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UK-Botschafter: Die Türkei würde einen großen Beitrag zur EU leisten

26.5.2019 9:27 Uhr

Die Mitgliedschaft der Türkei in der Europäischen Union würde für beide Seiten einen großen Beitrag leisten, sagte der britische Botschafter Dominick Chilcott in Ankara am 24. Mai.

"Der Beitrittsprozess der Türkei ist derzeit ins Stocken geraten. Er scheint ins Leere zu laufen und im Moment ist es schwierig, optimistisch zu sein", sagte Dominick Chilcott in einem exklusiven Interview mit der Nachrichtenagentur Anadolu.

Bedingungen können sich jederzeit ändern

Chilcott bewertete jedoch Ankaras jahrzehntelange Verhandlungen mit dem 28-köpfigen Block und sagte, die Bedingungen könnten sich jederzeit schnell ändern. Er betonte, dass der derzeitige Mangel an Fortschritten nichts mit der Kultur, Größe oder geografischen Lage der Türkei zu tun habe.

"Grundsätzlich gibt es keinen Grund, warum die Türkei kein Mitgliedstaat werden sollte. Sie wäre ein sehr erfolgreicher EU-Staat, der einen großen Beitrag leisten und von der EU-Mitgliedschaft enorm profitieren würde", sagte er.

Unverzichtbarer Verbündeter der EU

Chilcott wies darauf hin, dass die Türkei ein unverzichtbarer und mächtiger Verbündeter der EU sei, betonte jedoch, dass beide Seiten bestimmte Änderungen vornehmen müssten, damit die derzeitigen Partnerschaften fortgesetzt werden können.

"Riesige Last"

"Mit 3,6 Millionen syrischen Flüchtlingen und einer halben Million Flüchtlingen aus anderen Ländern trägt die Türkei eine enorme Belastung", sagte Chilcott. "Jeder in der internationalen Gemeinschaft sollte dankbar sein für all die Anstrengungen, die die Türkei unternimmt", führte er weiter aus.

Chilcott unterstrich, dass die derzeitigen Beiträge der EU nur einen "kleinen Teil der Kosten darstellten, die die Türkei bereits trägt. Es ist Sache der Politiker, untereinander zu diskutieren, was der richtige Betrag ist. Es war der Betrag, der zwischen der Regierung von Präsident Erdogan und der Europäischen Union vereinbart wurde", sagte Chilcott.

Migrantenabkommen mit der Türkei

2016 haben die Türkei und die EU ein Abkommen unterzeichnet, das darauf abzielt, den Zustrom flüchtender Migranten durch die Ägäis einzudämmen, indem strengere Maßnahmen gegen Menschenhändler ergriffen und die Bedingungen für fast 3 Millionen syrische Flüchtlinge in der Türkei verbessert werden.

Das Abkommen ermöglicht auch die Beschleunigung des EU-Beitrittsangebots der Türkei und der visumfreien Einreise türkischer Staatsangehöriger innerhalb des Schengen-Raums, sofern Ankara alle 72 EU-Anforderungen erfüllt. Die Türkei hat sich lange darüber beschwert, dass die EU die zugesagten Mittel für Flüchtlinge nur schleppend bereitstellt und ihr Ende des Abkommens über visumfreies Reisen nicht einhält.

(be)