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US-Wetter wie ein "Peitschenhieb"

1.2.2019 21:11 Uhr

Im Mittleren Westen sorgt das arktische Wetter in den USA für katastrophale Zustände. Auf die lebensgefährliche Kälte folgt Tauwetter - dann wieder Frost. Die Wetterkapriolen stellen den Kreislauf der Menschen auf eine harte Probe. Der US-Wetterdienst vergleicht die drastischen Schwankungen mit einem "Peitschenhieb".

Die Menschen im Mittleren Westen können am Wochenende auf ein Ende der Eiszeit hoffen - allerdings nur vorübergehend, nächste Woche soll es schon wieder frostig werden.

Für die Nachbarstädte Minneapolis und Saint Paul sagte der Nationale Wetterdienst (NWS) Temperaturen von plus 7 Grad Celsius am Sonntag voraus - nach minus 32 Grad am Donnerstag wäre das ein Anstieg von fast 40 Grad. Bis Mitte nächster Woche soll die Temperatur dort dann wieder um 30 Grad auf minus 23 Grad fallen. Der NWS sprach von einem "Wetter-Peitschenhieb".

Westküste muss sich wappnen

Der Wetterdienst teilte mit, die "lebensbedrohlichen" arktischen Luftmassen, die in den vergangenen Tagen Teile der USA beherrschten, sollten noch am Freitag aus dem Nordosten des Landes abziehen. Ungemach droht nun aber dem Westen der USA: An der Westküste wurden bis Montag gleich zwei schwere Stürme erwartet. "Schwere Regenfälle, starke Winde und viel Schnee in den Bergen werden Auswirkungen auf weite teile Kaliforniens an diesem Wochenende haben", warnte der NWS. Gegenden, die im Sommer von verheerenden Waldbränden betroffen waren, drohten nun Überflutungen.

#chiberia2019

In Chicago war es am Donnerstag mit minus 29 Grad Celsius kälter als an allen bisherigen letzten Januartagen seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1870. Nach NWS-Angaben verzeichnete die Millionenmetropole 52 Stunden am Stück Temperaturen von unter 0 Grad Fahrenheit, das entspricht minus 18 Grad Celsius. Der Wetterdienst versah seinen Tweet dazu mit dem Hashtag #chiberia2019 - eine Mischung aus Chicago und Sibirien. Tatsächlich war es in Chicago nach einem Bericht des Senders NBC zeitweise sogar kälter als in Sibirien, am Südpol, auf dem Mount Everest oder in Alaska.

Erfrierungen innerhalb von Minuten

Die "New York Times" berichtete, landesweit seien im Zusammenhang mit der arktischen Kälte mehr als 20 Todesfälle verzeichnet worden. Behörden machten demnach die extremen Temperaturen unter anderem für den Tod eines 18-jährigen Studenten in Iowa verantwortlich. Er war bewusstlos auf dem Campusgelände gefunden worden und später im Krankenhaus gestorben. Einige der Todesopfer seien erfroren, andere bei wetterbedingten Unfällen gestorben, hieß es. Viele Fälle würden noch untersucht, um die genaue Todesursache zu klären. Die Behörden gingen aber in davon aus, dass das Wetter eine Rolle gespielt habe.

In Chicago stiegen die Temperaturen an, sie lagen am Freitag aber weiterhin unter dem Gefrierpunkt. Der Wetterdienst hatte in den vergangenen Tagen vor Erfrierungen auf ungeschützter Haut innerhalb von Minuten gewarnt. Alleine in Chicago wurden mehr als 60 Wärmestuben für Wohnungslose eingerichtet. Auch alle Polizeiwachen dienten als Möglichkeit für Menschen, sich aufzuwärmen.

Kein Alltag mehr möglich

Die Kältewelle führte zum Teil zu skurrilen Begebenheiten. In vielen Orten wurden Lieferketten unterbrochen. Gastwirte wurden nicht mehr mit Bier beliefert, aus Angst, der Gerstensaft könnte einfrieren. In den Bergen der Rocky Mountains fielen am Donnerstag stellenweise noch einmal bis zu 50 Zentimeter Schnee.

Die Kälte führte vereinzelt zu Stromausfällen. In vielen Bundesstaaten blieben Schulen und manche Universitäten geschlossen. Die Flughäfen kamen teils mit dem Enteisen der Maschinen nicht nach. Zahlreiche Flüge wurden gestrichen oder waren verspätet. In mehreren Bundesstaaten wurde keine Post zugestellt.

Polarwirbel geht ungewöhnliche Wege

Auch in der US-Hauptstadt Washington im Nordosten des Landes lagen die Temperaturen am Freitag wieder deutlich unter dem Gefrierpunkt, am Vormittag fiel Schnee. In zahlreichen Schulen in der Region fiel der Unterricht aus oder begann verspätet.

Verantwortlich für die "arktische Kälte" war der sogenannte Polarwirbel. Diese Luftströmung ist nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) an sich nicht ungewöhnlich. Der Wirbel entsteht regelmäßig am Pol, wenn im Winter keine Sonne durch die arktische Dauernacht dringt, die die Kaltluft wärmen könnte. Das dabei entstehende sogenannte Höhentief kann auf der Nordhalbkugel kräftige westliche Winde erzeugen. Während der Polarwirbel normalerweise stabil mit seinem Zentrum über der Arktis bleibt, hatte er sich in den vergangenen Tagen ungewöhnlich weit nach Süden ausgebreitet.

(sis/dpa)

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