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Verdächtiges Rindfleisch aus Polen aus dem Verkehr gezogen

1.2.2019 19:35 Uhr

In Deutschland und zwölf weiteren Ländern wurde Rindfleisch aus Polen verkauft, welches von kranken Tieren stammen soll. Man spricht von einem "schrecklichen Betrugsfall". Ein großer Teil des schlechten Fleisches konnte bereits sichergestellt werden.

Der EU-Kommission zufolge wurde das Fleisch in 13 Länder verkauft, darunter auch nach Deutschland. Den deutschen Behörden zufolge handelt es sich dabei aber um eine "relativ kleine Menge", die bereits gesperrt worden sei.Der Chef des polnischen Veterinäramts, Pawel Niemczuk, bestätigte, dass insgesamt 2,7 Tonnen verdächtiges Fleisch ins Ausland verkauft wurden. Ein großer Teil davon gelangte nach Frankreich. Landwirtschaftsminister Didier Guillaume sprach von einem "schrecklichen Betrugsfall". Nach seinen Angaben kauften neun französische Betriebe insgesamt knapp 800 Kilogramm des betroffenen Rindfleisches. Rund 150 Kilogramm wurden demnach bereits entdeckt, die Behörden seien im Einsatz, um den verbliebenen Teil aus dem Verkehr zu ziehen.

Rund 50 Kilogramm nach Deutschland gelangt

Von einem Zwischenhändler in Frankreich aus gelangte ein Teil des Fleisches auch nach Deutschland. Dem Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) zufolge handelt es sich um eine "relativ kleine Menge" von etwa 50 Kilogramm, die in die Bundesrepublik gekommen und hier verarbeitet worden sei. Laut den Informationen des europäischen Schnellwarnsystems für Lebensmittel und Futtermittel RASFF "wurde das gesamte verarbeitete Fleisch bei der Firma gesperrt", erklärte eine Sprecherin der Behörde. Das Fleisch des betroffenen Schlachthofes wurde zudem nach Finnland, Schweden, Spanien, Portugal, Ungarn, Estland, Lettland, Litauen, Rumänien, in die Slowakei und nach Tschechien verkauft. Die portugiesischen Behörden erklärten, sie hätten 99 Kilogramm verdächtiges Fleisch vernichtet, Rumänien gab an, es habe "als Sicherheitsmaßnahme" 1432 Kilogramm aus dem Verkehr gezogen.

Fleisch stelle "kein Gesundheitsrisiko" dar

Polens Veterinäramtschef Niemczuk sagte, weitere sieben Tonnen seien an rund 20 Betriebe in Polen verkauft worden. Tests hätten aber ergeben, dass das Fleisch kein Gesundheitsrisiko darstelle. Trotz dieser Beteuerung waren die polnischen Rindfleischproduzenten zuletzt unter Druck geraten, nachdem am Samstag ein Investigativbericht im Fernsehsender TVN24 ausgestrahlt worden war. Die Preise fielen um rund sieben Prozent. Für den Bericht hatte ein Reporter unter falscher Identität drei Wochen in einem Schlachthaus in Kalinowo im Nordosten des Landes recherchiert. Er filmte offensichtlich kranke Rinder, die zur Schlachtung vorbereitet wurden. Dem Bericht zufolge waren die Tiere zu erheblich niedrigen Preisen zu haben. Die polnische Rindfleischbranche sei "in Sorge", sagte Jerzy Wierzbicki, Chef des Fleischproduzentenverbandes PZPBM.

Nur "lahm", nicht krank?

Die in dem TV-Bericht gezeigten Kühe seien lediglich "lahm" gewesen, nicht aber krank. Solche Tiere sollten nach seiner Einschätzung eher auf einen Gnadenhof als in ein Schlachthaus gebracht werden. Insgesamt handele es sich aber um einen "isolierten Fall", der lediglich eine einzelne Firma betreffe. Polen ist ein bedeutender Fleischproduzent in der EU. Vergangenes Jahr wurden Wierzbicki zufolge 415.000 Tonnen Rindfleisch produziert, davon seien fast 90 Prozent ins Ausland verkauft worden. Die EU-Kommission betonte, die in dem Bericht gezeigte Behandlung der Kühe sei nach den Regeln zum Schutz von Tieren in Schlachthäusern verboten. EU-Gesundheitskommissar Vytenis Andriukaitis kündigte eine Inspektion in Polen für die kommende Woche an.

(be/afp)