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US-Präsidentschaftswahl: Trump schimpft über Schultz

28.1.2019 22:35 Uhr

Als unabhängiger Kandidat will der frühere Chef von Starbucks, Howard Schultz, bei den Wahlen zum US-Präsidenten antreten. "Ich denke ernsthaft darüber nach, für das Präsidentenamt zu kandidieren", sagte der 65-jährige Milliardär am Sonntag im Sender CBS. Vertreter der oppositionellen Demokraten warnten, dass Schultz ihnen Stimmen wegnehmen und damit Trumps Wahlchancen erhöhen würde.

Schultz bezeichnete Trump als für das Präsidentenamt "nicht qualifiziert", attackierte aber auch die Demokraten - obwohl er der Partei nach eigenen Angaben sein "Leben lang" angehört. Weder Trumps Republikaner noch die Demokraten kümmerten sich darum, "was im Interesse des amerikanischen Volks nötig ist". Stattdessen seien beide Parteien "tagtäglich" mit "Rachepolitik" beschäftigt.

Schultz machte Republikaner wie Demokraten für die hohe Staatsverschuldung der USA verantwortlich und bewertete dies als "Versagen bei ihrer verfassungsmäßigen Verantwortung". Falls er antrete, werde er dies als "unabhängiger Zentrumskandidat außerhalb des Zwei-Parteien-Systems" tun. Die Sorge, er könnte Trump zu einer zweiten Amtszeit verhelfen, wies Schultz zurück: "Ich will das amerikanische Volk gewinnen sehen, ich will Amerika gewinnen sehen."

Breitseite von Trump gegen Schultz

Wie Schultz der "New York Times" sagte, will er in den kommenden drei Monaten im Rahmen der Präsentation seines neuen Buches durch das Land reisen und dann entscheiden, ob er kandidiert. Trump fuhr gleichwohl bereits eine volle Breitseite gegen seinen potenziellen Wahlkampfrivalen.

Schultz fehle es an "Mumm" für die Kandidatur, schrieb der Präsident im Kurzbotschaftendienst Twitter. Er wies auch ironisch darauf hin, dass Starbucks eine Filiale im New Yorker Trump Tower hat: Er hoffe, dass ihm die Kaffeehauskette "weiterhin ihre Miete zahlt".

Auch aus den Reihen der Demokraten schwappte Schultz massive Kritik entgegen. Wenn der Starbucks-Gründer als Unabhängiger antrete, könne Trump sich "größte Hoffnungen" auf seine Wiederwahl machen, sagte Ex-Wohnungsbauminister Julián Castro im Sender CNN. Castro gehört zu den bislang acht Bewerbern um die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten.

Tina Podlodowski, die regionale Parteichefin der Demokraten im Westküstenstaat Washington, wo Starbucks seine Firmenzentrale hat, erklärte laut CNN in einer E-Mail: "Howard Schultz könnte Trumps Wiederwahl sichern."

Boykott von Starbucks?

Neera Tanden, Ex-Beraterin der früheren Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton, kündigte sogar einen Starbucks-Boykott an, sollte Schultz antreten. Sie wolle keinen "Penny" ausgeben, der "in der Wahlkampfkasse eines Typen landen könnte, der Trump zum Sieg verhilft", twitterte sie.

Bei US-Präsidentschaftswahlen haben faktisch nur die Kandidaten von Demokraten und Republikanern eine Chance. Unabhängige haben den Kandidaten der großen Parteien aber wiederholt wichtige Stimmen abgenommen - mit möglicherweise wahlentscheidender Auswirkung.

So werfen die Demokraten dem US-Verbraucheranwalt Ralph Nader eine Mitschuld an der Niederlage von Al Gore im Jahr 2000 gegen George W. Bush vor. Und aus Sicht der Republikaner geht Bill Clintons Sieg gegen George H.W. Bush 1992 teils auf das Konto des Geschäftsmanns Ross Perot.

Vom Tellerwäscher zum Milliardär

Schultz, der in einer New Yorker Sozialwohnung aufwuchs, startete sein Kaffee-Imperium in den achtziger Jahren mit sieben Läden in Seattle. Heute hat Starbucks rund 28.000 Filialen weltweit. Schultz' Vermögen wird vom US-Magazin "Forbes" auf 3,4 Milliarden Dollar (drei Milliarden Euro) geschätzt. Mitte 2018 hatte sich Schultz aus dem Unternehmen zurückgezogen und damit bereits Spekulationen über eine mögliche Präsidentschaftskandidatur ausgelöst.

In den Reihen der Demokraten zeichnet sich bislang noch kein klarer Favorit für die Kandidatur gegen Trump ab. Zu den bisherigen Bewerbern gehören auch die drei Senatorinnen Kamala Harris, Kirsten Gillibrand und Elizabeth Warren. Die Zahl der Präsidentschaftsbewerber bei den Demokraten dürfte in den kommenden Monaten weiter deutlich anwachsen.

(an/afp)