besuchen.

Beide Seiten erklärten, sich der Waffenruhe weiterhin zu verpflichten. Die Sarradsch-Regierung rief die Vereinten Nationen dazu auf, diese mit ihrer Mission im Land (Unsmil) umzusetzen und Verstöße zu verhindern. LNA-Kommandeur Al-Mabruk Al-Gasawi sagte der Zeitung "Al-Marsad", dass seine Truppen sich der Waffenruhe ebenfalls weiter verpflichtet fühlten.

Haftar kontrolliert weite Teile Libyens und wird vom Parlament mit Sitz im Osten des Landes unterstützt. Die Truppen der LNA versuchen seit April, Tripolis einzunehmen, wo die Sarradsch-Regierung ihren Sitz hat. Am Montag hatte die LNA erklärt, bei den Kämpfen die Küstenstadt Sirte eingenommen zu haben. In Libyen herrscht seit dem Sturz von Langzeitherrscher Muammar al-Gaddafi 2011 Bürgerkrieg.

(an/dpa)

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