imago images / ZUMA Press

US-Repräsentantenhaus stimmt für Beschneidung von Trumps militärischer Vollmacht

10.1.2020 8:21 Uhr

Am Donnerstag wurde im US-Repräsentantenhaus eine Resolution verabschiedet, die im Konflikt mit dem Iran die militärischen Vollmachten von Präsident Trump beschränken soll.

Der am Donnerstag mit der Mehrheit der oppositionellen Demokraten beschlossene Text fordert Trump zu einem Ende des militärischen Vorgehens gegen Teheran auf. Die Resolution hat aber keine Gesetzeskraft und ist deswegen in erster Linie symbolisch. Der mit 224 zu 194 Stimmen verabschiedete Text - eine Reaktion auf die gezielte Tötung des iranischen Generals Kassem Soleimani vor einer Woche - soll eine weitere Eskalation des Konflikts mit Teheran verhindern.

Weitere Angriffe nur mit Billigung des Kongresses?

Die Resolution fordert den Präsidenten auf, den "Einsatz der US-Streitkräfte für Kampfhandlungen im Iran oder gegen den Iran oder gegen einen Teil seiner Regierung oder seiner Streitkräfte zu beenden". Eine Fortsetzung des Einsatzes soll demnach nur mit Billigung des Kongresses möglich sein. Der Text sieht aber auch Ausnahmen vor, etwa einen drohenden Angriff gegen die USA oder die US-Armee.

Angst vor einem neuen Golfkrieg

Der einflussreiche General Soleimani war vor einer Woche bei einem US-Drohnenangriff im Irak getötet worden. Das weckte international die Furcht vor einer Eskalation der Gewalt und einem neuen Krieg in der Golfregion. Die US-Demokraten verurteilten den Drohnenangriff scharf: Die Vorsitzende des Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, kritisierte einen "provokativen und unverhältnismäßigen militärischen Luftangriff". Die Demokraten warfen der Trump-Regierung zudem vor, sie nicht im Vorfeld über die geplante Militäraktion informiert und im Anschluss nur unzureichend über die Hintergründe unterrichtet zu haben. So gibt es starke Zweifel an der Darstellung der Regierung, mit der Tötung Soleimanis habe ein bevorstehender Angriff auf US-Soldaten und Diplomaten in der Golfregion verhindert werden sollen.

Stimmen der Kritik aus der eigenen Partei

Ärger wurde auch bei einzelnen Politikern von Trumps Republikanern laut. So sagte der konservative Senator Mike Lee bereits am Mittwoch, die Unterrichtung des Parlaments durch die Regierung sei "beleidigend" gewesen. "Zu kommen und uns zu sagen, dass wir nicht über die Angemessenheit eines Militäreinsatzes gegen den Iran debattieren und diskutieren können? Das ist un-amerikanisch, das ist verfassungswidrig, und es ist falsch."

Eine ähnliche Resolution wie jene, die im Repräsentantenhaus beschlossen wurde, liegt auch dem Senat vor. Zwar haben Trumps Republikaner dort die Mehrheit. Es ist aber nicht ausgeschlossen, dass der Text auch die zweite Kongresskammer passieren könnte. Allerdings hat eine Resolution dieser Art keine Gesetzeskraft. Sie müsste auch nicht von Trump unterzeichnet werden.

Sanktionen statt militärischer Gegenangriff

Der Iran hatte in der Nacht zum Mittwoch mit Raketenangriffen auf von US-Soldaten genutzte Militärstützpunkte im Irak auf die Tötung Soleimanis reagiert. Dabei kam aber kein US-Soldat zu Schaden. Trump ordnete in der Folge zwar neue Sanktionen gegen den Iran an, aber keinen militärischen Gegenangriff. Er setzte damit nach Tagen des Anheizens des Konflikts auf Deeskalation. Allerdings bleibt die Lage in der Region weiter hochexplosiv.

Versehentlicher Abschuss?

Eine neue dramatische Entwicklung gab es zudem hinsichtlich des Absturzes eines ukrainischen Passagierflugzeugs im Iran am Mittwoch: Es verdichteten sich am Donnerstag die Hinweise, dass die Maschine irrtümlich durch den Iran abgeschossen worden sein könnte. Nach Angaben des kanadischen Regierungschefs Justin Trudeau weisen Geheimdienstinformationen darauf hin, dass die Maschine "von einer iranischen Boden-Luft-Rakete abgeschossen wurde". Ähnlich äußerten sich laut Medienberichten US-Regierungsvertreter.

(be/afp)

0 Kommentare

Bitte geben Sie den Aktivierungscode ein, der an Ihre E-Mail-Adresse gesendet wurde.

Sie müssen angemeldet oder registriert sein, um mitzudiskutieren.

Sie müssen angemeldet oder registriert sein, um mitzudiskutieren.