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Urlaub trotz Corona kann "sehr unangenehm werden"

25.5.2020 11:41 Uhr

Pfingsten steht vor der Tür, die Sommerferien nahen. Restaurants dürfen in Deutschland wieder öffnen, unter bestimmten Bedingungen mancherorts auch Kneipen und Bars. Gerade mit Blick auf die Urlaubszeit hoffen viele Menschen auf größtmögliche Normalität. Doch die Situation könnte schnell wieder kippen, warnen Experten.

Wenn viele Menschen aufeinandertreffen, die normalerweise keinen Kontakt miteinander haben, müsse ein erneutes exponentielles Wachstum der Infektionszahlen befürchtet werden, sagt der Arzt und Gesundheitsforscher Max Geraedts von der Universität Marburg der Deutschen Presse-Agentur dpa. Aktuell sähen die Infektionszahlen zwar gut aus. Wenn Menschen wieder vielerorts eng zusammenkämen, könnte das dennoch ausreichen, "um wieder einen starken Anstieg loszutreten".

Risiken bei Urlaubsreisen

Auch die deutsche Tourismusbranche profitiert von den Lockerungen der Corona-Maßnahmen: Hotels und Ferienwohnungen dürfen wieder Gäste empfangen - je nach Bundesland unter entsprechenden Auflagen und zu unterschiedlichen Zeitpunkten. Außenminister Heiko Maas (SPD) zeigte sich nach Videokonferenzen mit den Nachbar- und Urlaubsländern der Deutschen in der vergangenen Woche außerdem zuversichtlich, dass die weltweite Reisewarnung nach dem 14. Juni zumindest für die Europäische Union aufgehoben werden kann.

Doch welche Risiken bergen Reisen mit Blick auf die Infektionszahlen? Pauschal lasse sich diese Frage nicht beantworten, sagt Geraedts. "Wenn Sie alleine am Strand rumlaufen - egal wo in der Welt - dann ist das natürlich egal, das können Sie ruhig machen", meint er. "Aber wenn Sie dann abends in einer Bar mit vielen Menschen zusammenkommen, kann es unangenehm werden."

Medizinische Versorgung könnte eingeschränkt sein

Wer sich für eine Auslandsreise entscheide, müsse sich außerdem bewusst sein, dass er im Ernstfall unter Umständen nicht mit derselben medizinischen Versorgung wie in Deutschland rechnen könne, erklärt der Forscher. "Da, wo eine schlechte Gesundheitsversorgung ist, ist es gefährlicher – gerade für Menschen, die ohnehin schon risikobehaftet sind."

In solchen Ländern könne man als Reisender außerdem unter Umständen die einheimische Bevölkerung in Gefahr bringen, wenn diese bereits Probleme habe, ausreichend medizinisch versorgt zu werden: "Wenn dann noch behandlungsbedürftige Ausländer dazu kommen, ist das natürlich schlecht", sagt Geraedts. "Zumindest ethisch ist es mindestens einmal bedenklich, wenn man die wenigen Ressourcen, die ohnehin schon da sind, dann noch mit abenteuerlustigen Reisenden aufbraucht." Geraedts erinnert an die Möglichkeit, dass sich ein Infizierter bei Reiseantritt noch völlig gesund fühlen und trotzdem schon ansteckend sein kann: "Die Gefahr, dass Sie das Virus beim Reisen irgendwo mit hin nehmen, ist immer gegeben."

Flächendeckende Ausbreitung "ein Problem"

Die bevorstehende Urlaubszeit berge zudem das Risiko, dass sich das Virus flächendeckender ausbreite, erklärt Geraedts - also auch an Orte, die bislang verhältnismäßig verschont geblieben sind. Anfang des Jahres waren viele Ausbrüche noch recht klar an einzelnen Orten zu lokalisieren gewesen, beispielsweise im Skiort Ischgl. "Das ist natürlich jetzt echt ein Problem, weil jetzt haben wir diese ganzen Einzelfälle, die über ganz Deutschland verteilt sind", sagt er. "Wenn die jetzt alle in Urlaub fahren in Deutschland, in Europa und in der ganzen Welt, ist natürlich die Gefahr da, dass sie das Virus überallhin tragen."

Auch Hajo Zeeb vom Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie in Bremen betont mit Blick auf infizierte Menschen, die keine oder wenige Krankheitssymptome zeigen: "Wenn man sich veranschaulicht, dass nur ein sehr geringer Bevölkerungsanteil bisher immun sein dürfte, so ist klar, dass das Virus sich schnell auch wieder ausbreiten kann, wenn die Bedingungen dafür stimmen."

Gleichzeitig verweist Zeeb darauf, dass viele Menschen nun Masken trügen und sich an physische Distanzierung gewöhnt hätten. Und: Die Infektionszahlen seien derzeit nicht nur in Deutschland, sondern auch in Reiseländern im Mittelmeerraum rückläufig. "Insofern sind meine Befürchtungen nicht allzu groß, aber es gibt einige Unsicherheiten."

(bl/dpa)

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