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Türkei: Plant der TFF Verschärfung der Ausländerregel?

29.5.2020 16:35 Uhr, von Chris Ehrhardt

Mehmet Arslan, einem verdienten Sportjournalisten der türkischen Hürriyet, ist zugetragen worden, dass sich der türkische Fußballverband am 28. Mai nicht nur mit der Wiederaufnahme des Spielbetriebes der Süper Lig in der Türkei befasst hat. Gegenstand der Gespräche war wohl auch die mögliche Verschärfung der Ausländerregel. Eingeweihte denken bei der Ankündigung des Themas: Alle Jahre wieder. Schon im März 2019 gab es entsprechende Überlegungen.

Wie lautet denn der aktuelle Plan, den eine Kommission, so wurde es wohl Mehmet Arslan berichtet, in Bezug auf die Ausländerregel in der Türkei eruieren soll? Es soll wohl ein Sonderausschuss eingerichtet worden sein. Der soll zuerst einmal eine Studie zu den ausländischen Spielern in der Türkei und in der Süper Lig anfertigen. Ziel soll es sein, die Zahl der Ausländer in einem Team ab der Saison 2020/21 auf von derzeit 14 auf 12 zu begrenzen. Von diesen 12 Ausländern sollen maximal acht auf dem Spielfeld sein dürfen (bisher elf), zwei ausländische Spieler darf man noch auf der Bank und zwei auf der Tribüne haben. Das macht Sinn, dass man sich Spieler für die Tribüne kauft.

"8+2+2" oder doch "6+2" mal wieder?

Wird das wirklich schon mit der neuen Saison 2020/21 kommen? Darüber soll insgesamt noch Uneinigkeit bestehen. Wahrscheinlich auch aus dem Grund, dass man Maßnahmen der UEFA oder FIFA befürchtet, wenn laufende Verträge der Klubs wegen der neuen Regularien gekündigt werden müssen. Ganz abgesehen davon, dass auch die Vereine wenig Begeisterung zeigen dürften, wenn sie Spieler, die möglicherweise langfristig an den Klub gebunden sind, mit immensen Abfindungssummen versorgt werden müssen, um den Vertrag aufzulösen.

Doch auch beim TFF scheint man sich nicht einig zu sein, So gibt es wohl auch Stimmen, die noch eine weitere Reduzierung der Ausländer in den Teams fordern. Da wird dann eine Wiederaufstehung "6+2"-Lösung bevorzugt – acht Spieler im Team, sechs auf dem Feld, zwei auf der Bank. Wie Mehmet Arslan berichtet wurde, soll es weitere Vorschläge gegeben haben, die sich mit Ausländern befassen. So soll ebenso angedacht sein, eine "Altersgrenze" einzuführen. Nein, die gilt nicht für Spieler wie Emre Belözoglu, denn er hat ja einen türkischen Pass und kann darum auch mit 50 Jahren noch für Fenerbahce Istanbul auflaufen.

Mit neuer Regel: kein Podolski bei Antalyaspor

Die Altersregelung richtet sich an Spieler, die sich in der Türkei "auf die alten Fußballertage" nochmals "satt machen" wollen. Es wurde moniert, dass die Türkei neben Katar ein Paradies für Fußball-Ruheständler geworden sei. Das Geld sähe man als "verschwendet" an. Darum soll, so die Quelle gegenüber Mehmet Arslan, mit 32 Jahren Schluss sein. Das hieße, wer über 32 Jahre ist und Ausländer, darf nicht mehr in die Türkei transferiert werden. Mit der Regelung hätte Ex-Weltmeister Lukas Podolski nie bei Antalyaspor unterschreiben dürfen. Oder Radamel Falcao bei Galatasaray Istanbul. Oder, oder, oder.

Wird das nun alles genau in dieser Form kommen? Eher nicht. Bestrebungen gab es häufig, wie es auch schon oftmals Änderungen gab. Wer aber seine Liga interessant halten will, der muss Namen auffahren können. Um Spieler in die Türkei zu locken, die auf Topniveau kicken und in der besten Zeit ihrer Karriere stehen, fehlt den Klubs einfach das nötige Kleingeld. Die werden erst dann geholt, wenn man sie sich erlauben kann. Nimmt man den Klubs die zugkräftigen Ausländer, wird das auf internationalem Parkett bestraft und die Liga büßt an Attraktivität ein. Ob man den Schritt wirklich gehen will?


Änderungen der Süper Lig bei der Ausländerregel seit der Spielzeit 2007/08 im Überblick

2007/08 – 6+1

2007/08 – 6+2 (in der Winterpause)

2007/08 – 6+2+2 (am Saisonende)

2009/10 – 6+2

2010/11 – 6+2+2

2011/12 – 6+2

2013/14 – 6+0+4

2014/15 – 5+3

2015/16 – Pflicht, 14 türkische Spieler im Kader zu haben

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