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Türkei hat gute Argumente zur Aufhebung der Reisewarnung

29.6.2020 10:27 Uhr

Am Donnerstag werden hochrangige Politiker aus der Türkei – Außenminister Mevlüt Cavusoglu, Tourismusminister Mehmet Ersoy und Offizielle aus dem Gesundheitsministerium – zu einem Besuch von Ankara nach Berlin Deutschland kommen, um dort auf Außenminister Heiko Maas zu treffen. Um was wird es gehen? Um die Aufhebung der Reisewarnung von Deutschland. Nun fragt man sich, was ist es, was die Türkei der deutschen Gegenseite präsentieren wird. Wir als Hürriyet.de fassen die Argumente zusammen, damit sich Leser selbst ein Bild machen und Chancen abwägen können, ob die Reisewarnung und die Einstufung der Türkei als Risikoland fallen.

Fakt ist, dass das Coronavirus und die Covid-19-Pandemie unsere Lebensweise tiefgreifend beeinflusst hat. Man wird einige Gewohnheiten dauerhaft verändern müssen, denn der Virus ist nach bisherigem Stand "gekommen, um zu bleiben". Was werden Außenminister Mevlüt Cavusoglu und Tourismusminister Mehmet Ersoy den deutschen Gegenparts präsentieren, damit die Reisewarnung für die Türkei schnell gekippt wird?

Als eines der führenden Tourismusländer mit der höchsten Besucherzahl der Welt hat die Türkei dank ihrer starken Gesundheitsinfrastruktur und zeitnahen Maßnahmen wichtige Schritte unternommen, um diese herausfordernde Zeit erfolgreich zu bewältigen. In diesem Zusammenhang wurde das Programm "Sicherer Tourismus Zertifikation" mit einer Reihe von Maßnahmen und Regeln eingeleitet, um den türkischen Tourismussektor auf die "neue Normalität" vorzubereiten und sicherzustellen, dass Gäste, die ihren Urlaub in der Türkei verbringen, einen komfortablen und sicheren Urlaub haben. Doch was kann die Türkei genau in die Waagschale werfen, um Heiko Maas und die Politik aus Deutschland zu überzeugen, den Schritt der Aufhebung der Reisewarnung zu gehen? Wir geben eine Übersicht.

Das Zertifizierungsprogramm

Die Türkei hat ein Zertifizierungsprogramm mit sehr umfassenden Kriterien für Flughäfen, Flugzeuge, Touristenfahrzeuge, Unterkünfte und Restaurants gestartet. https://www.tga.gov.tr/verified-safe-tourism-progr... . Für die Zertifizierung akkreditierte Unternehmen müssen Organisationen in mindestens 5 Ländern haben. Https://www.tga.gov.tr/companies-authorized-to-ver... . Die Zertifizierung erfolgt überwiegend durch deutsche Unternehmen, insbesondere den TÜV Süd, um den deutschen Standards zu entsprechen. Hotels arbeiten zumeist mit europäischen Unternehmen zusammen. Man kann und muss davon ausgehen, dass schätzungsweise die Hälfte der Hotels, die diesen Sommer in Betrieb sein werden, an diesem Zertifizierungsprogramm https://tga.gov.tr/search-hotel-en/ teilnehmen werden.

Ein zertifiziertes Hotel in der Türkei (Bild: dha)

Die türkische Regierung rät den deutschen Reiseveranstaltern und Online-Reisebüros, mit ihren zertifizierten Hotels zusammenzuarbeiten. Zusätzlich zu diesem Zertifizierungssystem haben autorisierte Stellen Rundschreiben zu verbindlichen Maßnahmen herausgegeben, die von Beherbergungsbetrieben, Lebensmittel- und Getränkeunternehmen, Flughäfen und Fluggesellschaften gegen die Pandemie zu ergreifen sind.

Die Gesundheitsinfrastruktur der Türkei

Im Rahmen des Investitionsprogramms für städtische Krankenhäuser wurden in den letzten 5 Jahren zahlreiche Megakrankenhäuser in der Türkei in Betrieb genommen, weitere Einrichtungen sind in Vorbereitung. Die Türkei ist hinsichtlich der Anzahl der Intensivbetten und Beatmungsgeräte sehr gut auf den Kampf gegen Covid-19 vorbereitet. Das türkische Gesundheitssystem zählt 39.934 Intensivbetten und 17.852 Beatmungsgeräte. Obwohl der Höhepunkt des Ausbruchs bereits hinter dem Land liegt, erreichte die Türkei nur 6 Prozent ihrer Kapazität auf Intensivbetten und 5 Prozent auf Atemschutzmasken.

Die voll ausgestattete Ambulanzflotte kann Dienstleistungen in der Türkei und anderen Regionen der Welt erbringen.

Anzahl der Fälle pro Stadt in Urlaubs-Destinationen

Die Gesamtzahl der Fälle zwischen dem 11. März und dem 22. Juni 2020 ist für die Provinzen Antalya, Mugla, Aydin und Izmir extrem niedrig – siehe Bild. Wie in der letzten Woche zu sehen war, gab es geringfügige Zuwächse. Das heißt, gerade in den von deutschen Urlaubern präferierten Urlaubsprovinzen der Türkei halten sich die Fallzahlen in engen und überschaubaren Grenzen.


Quelle: Türkisches Gesundheitsministerium

Maßnahmen an den Flughäfen

An Flughäfen werden Temperaturmessungen für Passagiere durchgeführt, die in in die Türkei einreisen. Passagiere, die andere krankheitsbedingte Symptome aufweisen und solche mit einer Temperatur über 37,8 Grad Celsius oder solche mit Symptomen auf eine Infektion mit dem Coronavirus, werden getestet. Für den Test wird keine Gebühr erhoben. Wenn das Testergebnis positiv ist, wird der Gast ins Krankenhaus gebracht. Das gleiche Verfahren gilt für Transitpassagiere. Auf diese Weise wurden auch die Maßgaben für die Generaldirektion Zivilluftfahrt (NOTAM) überarbeitet.

