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Türkei: Liste mit den Erdbeben-Verwerfungen muss aktualisiert werden

9.7.2020 8:47 Uhr

Laut einem Experten muss die Karte der Türkei mit aktiven Verwerfungen zwingend und zeitnah aktualisiert werden, um neue Verwerfungslinien hinzuzufügen, die die jüngsten Erdbeben ausgelöst haben. Die Sichtweise setzte sich durch, nachdem die Türkei innerhalb kürzester Zeit von einigen Erdbeben erschüttert worden ist.

"In der Türkei sind 485 Verwerfungslinien offiziell bekannt. In den letzten 10 Jahren haben sich jedoch mehr als 100 neue Verwerfungen gebildet", betonte Hasan Sözbilir, Leiter des Erdbebenforschungs- und -ausbildungszentrums an der Dokuz Eylül-Universität. Der Experte mahnte an, dass die letzte Karte im Jahr 2011 erstellt und damit nicht mehr aktuell sei. Ein starkes Erdbeben erschütterte am 22. Januar die westliche Provinz Manisa im Bereich und das war das erste einer Reihe kleinerer Beben, die in den nächsten fünf Monaten folgen sollten.

Das Erdbeben mit dem Zentrum in Akhisar verursachte rund 6000 Nachbeben und hatte am 26. Juni in Gölmarmara, einem anderen Bezirk von Manisa, ein Beben der Stärke 5,5 zur Folge. All diese Erschütterungen lösten in Manisa seit dem 1. Juli höchstens weitere kleinere Beben aus – die stärkste Erschütterung mit einer Stärke von 3,7. "Wir haben die Verwerfungslinien Sancaklikayadibi und Sancaklibozkoy am östlichen Ende der Verwerfung von Manisa. Wenn diese beiden Verwerfungslinien mit einer Gesamtlänge von 10 Kilometern vollständig brechen, werden wir in der Region ein Beben der Stärke 6,0 erleben", betonte Sözbilir und hob hervor, dass keine dieser Verwerfungen in der veralteten Karte erwähnt wurde.

Angst vor einem Beben wie 1999

Diese Karten sollten einmal im Jahrzehnt aktualisiert werden, und Wissenschaftler sollten Berechnungen gemäß den neuen Informationen durchführen, so Sözbilir, der die Präsidentschaft des Katastrophen- und Notfallmanagements (AFAD), welche dem türkischen Innenministerium unterstellt ist, aufforderte, an dem dringenden Problem der Kartenaktualisierung zu arbeiten. "AFAD und Universitäten sollten zusammenarbeiten. 50 Beamte können damit beauftragt werden, diese neuen Verwerfungen zu zeichnen und die Karte zu aktualisieren." Die Türkei liegt an mehreren aktiven Verwerfungslinien. Mindestens 41 Menschen starben bei einem Erdbeben, das am 24. Januar dieses Jahres den Osten des Landes mit seinem Epizentrum in der Provinz Elazig erschütterte. Bis heute folgten im Westen des Landes mehrere leichte Erschütterungen ohne den Verlust von Menschenleben.

Die türkischen Bürger sind jedoch traumatisiert von den Erinnerungen an ein Erdbeben der Stärke 7,4, das 1999 den Nordwesten des Landes erschütterte und 18.000 Menschen tötete. Das Epizentrum des Erdbebens war der Bezirk Gölcük, etwa 75 Kilometer von Istanbul entfernt. Experten haben gewarnt, dass ein zerstörerisches Erdbeben höchstwahrscheinlich in naher Zukunft im selben Gebiet stattfinden wird.

(ce)

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