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Urlaub in Syrien: Veranstalter bietet Kulturreise ins Krisengebiet

22.2.2019 13:45 Uhr

"Gehören Sie zu den ersten, die wieder in diese tausendjährige Geschichte eintauchen" - so wirbt der französische Reiseveranstalter Clio für seine Syrien-Reisen. Als erster großer europäischer Anbieter hat das Pariser Unternehmen Kultururlaube in das Krisengebiet in sein Programm aufgenommen. Auch wenn Frankreichs Außenministerium davon abrät - das Angebot ab April scheint bereits jetzt schon großes Interesse geweckt zu haben.

Auf der Webseite von Clio liest es sich so, als sei der achtjährige Syrien-Krieg mit mehr als 350.000 Toten und Millionen Vertriebenen beendet: "Heute können Liebhaber dieses Landes (...) wieder sicher die Mehrzahl seiner Kulturstätten entdecken", heißt es in der Beschreibung der zehntägigen Rundreise, die am 6. April von Paris aus startet.

Erste Reise nach Damaskus, Palmyra & Co. bereits ausgebucht

Auf dem Programm der Busreise stehen unter anderem die Hauptstadt Damaskus, die Oasenstadt Palmyra, die Stadt Homs sowie das Bergdorf Maalula mit seinem griechisch-orthodoxen Kloster. Da europäische Fluglinien Syrien meiden, erfolgen die Hin- und Rückreise über die libanesische Hauptstadt Beirut. Knapp 3000 Euro kostet das pro Teilnehmer.

"Der Erfolg war sofort da", sagt der stellvertretende Clio-Chef Jean-Pierre Respaut. "Eine erste Gruppe von rund 20 Reisenden ist bereits komplett, fünf weitere Fahrten sind ab dem Herbst geplant."

Für Respaut ist die Lage in Syrien "heute stabiler, das Land ist zum großen Teil befriedet und die Regierung hat den Großteil des Staatsgebiets zurückerobert". Deshalb sei auch die Sicherheit der Reisenden gewährleistet.

Frankreich warnt vor Terroranschlägen und Entführungen

Dem widerspricht das französische Außenministerium entschieden: "Die Reiseagentur Clio setzt ihre Kunden einem Risiko aus, dessen sie sich voll bewusst ist", erklärt das Ministerium auf Anfrage. Sollte es zu einem Zwischenfall kommen, werde der Veranstalter zur Rechenschaft gezogen, warnt das Ministerium.

Denn Touristen, so heißt es in der offiziellen französischen Reisewarnung, sind "einem besonders hohen Risiko terroristischer Anschläge und Entführungen" ausgesetzt. Zudem gebe es immer wieder Festnahmen, ohne dass die syrischen Behörden das Herkunftsland darüber informierten.

Kann man sich auf die Polizei verlassen?

Der Reiseveranstalter wiegelt ab: "Wir bieten nur sichere Zonen an", betont Respaut. Noch "nicht völlig befriedete" Gebiete wie Aleppo oder die Euphrat-Region würden gemieden. "Auf bestimmten Etappen wird die Gruppe von der Polizei begleitet", sagt er zudem.

Doch auch auf die ist nicht unbedingt Verlass, wie etwa aus der Reisewarnung des Auswärtigen Amts in Berlin hervorgeht: "Das Verhalten syrischer Sicherheitsbehörden ist oft unvorhersehbar und willkürlich", heißt es darin.

Dem Deutschen Reiseverband in Berlin ist deshalb auch kein Anbieter in der Bundesrepublik bekannt, der Syrien wieder ins Programm genommen hat. Ebenso sieht es in Großbritannien und Italien aus, wie Anfragen der Nachrichtenagentur AFP ergeben haben.

Spätestens bei der Rückkehr kann es unangenehm werden

Spätestens bei der Rückkehr aus Syrien droht den französischen Reisenden Ungemach, wie das Außenministerium in Paris betont: Im Rahmen des Kampfes gegen den Terrorismus würden Staatsbürger eingehend zu ihren Motiven für den Aufenthalt befragt.

Schließlich ist Frankreich das EU-Land, aus dem mit die meisten Bürger nach Syrien ausreisten, um sich dort Extremisten anzuschließen. Diese Kämpfer werden von den Behörden teilweise mit für die islamistische Anschlagsserie mit mehr als 350 Toten seit 2015 verantwortlich gemacht.

Das ist aus Sicht des Veranstalters Clio aber kein Grund, das Land zu meiden: Für die Menschen in Syrien sei der Tourismus "ein Mittel der Rückkehr zur Normalität", betont er. "Das Land zu boykottieren, während die Syrer mühsam aus einem langen Albtraum aufwachen, hieße doch, sie doppelt zu bestrafen."

(sis/afp)