Hürriyet

Türkei: Strengere Regeln für Bauunternehmer nach Erdbeben in der Ägäis

9.11.2020 19:01 Uhr

Das türkische Umwelt- und Urbanisierungsministerium hat eine Reihe neuer Regeln und Kriterien für Bauunternehmer festgelegt, um sicherzustellen, dass die zu errichtenden Gebäude sicher sind und kein Leben gefährden, berichtet die Tageszeitung Milliyet.

Das Ministerium hat die neuen Regeln und Kriterien für Bauunternehmen in der Türkei in einem Bericht zusammengefasst, der dem Parlament im Oktober vorgelegt wurde. Nach dem vorgeschlagenen System werden die Qualifikationen der Auftragnehmer anhand ihrer finanziellen Situation sowie ihrer technischen und beruflichen Fähigkeiten bewertet. Bauunternehmen werden somit nun je nach Qualifikation und Fähigkeiten statt in 9 Gruppen in 15 verschiedene Klassifizierungsgruppen eingeteilt.

Das neue Qualifizierungssystem

Das neue System sieht vor, dass Bauunternehmer, die neu in das Geschäft eingetreten sind, in der Gruppe H untergebracht werden und Projekte im Wert von bis zu 2,9 Millionen türkischen Lira (ca. 287.000 Euro) durchführen dürfen. Zudem dürfen diese Unternehmen Gebäude mit maximal sieben Stockwerken errichten.

Wenn ein aufragnehmendes Unternehmen mehr Projekte durchführt und Erfahrung sammelt, steigt er auf der Klassifizierungsleiter weiter auf. Die erfahrensten Auftragnehmer dürfen Projekte im Wert von 143 Millionen Lira (ca. 15 Millionen Euro) durchführen. Das neue System soll verhindern, dass unerfahrene Bauunternehmen Projekte übernehmen, die Risiken bergen können.

Von 2012 bis zum vorherigen Jahr wurden rund 350.000 Bauherren von den Behörden registriert und für die Durchführung von Projekten waren keine Qualifikationen erforderlich. Nach der Einrichtung des Qualifizierungssystems wurden bis September dieses Jahres rund 60.000 Auftragnehmer registriert, 45.000 dieser Auftragnehmer gehörten zur Gruppe H.

Debatte nach dem Horror-Erdbeben in Izmir

Das jüngste Erdbeben in der westlichen Provinz Izmir, bei dem mindestens 115 Menschen ums Leben kamen, löste eine Debatte darüber aus, wie sicher die Gebäude in der Türkei sind, ob Bauunternehmer die Regeln einhalten und ob ihre Arbeiten ordnungsgemäß inspiziert werden.

Sieben Verdächtige, die am Bau von Gebäuden beteiligt waren, die während des Erdbebens in Izmir einstürzten, wurden letzte Woche festgenommen.

Gegen elf Verdächtige, die angeblich am fehlerhaften Bau von Gebäuden beteiligt waren, darunter Bauunternehmer und Ingenieure, wurden Haftbefehle erlassen.

(gi)

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