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Türkei: Muharrem Ince kündigt "Aktion Mutterland in 1000 Tagen" an

13.8.2020 15:10 Uhr

Die Türkei hat sowohl ein Regierungs- als auch ein Oppositionsproblem und müsse sich aus dieser gegenwärtigen politischen Pattsituation befreien, sagte Muharrem Ince, ehemaliger Präsidentschaftskandidat der Republikanischen Volkspartei (CHP) und kündigte am Donnerstag in Ankara den Start seiner "Aktion Mutterland in 1000 Tagen" als Alternative zu bestehenden politischen Parteien an.

"Selbst wenn ich aus der CHP ausscheide, bedeutet das, die Partei zu retten. Wir werden der Türkei eine neue Alternative präsentieren. Der Name der Bewegung, die ich heute ankündige, lautet "Aktion Mutterland in 1000 Tagen", sagte Ince am 13. August auf einer Pressekonferenz.

Politische Bewegung statt Partei?

Nach den Präsidentschaftswahlen im Juni 2018 lag Ince seit längerem mit dem CHP-Vorsitzenden Kemal Kilicdaroglu in einem brodelnden Clinch. Es gab Berichte, dass Ince eine eigene Partei gründen wolle, doch in der Pressekonferenz betonte er, man wolle eine neue politische Bewegung schaffen.
"Die Probleme der Türkei können weder von einer Ein-Mann-Regierung noch von einer Ein-Mann-Opposition gelöst werden. Die Türkei ist nicht ohne Alternativen“, erklärte er.

Beginn am 4. September in Sivas

Den Start für seine "Aktion Mutterland in 1000 Tagen" wolle Muharrem Ince am 4. September in Sivas geben – historisch, denn dort wurde vor dem Beginn des Unabhängigkeitkriegs der Sivas-Kongress durch den Staatsgründer Mustafa Kemal Atatürk abgehalten. In den kommenden Tagen werde er seine Adjutanten vorstellen, die als Experten auf ihren Bereichen gelten würden.

Wahlkampf untergraben?

Es gebe einige, die Ince dafür verantwortlich machen würden, dass die CHP nicht an der Macht sei. Doch seiner Ansicht nach versuche die CHP überhaupt nicht wirklich an die Macht zu kommen. Wer einen alten Freund des Präsidenten als neuen Präsidenten vorschlage, könne sich doch nicht Regierungsopposition nennen, so Ince. Dass die CHP angeblich an die Macht gelangen wolle, sei nur ein Traum.


Der ehemalige Präsidentschaftskandidat beschuldigte die CHP-Führung auch, seinen Wahlkampf untergraben und ihn nicht unterstützt zu haben.
"Die CHP-Mitglieder in den Wahllokalen haben ihre Arbeit nicht getan. Vier Millionen Stimmen gingen verloren. Wie könnte ich in der Wahlnacht vor den Menschen erscheinen? Ich habe keine Daten erhalten. Sie [hochrangige CHP-Mitglieder, Anm. d. Red.] wollten, dass ich mich hinstelle und lüge“, argumentierte er. Zwar verlor Ince gegen Recep Tayyip Erdogan, errang aber mehr als 30 Prozent der Stimmen – etwas, das niemandem in der CHP in 41 Jahren gelungen war.

Verlorenes Vertrauen der Wähler

Ince wurde lange Zeit dafür kritisiert, dass er die Kontrolle über den Prozess der Stimmenzählung in der Wahlnacht 2018 nicht übernommen hat. In dieser Nacht des 23. Junis verschwand der Präsidentschaftskandidat und gab erst am nächsten Tag in den Mittagsstunden eine Erklärung ab. Viele seiner Wähler haben ihm dieses Schweigen nicht vergeben und das Vertrauen in den ehemaligen Abgeordneten von Yalova verloren.

Ob er zumindest einen Teil der Wähler zurückgewinnen kann, wird sich nun zeigen. Es wird erwartet, dass er in 1000 Tagen, fast drei Jahren, alle Provinzen des Landes besuchen und seine Bewegung vorstellen werde, bis die nächsten Wahlen im Juni 2023 stattfinden.

(be)

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