afp

US-Botschaft in Bagdad von Rakete getroffen

27.1.2020 16:47 Uhr

Die US-Botschaft in der irakischen Hauptstadt Bagdad ist von einer Rakete getroffen worden. Mindestens ein Mensch wurde bei dem Angriff am Sonntagabend verletzt, wie aus irakischen Sicherheits- und US-Diplomatenkreisen verlautete.

Die Staatsangehörigkeit des Verletzten blieb zunächst aber unklar. Bei Angriffen auf Protestlager der Demonstranten im Südirak wurde unterdessen ein Mensch getötet. Seit der gezielten Tötung des iranischen Generals Kassem Soleimani und des irakischen Milizen-Anführers Abu Mehdi al-Muhandis durch einen US-Drohnenangriff Anfang Januar in Bagdad war die massiv abgesicherte Grüne Zone, in welcher die US-Botschaft liegt, bereits wiederholt mit Raketen beschossen worden.

Rakete im Speisesaal

Die US-Botschaft selbst wurde nun aber zum ersten Mal getroffen. Eine von insgesamt drei Raketen schlug nach Angaben eines ranghohen Mitglieds der irakischen Sicherheitskräfte in einem Speisesaal der Botschaft ein. Wie schon bei den vorherigen Raketenangriffen auf die Grüne Zone bekannte sich auch diesmal niemand zu der Attacke. Die US-Regierung hatte in der Vergangenheit pro-iranische Milizen für die Angriffe verantwortlich gemacht. Der irakische Ministerpräsident Adel Abdel Mahdi und Parlamentspräsident Mohammed al-Halbusi verurteilten den Raketenangriff. Sie warnten, dass das Land durch diese Angriffe in einen neuen Krieg hineingezogen werden könnte. Das US-Außenministerium forderte die irakische Regierung auf, ihre "Verpflichtungen" zu erfüllen und für den Schutz der diplomatischen Einrichtungen der USA zu sorgen.

Verurteilung durch die Bundesregierung

Die Bundesregierung verurteilte die Raketenangriffe "auf das Schärfste", wie das Auswärtige Amt im Onlinedienst Twitter erklärte. "Sie verschärfen die bereits angespannte Situation in der Region weiter. Alle Verantwortlichen in der Region müssen nun das ihrige tun, um einer Eskalation entgegen zu wirken. "Seit der Tötung von Soleimani haben sich nicht nur die Spannungen zwischen Washington und Teheran verschärft. Auch das Verhältnis zwischen den USA und dem Irak wurde dadurch stark belastet. Das irakische Parlament verlangte kurz nach der Tötung von Soleimani den Abzug aller US-Truppen sowie anderer ausländischer Streitkräfte aus dem Land. Im Irak sind rund 5200 US-Soldaten stationiert. Bislang ist aber unklar, ob die irakische Regierung diesen Beschluss umsetzen wird. Tausende Anhänger des einflussreichen Schiitenführers Moktada al-Sadr hatten sich am Freitag hinter die Forderung des Parlaments gestellt. Nach dem Protestmarsch kündigte al-Sadr zudem seine Unterstützung für die Protestbewegung im Irak auf.

Gewaltsame Auflösung der Proteste?

Die Demonstranten befürchten, dass die Regierung die Proteste nun gewaltsam beenden könnte. Am Wochenende versuchten Sicherheitskräfte bereits, die Zeltlager der Demonstranten aufzulösen.In der Nacht zum Montag wurden mehrere Protestlager von bewaffneten Angreifern attackiert. Im südirakischen Nassirija setzten sie Zelte in Brand und schossen auf die Demonstranten. Nach Angaben eines Arztes gab es mindestens einen Toten und vier Verletzte. Auch in Nadschaf brannten unbekannte Angreifer ein Protestlager nieder. Trotz der Angriffe gab es am Montag wieder Proteste. In Nassirija bauten die Demonstranten neue Zelte und einen Raum aus Betonblöcken auf. In der Hafenstadt Basra wurde ein am Wochenende aufgelöstes Protestcamp wieder aufgebaut. In Nadschad errichteten Demonstranten Straßensperren aus brennenden Autoreifen.Die Proteste gegen die irakische Regierung und die weit verbreitete Korruption und Misswirtschaft halten schon seit Oktober an. Inzwischen fordern die Demonstranten vor allem Neuwahlen und die Ernennung eines unabhängigen Regierungschefs.

(be/afp)

0 Kommentare

Bitte geben Sie den Aktivierungscode ein, der an Ihre E-Mail-Adresse gesendet wurde.

Sie müssen angemeldet oder registriert sein, um mitzudiskutieren.

Sie müssen angemeldet oder registriert sein, um mitzudiskutieren.