Symbolbild: imago/ZUMA Press

USA lassen F-35-Deal mit der Türkei platzen

18.7.2019 17:02 Uhr, von Andreas Neubrand/dpa/Die Welt

Nach dem Rauswurf der Türkei durch die USA aus dem Programm zur Produktion und Nutzung des Kampfjets F-35 hat Ankara sich mit einer Warnung an den Nato-Partner gewandt. Das Außenministerium in Ankara sprach in der Nacht zum Donnerstag von einem schweren Fehler der USA, der den Beziehungen beider Länder "irreparablen Schaden" zufügen werde.

Der einseitige und unfaire Schritt Washingtons werde "dem Geist des Bündnisses" (der Nato) nicht gerecht und habe keine legitimen Gründe, hieß es in einer Erklärung. Deshalb müsse er rückgängig gemacht werden. Die Türkei betonte zudem, dass ihr die Freundschaft zwischen den beiden Ländern wichtig sei.

Hintergrund ist der von den USA scharf kritisierte Kauf eines russischen Raketenabwehrsystems durch die Türkei. Washington befürchtet nach eigenen Angaben, dass Russland über das Radar des Waffensystems S-400 an Daten über die Fähigkeiten der neuen US-Kampfjets vom Typ F-35 gelangt. Als am Bau der F-35 beteiligter Partner hätte die Türkei etwa 100 dieser Flugzeuge bekommen sollen.

USA schließen Türkei aus Kampfjet-Programm aus

Am Mittwoch ließ das Weiße Haus den Deal dann endgültig platzen und verkündete den Ausschluss der Türkei aus dem Kampfjet-Programm. Zur Begründung hieß es, der Kauf der S-400 untergrabe die Verpflichtungen der Nato-Mitglieder untereinander, sich von russischen Systemen fernzuhalten. An dem Programm sind unter anderem Großbritannien, Italien, Kanada und Australien beteiligt.

Doch nun hat sich Russland angeschickt, die Lücke für die Türkei zu schließen. „Warum denn nicht? Einen Präzedenzfall gibt es ja schon“, erklärte der russische Vize-Regierungschef Juri Borissow der Agentur Interfax am Mittwoch, so ein Bericht von Welt Online. Außerdem sei er erfreut, dass die Türkei dem Druck der USA nicht nachgegeben hat.

Auch auf diplomatischer Ebene wäre eine tiefere militärische Kooperation für die beiden Länder reizvoll. Für beide wäre es ein weiterer Schritt zur Normalisierung der Beziehungen nach dem Abschuss eines türkischen Flugzeugs durch Russland 2015. Russland selbst würde nur zu gerne einen weiteren Keil in die Nato treiben und in der Türkei würde dies die Stimmen unterstützen, die eine eurasische Allianz befürworten.

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