dha

Türkischer Gesundheitsminister: Neue Corona-Tests und neue Medikamente eingetroffen

23.3.2020 21:46 Uhr

Nach einer fast sechsstündigen Sitzung des Wissenschaftsrats zur Corona-Krise stellte sich der türkische Gesundheitsminister Fahrettin Koca der Presse.

In seiner rund halbstündigen Rede berichtete Koca von einer neuartigen Medikationsmethode, die die Behandlungszeit auf der Intensivstation rapide verkürzen könnte.

293 neue Fälle am Montag

Rund zwei Stunden nach dem Ende der Pressekonferenz verkündete Gesundheitsminister Koca über den Kurznachrichtendienst Twitter die neuesten Zahlen. Am Montag seien die Ergebnisse von 3672 Tests eingetroffen, von denen 293 positiv gewesen seien. Damit steigt die Zahl der bestätigten Fälle auf 1529. Sieben Menschen seien am Montag an der Krankheit verstorben.

Lieferung aus China

Am Montag sei aus China die erste Lieferung von 50.000 Coronavirus-Schnelltests eingetroffen, 300.000 weitere Tests sollen am Donnerstag eintreffen. Zudem habe China ein Medikament "in ausreichender Menge" geschickt, mit welcher die Behandlungszeit auf der Intensivstation von rund elf Tagen auf vier Tage verkürzt werden können soll. Das Medikament soll bereits ab Montag im Einsatz sein.

32.000 neue medizinische Pflegekräfte

Um die angespannte Situation in den Krankenhäusern zu entlasten, werde man 32.000 neue Ärzte/innen, Krankenpfleger/innen und anderes medizinisches Personal einstellen. Gerüchte, dass es in den Krankenhäusern kein ausreichendes Equipment gebe, wies der Gesundheitsminister vehement zurück. Dabei handle es sich um "einzelne Beispiele", die generalisiert werden würden. Alle Krankenhäuser würden mit genug Materialien versorgt werden.

Neue Verträge mit Maskenherstellern

Um den Nachscgub an medizinischem Equipment – vor allem Atemschutzmasken – zu sichern, habe man mittlerweile Abmachungen mit 20 Herstellern getroffen. Doch nicht, ohne zuvor ernste Maßnahmen ergriffen zu haben: Am Samstag haben Sicherheitskräfte auf Geheiß des Innenministeriums im ganzen Land Produzenten von Atemmasken kontrolliert und dabei große Mengen an Masken, die gehortet wurden, gefunden.

Einige der Unternehmen hätten geplant, die "versteckten" Masken für hohe Preise ans Ausland zu verkaufen. Jetzt habe man dafür gesorgt, dass keine Masken ins Ausland gehen würden, bevor nicht der Bedarf in der Türkei gesichert worden sei.

Förderung für Universitäten

Wie Gesundheitsminister Koca weiter erklärte, habe man sich in der Türkei an die Produktion von Beatmungsgeräten gemacht. Zudem werde man sechs Universitäten sowie ein Medizinisches Forschungszentrum fördern, damit diese nach einem Impfstoff forschen könnten.

Zudem habe man eine Kooperation von chinesischen und türkischen Forschern arrangiert, um einen Informationsfluss anzustoßen, der bei der Bekämpfung des Virus helfen soll. Gesundheitsminister Koca traf zudem am Montag mit dem chinesischen Botschafter in Ankara, Deng Li, zusammen, um über eine Zusammenarbeit mit chinesischen Forschern zu sprechen.

Keine Ausgangssperre geplant

Darauf angesprochen, ob in der Zukunft ein allgemeingültige Ausgangssperre verhängt werden könne, antwortete der Gesundheitsminister: "Jeder kann seinen eigenen Notstand ausrufen", dafür brauche man keine Anweisung durch die Regierung.

Die Bürger sollen sich weiterhin in eine freiwillige Isolation begeben, so Koca. Darin lege der Schlüssel zum Erfolg in der Bekämfpung des Virus.

Jeder Input erwünscht?

Auch der durch angebliche Verbindungen zur Gülen-Vereinigung nach dem Coup-Versuch 2016 per Präsidialdekret entlassene Genetik-Professor und Experte bei der Erforschung des Coronavirus, Mustafa Ulas, war Thema bei der Pressekonferenz. "In dieser Phase laden wir jeden dazu ein, sein Wissen mit uns zu teilen. Auch die erwähnte Person", so Koca.

Viele Patienten auf dem Weg der Besserung

Nach dem Stand von Sonntagabend gab es in der Türkei 1236 bestätigte Fälle des Coronavirus. 30 Menschen seien bis jetzt an der Krankheit Covid-19 gestorben, 28 davon seien über 60 Jahre alt gewesen und hätten unter Vorerkrankungen gelitten. Zudem seien ein 55- und ein 60-Jähriger am Coronavirus verstorben.

Insgesamt seien allerdings viele Patienten auf dem Weg der Besserung. Da die Zeitspanne von zwei Wochen seit dem ersten Fall erst morgen erreicht werde, könne man schon bald genaue Zahlen über geheilte Patienten verkünden.

Die Krankheit sei mittlerweile im ganzen Land aufgetreten, einen besonderen Krankheitsherd könne man nicht ausmachen. Auch habe sich medizinisches Personal bei der Behandlung der Patienten mit dem Virus infiziert. Der Gesundheitsminister wollte allerdings keine Angaben darüber machen, wie viele oder in welcher Verfassung sich die Erkrankten befinden würde.

(Berna Ehrhardt)

0 Kommentare

Bitte geben Sie den Aktivierungscode ein, der an Ihre E-Mail-Adresse gesendet wurde.

Sie müssen angemeldet oder registriert sein, um mitzudiskutieren.

Sie müssen angemeldet oder registriert sein, um mitzudiskutieren.