Hürriyet Daily News

Viel mehr Artefakte aus dem Land geschmuggelt als angenommen

15.5.2019 12:17 Uhr

Die Anzahl der Artefakte, die in der antiken Stadt Troja ausgegraben und aus dem Land geschmuggelt wurden, könnte laut einem kürzlich im osmanischen Archiv gefundenen Dokument zehnmal höher sein als bisher angenommen.

Ali Sönmez, Professor in der Geschichtsabteilung der Onsekiz-Mart-Universität in Canakkale, hat einen Bericht von Izzeddin Efendi vom 3. Mai 1884 entdeckt, in dem 73.139 Artefakte aufgelistet sind, die nach archäologischen Ausgrabungen innerhalb der Grenzen des Dorfes Tevfikiye in der nordwestlichen Provinz von Canakkale gestohlen worden sind.

"Das Dokument enthält völlig neue Informationen. Izzeddin Efendi, der eine Untersuchung [zum Schmuggel] durchgeführt hatte, weist darauf hin, dass sich der Gesamtwert der Artefakte auf 15 Millionen osmanische Lira belief. Er kann die Artefakte bis ins kleinste Detail beschreiben", sagte Sönmez am 14. Mai gegenüber der Hürriyet Daily News.

Viele Artefakte in privaten Sammlungen

Einige seiner Beschreibungen lauten: "Einige der oben genannten Armbänder wurden mit einem Hammer gehärtet, andere bestanden aus Drähten. Und einige von ihnen waren mit filigranen Verzierungen versehen"

"Ein wesentlicher Teil dieser Artefakte befindet sich derzeit nicht in den Museen. Sie wurden entweder geschmolzen oder sind in Kollektionen unbekannter Sammler verschwunden", sagte Sönmez.

Efendi, der damalige Provinzhauptzollbeamte, hatte mit anderen Zollbeamten zusammen mit Arbeitern gesprochen, die an den Ausgrabungen teilgenommen hatten. Er legte den Bericht dem Bildungsministerium des Osmanischen Reiches vor.

Schliemann verschenkte und behielt Artefakte für sich

Der deutsche Archäologe Heinrich Schliemann führte die erste archäologische Untersuchung vor Ort durch und beleuchtete eine 5000-jährige Geschichte. Er wurde später beschuldigt, die Schätze 1873 ins Ausland geschmuggelt zu haben.

In seinem 1881 veröffentlichten Buch "Ilios" behauptete Schliemann, dass die Gesamtzahl der geschmuggelten Artefakte 8.833 betrug.

"Ein weiteres Stück wurde im Pforzheimer Museum in Deutschland gefunden. Außerdem wurde in der Schweiz ein Stück versteigert, das zu den Schätzen Trojas gehört. Einige von ihnen wurden als Bestechung verteilt, einige verschenkte er und einige behielt er für sich. Ein Großteil der Stücke, die er in "Ilios" erwähnte, befinden sich derzeit nicht in Museen ", sagte der Wissenschaftler Göksel Sazci, der ein Buch über die Artefakte von Troja verfasste.

(be/Hürriyet Daily News)