Hürriyet

Vermüllter Bosporus: Tauchchampion Sahika Ercümen schlägt Alarm

1.7.2020 8:27 Uhr

Unermüdlich setzt sich Sahika Ercümen rund um den Globus für den Umweltschutz und den Erhalt sauberer Meere ein. Nun ist die Freitaucherin und mehrfache Weltrekordlerin aus der Türkei in Istanbul im Bosporus abgetaucht - und schlägt Alarm.

"Ich muss leider sagen, dass ich in Plastikmüll geschwommen bin. Ich weiß nicht, wie die Fische hier leben können. Ich frage mich auch, wie wir Menschen die Meeresfrüchte essen können. Die müssen doch total vergiftet sein", beklagt Ercümen, die erst vor kurzem von den Vereinten Nationen zur "Fürsprecherin für das Leben unter Wasser" ernannt wurde.

Fisch-Populationen haben deutlich abgenommen

Durch die Corona-Pandemie habe sich Situation im Bosporus nochmal verschärft, da viele Menschen Handschuhe, Schutzmasken und auch Flaschen mit Desinfektionsmittel achtlos in der Meeresenge entsorgen, so die 35-Jährige. "Einer der schönsten Orte des Landes und der Welt ist dabei, im Plastikmüll zu ertrinken“, sagt sie.

Seit Jahren taucht Ercümen nun schon in den Meeren dieser Welt und hat dabei deutlich beobachten können, dass die Fisch-Populationen abgenommen haben und "durch Müll ersetzt werden", wie sie erklärt. "Ich habe Schildkröten gesehen, die eine Plastiktüte oder ein Netz um den Hals hatten. Sie konnten sich nicht mehr befreien und sind deshalb verendet", so die Taucherin.

Der meiste Müll liegt am Meeresgrund

Und der Müll an der Wasseroberfläche sei nur die Spitze des Eisbergs. Dort wären nur 15 Prozent der Abfälle, 85 Prozent befänden sich in tiefen Gewässern oder am Meeresboden. "Und das ist noch gravierender, weil dort eine Reinigung unmöglich ist.“

Sie werde nicht aufhören, sich für saubere Weltmeere einzusetzen und sei froh, als "Fürsprecherin für das Leben unter Wasser" der Vereinten Nationen mehr Einfluss zu haben. Schon bald will sie eine Studie zum globalen Schutz der Meere in Auftrag geben und veranschaulicht die sorgenvolle Lage an einem einfachen Beispiel. "Eine Plastiktüte, die in Italien ins Meer geworfen wird, kann in der Türkei an Land gespült werden. Es ist also ein globales Problem, das wir stoppen müssen."

(bl)

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