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Voll im Trend: Work-Life-Integration

12.12.2019 16:40 Uhr

Erst die Arbeit, dann das Vergnügen. So lautet ein Sprichwort, dass typisch deutscher nicht sein könnte. Doch auch hier steckt etwas Wahrheit dahinter – denn ohne ablenkendes Vergnügen oder Entspannung nach Feierabend wäre der Arbeitsalltag langfristig nicht zu bewältigen. In diesem Zusammenhang fällt häufig das Stichwort der Work-Life-Balance – doch auch dieses Konzept ist bereits überholt.

Work-Life-Balance ist Schnee von Gestern

Der Begriff der Work-Life-Balance bezeichnet den Versuch, das Privatleben in der Freizeit und das Arbeitsleben miteinander in Einklang zu bringen, so dass eine gewisse Balance besteht. Das hat zum Ziel, mit einer angenehmen Verteilung dieser Lebensbereiche einen möglichst zufriedenstellenden Alltag zu erreichen.

Um dies zu erreichen, soll ein Arbeitsalltag ohne zu hohes Stresslevel mit genügend Zeit für Familie, Freizeit, Hobbys und sozialen Aktivitäten ergänzt werden. Nach Feierabend abzuschalten, die Aufgaben aus dem Büro vollständig zu vergessen und neue Energie zu tanken ist wichtig, um langfristig gesund zu bleiben und nicht an langfristigen Folgen wie Burn-Out oder Depression zu erkranken.

Auch die Vereinbarkeit eines aktiven Privatlebens, in dem man sich um die Familie kümmern muss, und einer Karriere ist diesbezüglich häufig ein Thema. Zu lange Arbeitszeiten, eine lange Anfahrt zur Arbeitsstelle oder zu niedrige Löhne sind daher Aspekte, die der Balance nicht gerade zuträglich sind.

Daher sind sowohl gesundheitsbewusste Menschen, aber auch sozial verantwortliche Arbeitgeber bemüht, dass Berufs- und Privatleben möglichst im Einklang sind. Dafür werden Maßnahmen wie eine Fokussierung auf aktive Hobbys, eine Beschränkung der Überstunden und eine gesunde Lebensweise mit gutem Zeitmanagement empfohlen.

Doch derartige Maßnahmen fallen immer schwerer beziehungsweise werden in vielen Fällen immer ineffektiver – aus einem ganz simplen Grund: Das Arbeitsleben selbst verändert seine Gestalt. Das kommt mit neuen Herausforderungen daher, wodurch sich auch die Probleme und deren Lösungen bezüglich einer gesunden Lebensbalance verändern.

Moderne Arbeit erfordert modernen Ausgleich

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Das Arbeitsleben verändert sich. Dank der Digitalisierung, mehr unabhängiger Arbeit am Computer, neuen Kommunikationsmöglichkeiten und einer erhöhten Mobilität hat der Beruf immer mehr Möglichkeiten, um in vielerlei Gestalt in das Privatleben hineinzutreten.

Immer mehr Arbeitsschritte sind mit mobilen, digitalen Endgeräten von überall aus durchführbar – was nicht selten den Effekt hat, dass auch später am Abend noch einmal auf eigene Zeit der Laptop aufgeklappt wird und die Office-Programme aufgerufen werden.

Der modernere Ansatz, um trotz aller Herausforderungen der digitalen und mobilen Arbeitswelt dennoch ein angenehmes Privatleben zur ermöglichen, bei dem der Stress des Arbeitsalltages vergessen beziehungsweise wieder abgebaut wird, lautet daher Work-Life-Integration.

Dabei stehen neue, innovative Konzepte auf dem Prüfstand. Anstatt der geregelten Arbeitszeiten und dem Schlussstrich des Feierabends versucht man nun, die 24 Stunden, die an einem Tag verfügbar sind, möglichst effektiv auszunutzen, so dass weder Arbeit noch Privatleben zu kurz kommen.

Dazu werden viele Aspekte, die mit dem neuen, modernen Arbeitsumfeld automatisch auftreten, zum Vorteil der Work-Life-Integration genutzt. Was potentiell negative Auswirkungen haben könnte, wird so angewandt, dass eine möglichst große Effizienz und somit Vereinbarkeit entstehen:

  • Flexible Arbeitszeiten: Was möglicherweise klingt wie lange Arbeitstage und viele Überstunden hilft dabei, bestimmte Termine und Pläne des Privatlebens in den Arbeitsalltag zu integrieren.
  • Flexibler Arbeitsplatz: Anstatt nur zusätzlich zum Büroalltag Arbeit mit nach Hause zu nehmen, sollte dies dabei helfen, Familie und Job zu vereinen – etwa, um auf ein krankes Kind aufzupassen oder für Paketlieferungen verfügbar zu sein.
  • Lockeres Büroumfeld: Anstatt der strikten Trennung von Arbeit und Vergnügen bieten mehr Unternehmen Möglichkeiten zur Unterhaltung. Das dient bei richtiger Anwendung nicht zur ständigen Ablenkung von den eigentlich Aufgaben, sondern zur Auflockerung und zum Stressabbau, um für wichtige Tasks mehr Konzentration vorweisen zu können.

Work-Life-Integration als Arbeitgeber

In unserer Gesellschaft haben sich in den letzten Jahrzehnten die Prioritäten bezüglich der Lebensziele und Bedürfnisse verändert. Dank eines im Durchschnitt immer höheren Lebensstandards haben sich Themen wie Selbstverwirklichung, Freizeit und psychische Gesundheit vermehrt in den Mittelpunkt gedrängt.

