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Verzicht auf Berufung

1.4.2019 23:47 Uhr

Der wegen angeblichen Drogenbesitzes russische Menschenrechtsaktivist Ojub Titijew verurteilte will das Urteil nicht anfechten. Er wisse, dass er in der autoritär regierten russischen Teilrepublik Tschetschenien nie ein faires Verfahren bekommen werde, sagte er einer Mitteilung der Bürgerrechtsbewegung Memorial zufolge am Montag. Er werde aber weiter die Anschuldigungen zurückweisen.

Titijew wurde im März in einem international umstrittenen Prozess in der tschetschenischen Hauptstadt Grosny zu vier Jahren Straflager verurteilt. Titijew hatte das Büro der Menschenrechtsorganisation in Grosny geleitet, bis er 2018 unter dubiosen Umständen festgenommen wurde. Memorial warf der Polizei im Gegenzug vor, dem 61-Jährigen Drogen untergeschoben zu haben, um so die Arbeit der Organisation zu behindern. Auch deutsche Politiker setzten sich für den Aktivisten, der mehr als ein Jahr in Untersuchungshaft saß, ein.

Keine vorzeitige Entlassung beantragt

Titijew betonte, er werde im Mai eine vorzeitige Entlassung beantragen. Dann habe er bereits ein Drittel seiner Strafe aufgrund der langen U-Haft abgesessen. "Ich will so schnell wie möglich wieder meine Arbeit aufnehmen. Das ist mein Sinn im Leben", sagte er.

Im vergangenen Jahr wurde Titijew für seine Arbeit mit dem Vaclav-Havel-Preis des Europarates und dem deutsch-französischen Preis für Menschenrechte und Rechtsstaatlichkeit ausgezeichnet. Der Chef der Teilrepublik, Ramsan Kadyrow, geht mit zunehmender Härte gegen Menschenrechtler im Nordkaukasus vor.

(an/dpa)