imago images / Hollandse Hoogte

Viele Fragen um isolierte Familie

17.10.2019 17:12 Uhr

Wartete der Vater von fünf Kindern auf den Weltuntergang oder wurden er und seine Familie in Keller eines Bauernhofs festgehalten? Vieles ist in dem Fall aus Ruinerwold ungeklärt. Die Ermittlungen in den Niederlanden konzentrieren sich nun auf den österreichischen Mieter des Bauernhofs.

Der 58-jährige Josef B. steht unter Verdacht der Freiheitsberaubung und bleibt weiter in Haft. Der Haftrichter in Groningen bestätigte am Donnerstag den Haftbefehl und ordnete eine Verlängerung der Untersuchungshaft um zunächst zwei Wochen an. Mit Ausnahme seines Anwalts dürfe er keinerlei Kontakt zur Außenwelt haben, teilte die Staatsanwaltschaft mit.

Keine Indizien auf Freiheitsberaubung

Der abgelegene Hof im ostniederländischen Dorf Ruinerwold wurde von einer Spezialeinheit der Polizei umfassend durchsucht. "Wir erfassen alle Räume digital, so dass wir eine vollständige Übersicht bekommen", teilte die Polizei der Provinz Drenthe am Donnerstag mit.

In dem Hof sollen ein Vater und seine sechs jetzt erwachsenen Kinder seit 2010 in einem kleinen Raum gehaust haben. Beweise oder Indizien, dass sie dort gegen ihren Willen festgehalten wurden, wurden aber bislang nicht bekannt.

Es gibt Hinweise, dass beide Männer einer Sekte angehört haben. Niederländische Medien berichten, dass die Familie Mitglied der "Vereinigungskirche" des Koreaners Moon sei. Auch der Österreicher solle dort Mitglied sein. Dem aber hatte die Sekte in Österreich widersprochen, wie die Nachrichtenagentur APA meldete.

"Er war bei einer Sekte"

Der Bruder des Österreichers sagte der "Kronen Zeitung", dass Josef B. bei einer Sekte gewesen sei. "Er war bei einer Sekte, ist sich selber besser vorgekommen als der Jesus", zitiert die Zeitung den Bruder. Er habe seit zehn Jahren keinen Kontakt mehr zu ihm.

Der Österreicher und der Vater der Familie waren nach Angaben einer früheren Nachbarin bereits seit gut 15 Jahren befreundet. Sie waren gemeinsam Inhaber eines Spielzeugladens im nahe gelegenen Zwartsluis. Das Geschäft, das seit 2010 geschlossen ist, war am Mittwochabend von der Polizei durchsucht worden. Auch ein weiterer Betrieb des Vaters war durchsucht worden. Ergebnisse der Durchsuchungen wollte die Polizei zunächst nicht mitteilen.

Hinweise zu der Familie kommen auch von den Einträgen eines Sohnes auf den sozialen Medien. Der 25-Jährige hatte am Montag in der Dorfkneipe um Hilfe gebeten und so den Stein ins Rollen gebracht. Er war nach einer Pause von mehr als neun Jahren plötzlich wieder aktiv im Internet. Seinen Einträgen nach zu urteilen, hatte er den Auszug aus dem Hof lange geplant. Die Mutter der Familie soll nach seinen Angaben bereits 2004 gestorben ein.

(be/dpa)

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