Türkische Nomaden dürfen nicht reisen

18.4.2020 17:24 Uhr, von Andreas Neubrand

Seit Jahrtausenden durchqueren türkische Nomaden die Steppen Anatoliens. Nur nicht in diesem Jahr. Damit unterbricht das Virus eine 1000 Jahre alte Tradition, die Kriege und Hungersnöte überdauert hat.

Immer, wenn der Sommer in der Südtürkei Einzug hält, wissen die Nomaden des Yörük-Stammes, dass es an der Zeit ist, ihre Zelte einzupacken und mit den Viehherden gen Norden zu ziehen.

"Sommermigration"

200 Sarikecili-Familien aus allen Teilen Südanatoliens ziehen so jedes Jahr in die "Sommermigration". Nur nicht in diesem Jahr. Aufgrund der Ausgangsbeschränkungen müssen sie mit dieser Zeremonie bis nach dem 1. Mai warten. Die Sarikelcili sind ein Stamm der Yörük-Ethnie und gehören zu den ältesten Hirtenvölkern der Türkei.

Normalerweise verlassen sie Ende April die südliche Provinz Mersin und machen sich auf in die 600 Kilometer zentralanatolischen Provinz Konya im Norden des Landes. Meistens erreichen sie ihr Ziel Ende Juni, um dann einige Tage später mit der Rückreise zu beginnen.

Tierbestände würden die Hitze nicht aushalten

Rund 70.000 kleine Wiederkäuer würden die hohen Temperaturen nicht überleben, wenn das Verbot der Überquerung zwischen den Provinzen im Mai fortgesetzt wird.

"Normalerweise beginnt unsere Migration am 20. April und dauert bis zur ersten Maiwoche. Bis zur letzten Maiwoche würde es an den Mittelmeerküsten, die wir Winterjurten nennen, keine Yörüks geben", so der Vorsitzende einer Yörük-Stiftung, Ibrahim Yagal. Yagal hofft, dass die Behörden Verständnis für die Lage der Yörük aufbringt und sie spätestens Anfang Mai migrieren können.

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