Das betrifft natürlich auch die Vorlieben bezüglich des Arbeitslebens, vor allem von jüngeren Menschen. Urlaubstage werden lieber aufgebraucht als ausbezahlt, eine Stelle mit angenehmem Arbeitsklima wird einer vielversprechenden, aber stressigen Karriere vorgezogen.

Daher schenken viele Bewerber den weiterführenden Konditionen mehr und mehr Aufmerksamkeit, wenn sie sich nach einer neuen Stelle umschauen. Die Möglichkeit zum gelegentlichen Homeoffice, zusätzliche Urlaubstage und eine lockere Büroatmosphäre stehen daher hoch im Kurs.

So genannte Zusatzleistungen oder Benefits werden besonders von jungen dynamischen Unternehmen immer häufiger angeboten. Das Ziel ist, Arbeitnehmer dadurch davon zu überzeugen, dass dem Unternehmen ihr Wohl am Herzen liegt und ein nachhaltiges und wertschätzendes Arbeitsumfeld bereitgestellt wird.

Gleichzeitig dient das natürlich auch als Möglichkeit, eine Firma attraktiver für Bewerber zu machen. Daher werden derartige Maßnahmen bewusst in das Arbeitsumfeld integriert und in Stellenanzeigen hervorgehoben. Die Entwicklung des Interesses auf Suchmaschinen an Homeoffice zeigt den eindeutigen Trend: In den letzten fünf Jahren hat sich diesbezüglich viel verändert.

Auch vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels, der es für Arbeitgeber in einigen Branchen immer schwieriger macht, die richtigen Personen für offene Stellen zu finden, haben solche Benefits mehr Bedeutung bekommen. Um die wenigen Bewerber auch zu überzeugen sind angenehme Zusatzleistungen ein beliebtes Mittel geworden.

Tipps für eine gute Work-Life-Integration

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Doch mit mehr Freiheiten und Möglichkeiten zur Balance, die vom Arbeitgeber angeboten werden, ist es noch nicht getan. Eine optimale Work-Life-Integration benötigt auch etwas Fingerspitzengefühl und Disziplin. Ansonsten besteht die Möglichkeit, dass sich die Flexibilität wie bereits erklärt ins Negative wendet und zu mehr Belastung führt.

Daher ist, vor allem, um zu Beginn etwas Routine zu entwickeln, eine bewusste Planung wichtig. Einige Tipps helfen dabei, Arbeit und Privatleben im Rahmen dieser modernen Berufswelt gut ineinander zu integrieren:

  • Zeitplanung für die Arbeit: Flexible Arbeitszeit bedeutet nicht unbegrenzte Arbeitszeit. Bei Gleitzeit ist es sinnvoll, eine Routine möglichst gut einzuhalten. So fällt es leichter, für sich selbst Arbeit und Freizeit etwas zu trennen.
  • Zeitplanung für die Freizeit: Es ist wichtig, sich gezielt Zeit für sich selbst zu nehmen. Ein geplanter Feierabend sollte daher möglichst ein Feierabend bleiben, anstatt wiederholt wieder in die Arbeit abzudriften.
  • Bewusst durch den Tag gehen: Damit die freie Zeit sinnvoll genutzt wird, ist es besonders heutzutage bei der Allgegenwärtigkeit von Ablenkungsmöglichkeiten wichtig, Zeitverschwendung abstellen. Sinnloses Zappen und lange ins Handy zu starren sollte vermieden werden. Bewusste Freizeitaktivitäten sorgen für eine effektivere Regeneration.
  • Technologie nutzen, aber sich nicht davon einnehmen lassen: Gerade bei viel digitaler Arbeit am Laptop oder der Erreichbarkeit über das Smartphone kann die Gefahr, sich spontan noch einmal um die Arbeit zu kümmern, sehr groß sein. Sobald jedoch geplante Freizeit ansteht, sollte vermieden werden, dass eine Meldung aus dem Büro dazu führt, sich „nur kurz etwas für morgen anzuschauen“.
  • Gezielt abschalten: Momente der Ruhe sind wichtig – wenn die Arbeit einen zumindest theoretisch ständig umgibt, kann es schwerfallen, vollständig abzuschalten. Klar abgegrenzte Erholungsphasen wie etwa Meditationspausen, bei denen Ablenkungen gänzlich vermieden werden, helfen dabei. Auch im Urlaub sollte gelten: Arbeitshandy aus!
  • Individuelle Bedürfnisse beachten: Nicht jeder hat die gleichen Voraussetzungen und Energiereserven. Während viele Menschen eine klare Routine bevorzugen, haben einige keine Probleme damit, zu unterschiedlichen Uhrzeiten aufzustehen oder an bestimmten Tagen länger zu arbeiten. Wichtig ist, sich selbst nicht zu überfordern.
  • Gefühlte Trennung von Arbeit und Freizeit: Wer im Homeoffice arbeitet, verbringt eventuell viel Zeit in direkter Nähe zum Arbeitsplatz. Dann kann es wichtig sein, Arbeit und Feierabend im Kopf getrennt zu halten – beispielsweise immer eine Pause mit Sport oder draußen in der Natur einschieben, bevor man an den gleichen Computer oder den Schreibtisch für private Angelegenheiten zurückkehrt.
  • Stress nicht unterdrücken: Besonders in intensiven Phasen kann es passieren, dass durch die Arbeit eine erhöhte Auslastung und Stress entsteht. Das sollte nicht ignoriert oder unterdrückt, sondern bewusst wahrgenommen werden. Dann heißt es: Bei nächster Gelegenheit mehr Entspannung einplanen und sich strikt daran halten!

(Hürriyet.de)

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