Hale Aydin

Viele Türken liebäugeln mit Minimalismus während Coronavirus-Ausgangssperren

3.5.2020 21:00 Uhr

Hale Acun Aydin, die Gründerin der Website Türk İşi Minimalizm (Türkischer Weg des Minimalismus), stellt fest, dass immer mehr Menschen in der Türkei zum Minimalismus neigen und weniger konsumorientiert aufgestellt sind, da die Welt aufgrund des Coronavirus und Covid-19 eine riesige Atempause einlegt. Frau Aydin sagte, das Interesse an Minimalismus in der Türkei sei bereits in den letzten Jahren gestiegen, bevor die Zahlen basierend auf den Ausgangssperren wegen der Virus-Gefahr erst recht in die Höhe geschossen seien.

"Es spielt keine Rolle mehr, wie viele Paare an Schuhen wir jetzt besitzen, wir verwenden nur ein Paar Schuhe, um in den Supermarkt zu gehen", brachte es Hale Aydin treffend auf den Punkt. Bevölkerungsgruppen auf der ganzen Welt sind wie in der Türkei Quarantänen ausgesetzt, um die Ausbreitung des Virus einzudämmen. Die meisten Menschen werden sich jedoch aktuell des Minimalismus bewusster, sagte Aydin. "Während unserer Zeit zu Hause haben wir gesehen, welche Gegenstände repariert werden müssen oder welche Dinge fehlen oder vor allem, von welchen Gegenständen wir mehr haben, als wir wirklich brauchen. Das neue Motto lautet: Weniger ist Mehr."

Sie fuhr fort mit den Worten: "Und in dieser Zeit haben so viele Menschen gelernt, dass Dinge, die wir besitzen, nicht unser Ziel sind, sondern eher Werkzeuge." Aus diesem Grund hat das Interesse am Minimalismus zugenommen und Aydin hofft darauf, dass daraus "ein neuer Lifestyle auch in der Türkei entsteht."

Angst und Sorge

Aber Joshua Becker, Gründer der US-amerikanischen Website "Becoming Minimalist", sieht die Dinge anders als Frau Aydin. "Ich dachte, ich würde einen großen Anstieg des Interesses am Minimalismus sehen, aber bis heute habe ich nicht gesehen, dass dies eintritt - zumindest nicht hier in den USA", sagte Becker, der Autor von "Mehr von weniger: Das Leben finden, das man haben will unter allem was du besitzt". "Es gibt immer noch einiges an Angst und Sorge um die körperliche und wirtschaftliche Gesundheit - und das hat derzeit in den Köpfen der Menschen Vorrang", sagte er.

"Meiner Meinung nach werden die Menschen, sobald das anfängliche Unbehagen nachlässt und Schritte unternommen werden, um zu einer Form der Normalität zurückzukehren, die geistige und emotionale Fähigkeit haben, kritischer über die physischen Besitztümer und finanziellen Umstände nachzudenken." Becker beschreibt den Minimalismus als "die absichtliche Förderung der Dinge, die wir am meisten schätzen und die Entfernung von allem, was uns davon ablenkt".

Aydin unterteilt es in zwei Kategorien: Eine für Dinge, die wir haben und eine für abstrakte Dinge. "Es ist möglich, mit ein paar Dingen autark zu leben", sagte sie. Was die abstrakte Seite des Minimalismus betrifft, so deutet sie diese als "unserer eigenen inneren Stimme zu folgen und sich den Auflagen zu widersetzen, in die beste Schule zu gehen oder den beliebtesten Job zu machen, nur weil andere es wollen.“

Dinge reduzieren

Aydins Vorschlag für diejenigen, die planen, minimalistisch zu leben, ist, mit den Grundlagen zu beginnen. "Wenn wir uns unsere Häuser ansehen, sehen wir viele Dinge, aber das sind Dinge, die sich im Laufe der Jahre angehäuft haben. Sie landen nicht nur an einem Tag in unserem Haus", sagte sie. "Es ist also nicht möglich, sie in nur einer Nacht loszuwerden." Beckers Vorschlag lautet: "In erster Linie klar zu machen, an welchen Vorteilen des Minimalismus Sie am meisten interessiert sind. Hoffen Sie, Geld zu sparen, Zeit zu sparen, Ihre Energie zu konzentrieren, weniger zu arbeiten, die Umwelt zu schützen und ein besseres Beispiel für Ihre Kinder zu werden?" hinterfragt er Motivationsgründe. Und fügt hinzu: "Oder hoffen Sie, weniger zu reinigen, mehr zu reisen, sich zu verkleinern oder sogar qualitativ hochwertigere Artikel zu besitzen?"

Er erklärte: "Das Endziel des Minimalismus ist nicht nur, weniger Zeug zu besitzen. Das Endziel des Minimalismus ist es, ein besseres, absichtlicheres Leben zu führen, das sich auf Dinge konzentriert, die tatsächlich wichtig sind. Also fang dort an." Becker empfahl den Menschen, "die Besitztümer, die sie nicht mehr benötigen, aus ihrem Haus zu entfernen. Beginnen Sie in einfachen Räumen, entfernen Sie einfachere Dinge und arbeiten Sie sich in schwierigere Räume und Besitztümer vor, von denen Sie sich nur schwer trennen können."

Frau Aydin wiederholte Beckers Vorschläge und sagte, dass sie als Minimalistin ein größeres Bewusstsein für Natur und Klima habe. "Ich begann über den Konsum und seine negativen Auswirkungen auf die Natur nachzudenken, als ich minimalistisch wurde", sagte sie und startete damit vor etwa 10 Jahren. Sie ging sogar so weit, eine Kampagne zu starten, um den Gebrauch von Pappbechern in Cafés zu reduzieren. In dem Jahr, in dem ihr Kreuzzug gegen Verschwendung von Ressourcen mit dem Hashtag #kahvemtermosta (mein Kaffee in einer Thermoskanne) begann, gaben mehr als 200 Coffeeshops in der Türkei den Kunden Rabatte, wenn sie auf Pappbecher verzichten und stattdessen ihre eigenen Thermoskannen verwendeten.

(ce)

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