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Vor 27 Jahren: Stilles Gedenken an Brandanschlag von Solingen

30.5.2020 12:02 Uhr

In der Nacht des 29. Mai 1993 kam es in Solingen zu einem schlimmen Brandanschlag mit tödlichen Folgen für Frauen und Mädchen mit türkischen Wurzeln. Gürsün Ince, Hatice Genc, Gülüstan Öztürk, Hülya Genc und Saime Genc starben in den Flammen. Vier Männer aus dem rechtsradikalen Milieu der Klingenstadt im Bergischen Land wurden später schuldig gesprochen, die Tat begangen zu haben. Doch die Gedenkveranstaltung in Solingen zum Jahrestag des Verbrechens in diesem Jahr fiel im Schatten des Coronavirus und Covid-19 – Nordrhein-Westfalen war einer der Infektions-Hotspots in Deutschland – ruhiger und stiller aus als sonst.

Bildquelle 1993: Franz-Peter Tschauner/dpa

Circa 100 Menschen hatten sich in Solingen am 29. Mai 2020 versammelt, um an die Getöteten zu erinnern. Das taten sie in aller Stille und ohne die sonst üblichen Ansprachen und Gebetsveranstaltungen, die vor dem Mahnmal, welches in der Klingenstadt Solingen an die Opfer erinnert, gehalten werden. Politiker wie der Ministerpräsident des Landes Nordrhein-Westfalen, Armin Laschet (CDU), drückten ihre Trauer auf den Social Media aus. So sagte der Landesvater in einer Videobotschaft auf seinem Account bei Instagram: "Hass und Gewalt sind auch 27 Jahre nach dem Anschlag von Solingen nicht überwunden. Aber das Erinnern an diesen schrecklichen rechtsextremen Brandanschlag auf die Familie Genc, das halte ich heute auch noch für wichtig."

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Solingen: Gegen das Vergessen

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Auch Tim Kurzbach (SPD), Oberbürgermeister der Stadt Solingen im Bergischen Land, meldete sich zu Wort und bedauerte, dass wegen der Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus in diesem Jahre keine Trauerfeier möglich sei. "Der 29. Mai gehört normalerweise zu den Gedenktagen, an denen unsere Stadtgesellschaft enger zusammenrückt. Das Verbrechen macht uns auch in der Erinnerung immer wieder sprachlos", sagte Kurzbach.

Bildquelle: Henning Kaiser/dpa

Auch Ali Kemal Aydin, Botschafter der Türkei in Berlin, äußerte sich zur Gedenkveranstaltung in den türkischen Medien und adressierte Worte der Mahnung an Deutschland: "Nach all den Jahren ist Rassismus in Deutschland immer noch eine große und schwere Bedrohung. Heute Abend wird in Solingen ein Gedenkgottesdienst stattfinden. Wir hoffen, dass solche Angriffe in Deutschland und Europa nicht wieder vorkommen."

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Der Brandanschlag hatte 1993 Solingen in ein völliges Chaos gestürzt. Demonstrationen zu Ehren der Verstorbenen eskalierten in einer Welle der Gewalt, im Zuge derer es in Solingen zu so massiven Sachbeschädigungen und Plünderungen kam, dass die Polizei Wuppertal-Remscheid-Solingen Hilfe der GSG 9 und des Bundesgrenzschutzes in Anspruch nehmen musste, um der Lage Herr zu werden. Die Schadenssumme durch regelrechte Straßenschlachten, die sich nationalistische türkische Gruppen wie die "Grauen Wölfe" und kurdische Gruppierungen, unterstützt durch die autonome Szene, damals im Bergischen Land und darüber hinaus leisteten, wurde mit "mehreren Millionen D-Mark" beziffert.

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(ce)

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