Symbolbild: imago images / Westend61

Türkei: Neue Reiseregelung für Antalya, Aydin, Izmir und Mugla nicht unproblematisch

5.8.2020 11:42 Uhr

Am Dienstag ist von Deutschland die Reisewarnung für vier Provinzen in der Türkei – Antalya, Aydin, Izmir und Mugla – aufgehoben worden. In weiten Teilen der Social Media herrschte große Aufregung und Freude darüber. Doch hat man sich vielleicht etwas zu früh gefreut? Bülent Bayraktar, Vorsitzender der Türkischen Gemeinde in der Metropolregion Nürnberg, macht auf Probleme aufmerksam.

Das Auswärtige Amt hat auf seiner Webseite die Reisewarnungen für die Türkei aktualisiert. Aktuell steht dort zu lesen:

"Aufgrund der Ausbreitung von COVID-19 und damit einhergehenden Einschränkungen im internationalen Luft- und Reiseverkehr sowie Beeinträchtigungen des öffentlichen Lebens wird vor nicht notwendigen, touristischen Reisen in die Türkei weiterhin gewarnt.
Hiervon ausgenommen sind die Provinzen Aydin, Izmir und Mugla in der Ägäisregion sowie die Provinz Antalya in der Mittelmeerregion unter der Voraussetzung der strikten Einhaltung des von der türkischen Regierung verfügten umfassenden Tourismus- und Hygienekonzepts. Dieses beinhaltet u.a. eine verpflichtende PCR-Testung für alle Reisenden in der Türkei innerhalb von 48 Stunden vor Rückreise nach Deutschland. Die Kosten von umgerechnet 15,- Euro in einem zertifizierten Labor bzw. 30,- Euro am Flughafen müssen die Reisenden selbst tragen. Positiv Getestete müssen sich in der Türkei in Quarantäne bzw. in ärztliche Behandlung begeben.
Auch jenseits der vorgenannten vier Provinzen verlangt die Türkei von sämtlichen Personen, die aus der Türkei nach Deutschland zurückreisen, unabhängig vom Reiseweg ein negatives Testergebnis, das nicht älter als 48 Stunden ist, und wird dies bei der Ausreise aus der Türkei kontrollieren."

Doch was bedeutet diese Regelung, die per sofort greift? Bülent Bayraktar, mit dem Hürriyet.de am Mittwoch sprach, sieht darin eine Verschlechterung der bisher gültigen Regularien. "Wir stellen fest, dass für Türkei-Urlauber und Türkei-Reisende - für touristische Reisen, Geschäftsreisen und ebenso für Familienbesuche - eine generelle Verschlechterung der Situation eingetreten ist." Doch auf was basiert die Sichtweise des Vorsitzenden der Türkischen Gemeinde in der Metropolregion Nürnberg? Dazu führt Herr Bayraktar aus: "Bis dato hatten die Urlauber die Wahl, den PCR-Test in der Türkei oder in Deutschland machen zu lassen. Die Tests in Bayern werden kostenlos angeboten. Für die Tests in der Türkei müssen Urlauber selbst aufkommen (Kosten rund 15 bis 30 Euro) und während ihres Urlaubs die Tests arrangieren. Bei einem positiven Befund werden Urlauber nicht zurück nach Deutschland befördert. Ihnen droht eine Quarantäne in der Türkei oder eine Behandlung in einem türkischen Krankenhaus. Für die Kosten, wie zum Beispiel für einen erneuten Rückflug, müssen die Reisenden selbst aufkommen."

Eröffnet die neue Regelung einen leichten Reiserücktritt?

Doch damit nicht genug. Das, was eigentlich wie eine Belebung des Pauschaltourismus wirkt, birgt laut Bülent Bayraktar nicht unerhebliche Risiken. Er sagte, dass für den Fall, dass eine Rückreise nach Deutschland nicht gewährleistet sei – hier bei einem positiven PCR-Test – sondern die Quarantäne in einem fremden Land droht, entsteht ein Recht auf Reiserücktritt. Und der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde in der Metropolregion Nürnberg macht auf einen weiteren Punkt aufmerksam, den das Auswärtige Amt veröffentlichte. "Auch jenseits der vorgenannten vier Provinzen verlangt die Türkei von sämtlichen Personen, die aus der Türkei nach Deutschland zurückreisen, unabhängig vom Reiseweg ein negatives Testergebnis, das nicht älter als 48 Stunden ist, und wird dies bei der Ausreise aus der Türkei kontrollieren." Das bedeutet, dass hiermit der Landweg, der Sila Yolu, angespielt wird. Jeder, der sich aus der Türkei auf die Rückreise nach Deutschland begibt, kann das Land nur mit einem negativen Test verlassen.

Im Gespräch mit Bülent Bayraktar kam ebenso die Frage auf, was sein würde, wenn man bei der Ausreise mit dem Auto über Kapikule positiv getestet wird. Wo geht man in Quarantäne? Bieten die Einrichtungen rund um die Grenzstation ausreichend Platz, Menschen für eine 14-tägige Quarantäne aufzunehmen? Und wie steht es mit der Testpflicht in Deutschland, wenn man aus einem Risikoland einreist? Die Türkei bleibt trotz der partiellen Aufhebung der Reisewarnung auf der Liste vom Robert-Koch-Institut der Risikoländer, aus denen bei der Wiedereinreise nach Deutschland eine Testpflicht laut Bundesgesundheitsminister Jens Spahn besteht. Besteht nun eine doppelte Testpflicht – in der Türkei, um das Land zu verlassen und in Deutschland, um einzureisen? Es tauchen viele Fragen im Nachgang zu der Aufhebung der Reisewarnung von Dienstag auf, zu denen es bisher wohl noch keine Antworten gibt.

(ce)

0 Kommentare

Bitte geben Sie den Aktivierungscode ein, der an Ihre E-Mail-Adresse gesendet wurde.

Sie müssen angemeldet oder registriert sein, um mitzudiskutieren.

Sie müssen angemeldet oder registriert sein, um mitzudiskutieren.