Verbände und Forscher geben G20-Staaten bei Klimaschutz schlechte Noten

14.11.2018 13:23 Uhr

Umweltverbände und wissenschaftliche Institute sehen die G20-Staaten bisher nicht auf Kurs, um die Vorgaben des Pariser Klimaschutzabkommens zu erreichen. Hauptschwächen in Deutschland sind dabei die Bereiche Kohleverstromung und Verkehr, wie am Mittwoch die an dem "Brown to Green"-Report beteiligte Organisation Germanwatch mitteilte.

Insgesamt seien die CO2-Emissionen der G20-Staaten im vergangenen Jahr nicht gesunken, sondern erneut gestiegen. "Deutschland tut bisher deutlich zu wenig, um seine Klimaziele zu erreichen", erklärte der Germanwatch-Experte Jan Burck. Er verwies darauf, dass die Treibhausgasemissionen insgesamt hierzulande derzeit leicht über dem Stand von 2009 liegen. Allein im Verkehrssektor seien sie in den vergangenen fünf Jahren um sieben Prozent gestiegen. Unumgänglich seien daher "eine tatsächliche Verkehrswende" und ein sozialverträglicher Kohleausstieg bis etwa 2030.

Allerdings nennt der Report für Deutschland auch positive Entwicklungen. Anerkannt wird das Vorhaben, wonach neue Gebäude weitgehend klimaneutral gebaut werden müssen. Auch seien 2017 immerhin 34 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Quellen gekommen, deutlich mehr als der Durchschnittswert der G20-Staaten von 24 Prozent. Der hohe Wert sei jedoch vorwiegend das Ergebnis des Ausbaus in früheren Jahren, während es zuletzt gerade bei der Windkraft einen Einbruch gegeben habe, warnte Niklas Höhne vom Berliner New Climate Institute.

Indien will angemessenen Beitrag leisten

Auch in anderen Staaten ergibt sich ein geteiltes Bild. "Wenn sich alle Länder ähnlich schwache Ziele wie die bis jetzt wenig ambitioniertesten G20-Länder Russland, Saudi-Arabien und Türkei gesetzt hätten, würde die Welt sogar auf einen Temperaturanstieg um vier bis fünf Grad zusteuern", wird in dem Report gewarnt. Auf der anderen Seite hätten Großbritannien und Frankreich Ziele zum Ausstieg aus der Kohle und aus dem Verbrennungsmotor vorgelegt. Indien habe immerhin Klimaziele beschlossen, die dem angemessenen Beitrag des Landes zur Begrenzung der Erwärmung auf unter zwei Grad nahe kämen. Damit steht Indien im Vergleich zu anderen Staaten gut da, denn kein einziger G20-Staat hat dem Report zufolge bisher nationale Klimaziele vorgelegt, die geeignet wären, die Pariser Vorgabe einer Begrenzung der Erderwärmung auf möglichst 1,5 Grad, mindestens aber deutlich unter zwei Grad zu erreichen.

Auch dürften selbst die wenig ehrgeizigen nationalen Ziele noch in zahlreichen G20-Staaten verfehlt werden. Auf EU-Ebene würden daher allerdings zumindest zusätzliche Maßnahmen angestrebt, hieß es. Gar nicht so schlecht schneiden in dem Report die USA ab. Dies gehe allerdings nicht auf die Politik von Präsident Donald Trump zurück, sondern auf Anstrengungen von Bundesstaaten, Kommunen und anderen Akteuren.

Der "Brown to Green"-Report wird seit 2015 jährlich von der internationalen Initiative Climate Transparency veröffentlicht. Ihr gehören 14 Forschungseinrichtungen und Nichtregierungsorganisationen aus der Mehrheit der G20-Staaten an. In Deutschland beteiligen sich neben Germanwatch und dem New Climate Institute auch die Humboldt-Viadrina Governance Platform und die unter anderem in Berlin ansässige internationale Umweltforschungseinrichtung Climate Analytics. Die Untersuchung stützt sich auf die aktuellsten derzeit verfügbaren Daten.

(an/afp)