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US-Botschaft in Ankara: Sevilla-Karte hat keine rechtliche Bedeutung

22.9.2020 10:42 Uhr

Die US-Botschaft in Ankara erklärte am Montag, dass die Sevilla-Karte, die die Hoheitsgewässer im Mittelmeer aufteilt und dabei einen großen Teil Griechenland zuschreibt, für die USA von keiner rechtlichen Bedeutung sei.

Die Botschaft veröffentlichte über den Kurznachrichtendienst Twitter eine Erklärung, in der sie auf die vielen Berichte der türkischen Medien über die sogenannte Sevilla-Karte Bezug nahmen. Dabei betonten sie, dass die USA im Rahmen ihrer globalen Politik keine Position zu Seegrenzenstreitigkeiten anderer Staaten einnehme, aber: "In Bezug auf den "rechtlichen Status" der Sevilla-Karte betrachten die Vereinigten Staaten die Sevilla-Karte nicht als rechtsverbindlich. Wir verstehen, dass die Europäische Union die Sevilla-Karte nicht als ein rechtsverbindliches Dokument betrachtet."

Weiterhin rief die US-Botschaft in Ankara zum Dialog auf: "Die Seegrenzen müssen von den betroffenen Staaten auf der Grundlage des Völkerrechts einvernehmlich gelöst werden. Die Vereinigten Staaten unterstützen nachdrücklich den Dialog und die Verhandlungen in gutem Glauben und ermutigen Griechenland und die Türkei, die Sondierungsgespräche so bald wie möglich wieder aufzunehmen."

Was ist die Sevilla-Karte?

Die sogenannte Sevilla-Karte erhielt ihren Namen durch die Universität, an der sie erstellt wurde. Verantwortlich für die dort gezeigten Grenzen ist Professor Juan Luis Suarez de Vivero. Die Karte legt nahe, dass der von Griechenland beanspruchte Festlandsockel in der Ägäis und im Mittelmeer sowie die exklusive Wirtschaftszone Zyperns die offiziellen Grenzen der EU darstellen würden.

Nach der Auslegung der Karte würde der griechische Festlandsockel vor der Insel Kastellorizo beginnen, die sich rund 580 Kilometer vom griechischen Festland, aber nur zwei Kilometer vor der Küste der Türkei befindet. Von dort würde sich der Festlandsockel nach Süden bis zur Mitte des Mittelmeers ziehen – und der Türkei damit nur noch einen Küstenstreifen von sechs Kilometern lassen. Die Türkei betonte bereits mehrfach, dass eine Problemlösung für das östliche Mittelmeer nur möglich sei, wenn Griechenland von der Sevilla-Karte abrücken würde. Letztlich würde die Türkei über die längste Küste im Bereich des östlichen Mittelmeeres verfügen.

(be)

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