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U-Boot 'ARA San Juan' – gespenstische Bilder aus der Tiefe

18.11.2018 21:09 Uhr, von Chris Ehrhardt

Im Zuge der Pressekonferenz, die der argentinische Verteidigungsminister Oscar Aguad am Samstag abhielt, wurde das ganze Ausmaß der Katastrophe rund um die 'ARA San Juan' deutlich. Das US-amerikanische Unternehmen 'Ocean Infinity', das von der argentinischen Regierung mit der Suche nach dem am 15. November 2017 verschollenen U-Boot beauftragt wurde, konnte auch umfangreiches Bildmaterial zur Verfügung stellen. Bilder, die den Anwesenden den Atem stocken ließen. Zu erkennen sind Teile des Bootrumpfes, Schraubenteile, Kabel, die wie Seeschlangen aussehen und viele undefinierbare Gegenstände.

Es sind beklemmende und gespenstische Bilder, die Verteidigungsminister Aguad auf der Pressekonferenz der Weltöffentlichkeit präsentierte. Zudem teilte er den anwesenden Pressevertretern mit, dass das U-Boot in einer Tiefe von 907 Metern entdeckt wurde. Kapitän Gabriel Attis sagte zudem, dass die Hülle des U-Bootes noch in einem Stück sei. Augenfällig sei die vollständige Deformierung, die aber nicht zu Rissen geführt hatte, als das U-Boot wie ein Stein in die Tiefe des Kontinentalsockels sank. Diese Meeresregion südlich von Mar del Plata zeichnet sich dadurch aus, dass der Meeresboden von 200 Meter auf 3.000 Meter absinkt. Teile des U-Bootes wurden in einem Radius von rund 70 Metern rund um die Unglücksstelle gesichtet.

Kommissar Zufall half beim Auffinden des gesunkenen U-Bootes

Nachdem bereits die argentinischen Streitkräfte die Region vor rund einem Jahr untersuchten, aber nichts auffanden, wurde durch die Regierung des US-Unternehmen 'Ocean Infinity' aus Texas mit dem Auffinden des Wracks beauftragt. 7,5 Millionen US-Dollar wurden als 'Finderlohn' ausgelobt. Und das US-Unternehmen, das mit der argentinischen Regierung 60 Suchtage vertraglich festgezurrt hatte, stand kurz davor, den Einsatz im Fundgebiet abzubrechen. Letztlich entschied man sich doch dafür, nochmals die Stelle zu untersuchen, in der man am Ende fündig wurde.

Wird das verunglückte U-Boot je gehoben?

Nachdem die Angehörigen nun wissen, wo ihre Angehörigen 'begraben' liegen, wird die Forderung danach laut, dass das U-Boot gehoben wird. Große Hoffnung auf eine vollständige Hebung oder eine Teilbergung konnte das Verteidigungsministerium den Hinterbliebenen nicht machen. Die Kosten, die sich auf 1 Milliarde US-Dollar bewegen, stünden nicht zur Verfügung. Zudem würde es an der passenden Ausrüstung mangeln, um ein Boot aus dieser Tiefe zu bergen.

Die Angehörigen möchten das U-Boot jedoch an der Oberfläche wissen. Sie machen ihr Recht darauf geltend, dass sie ihre Väter, Brüder und Kinder oder Enkel beerdigen können. Außerdem wollen sie untersucht wissen, wie es zu diesem Unglück kam und wer möglicherweise verantwortlich gemacht werden kann. Einige Angehörige spekulieren gar, man habe längst gewusst, wo das U-Boot auf dem Meeresgrund liegt. Es existiert viel an Misstrauen bei den Hinterbliebenen. Darüber kann auch die dreitägige Staatstrauer nicht hinwegtäuschen, die vom argentinischen Präsidenten Mauricio Macri angeordnet wurde.