Fluggäste mit Abstand am Flughafen in Milas/Mugla (Bild: dha)

Was passiert, wenn ein Tourist positiv getestet wird?

Für Passagiere mit einem positiven PCR-Test stehen den Flughäfen medizinische Fachkräfte zur Verfügung, die in der Lage sind, Eingriffe, Gesundheitsausrüstung und Fahrzeuge für den Transfer in eine Gesundheitsklinik vorzunehmen. Ein Patient, der positiv getestet wurde, wird sofort in die nächste Gesundheitsklinik gebracht und dort behandelt.

In Fällen, in denen kein Krankenhausaufenthalt erforderlich ist, gilt das folgende Verfahren für Gäste, die in Hotels übernachten, die eine Verpflichtungserklärung eingereicht haben:

  • Eine Etage/ein Block (wenn mehrere Blöcke vorhanden sind) des Hotels ist als Quarantänezone festgelegt.
  • Wenn ein positiver Fall festgestellt wird, wird die betroffene Person in Räumen auf dieser Etage/in diesem Block isoliert, sie wird daran gehindert, andere Gäste zu kontaktieren und die Gesundheitsdirektion der Provinz wird unverzüglich benachrichtigt.
  • Die Personen, die mit dem positiven Fall in Kontakte stehen (Familienangehörige) werden, werden auf derselben Etage/demselben Block verlegt und ebenfalls isoliert.
  • Es wird sichergestellt, dass das Personal, das spezielle Dienstleistungen auf dieser isolierten Etage/diesem Block erbringt, auf dieser Etage/diesem Block bleibt und nur Zimmerservice anbietet.
  • Wenn der Patient Familienmitglieder begleitet, übernimmt das Hotel andere Unterkunftskosten die Kosten während der Isolation.

Versicherungen bei der Einreise in die Türkei

Wenn ein Besucher, der in die Türkei kommt, positiv auf Covid-19 getestet wird und eine Krankenhausbehandlung benötigt, übernehmen die Versicherungen in der Regel die Kosten und das in folgenden Fällen:

  • Wenn der Patient eine in der Türkei gültige Krankenversicherung hat oder
  • Eine Reiseversicherung einschließlich einer Krankenversicherung abgeschlossen hat, bevor er in die Türkei gereist ist.

Diejenigen, die keine Krankenversicherung haben, erhalten die Möglichkeit, bei ihrer Ankunft in der Türkei am Flughafen Versicherungspolicen abzuschließen. Daher werden Flughäfen mit der höchsten Anzahl internationaler Flüge - wie zum Beispiel die Flughäfen Istanbul, Antalya, Mugla und Izmir - Verkaufsstellen einrichten, die Krankenversicherungen anbieten, die in der ganzen Türkei gültig sind.

Zu diesem Zweck werden Besuchern innerhalb von zwei Hauptversicherungssystemen verschiedene Krankenversicherungspläne angeboten: berechtigungsbasiert und deckungsbasiert

Für Poolliegen gilt: Abstand halten! (Bild: dha)

Keine "Zwangsbehandlungen" mit Medikamenten

Die Türkei weist ausdrücklich darauf hin, dass während des Behandlungsprozesses des diagnostizierten Gastes Informationen zu den Behandlungsmethoden nur dem besagten Gast mitgeteilt werden und kein Medikament verwendet werden darf, es sei denn, der besagte Gast genehmigt dies. Damit wird einem Bericht widersprochen, der in den Medien kolportiert wurde und in dem es hieß, es würde in der Türkei Zwangsbehandlungen mit dem Medikament Hydroxychloroquin geben, welches in Deutschland heftig umstritten und nicht zugelassen ist. Dem Patienten wird nur die Behandlung zuteil, die er auch absegnet und wünscht. Touristen sind keine "Versuchskaninchen".

Die Türkei ist eines der erfolgreichsten Länder im Umgang mit Covid-19, um den Ausbruch unter Kontrolle und die Sterblichkeitsrate sehr niedrig zu halten. Die wichtigsten Elemente dieses Erfolgs sind:

  • Starke Infrastruktur des Gesundheitssystems in der Türkei,
  • Frühzeitige Diagnose und frühzeitige Behandlung dank des Bogenverfolgungssystems (Filtration),
  • Erfolgreiche angewandte Behandlungsmethoden.

Aufgrund dieser erfolgreichen Implementierungen betrug die Auslastung der Covid-19-Patientenbetten in den Krankenhäusern der Türkei 36 Prozent, die Auslastung der Intensivbetten bei 59,8 Prozent und die Auslastung der Beatmungsgeräte 34,1 Prozent.

Digitale Informationsinfrastruktur

Einer der wichtigsten Vorteile, den die Türkei in den Gesprächen mit Heiko Maas und anderen Politiker anführen wird, ist die zentrale Informationsinfrastruktur im Gesundheitssystem. Die Türkei hat sich mit allen Gesundheitsorganisationen digitalisiert und Datenmanagementsysteme entwickelt. Dank dieser Infrastruktur kann jeder Test, der in den Zentren der Türkei durchgeführt wurde, überwacht werden – Gleiches gilt für die Behandlungsprozesse bei Infizierten.

Im Rahmen von Covid-19 wird die Wirksamkeit aller Behandlungen mit einer digitalen Infrastruktur mit zentralen Daten von Land zu Land durchgeführt. Erfahrene Wissenschaftler und informationsbasierte Systeme analysieren den Zustand der Patienten, die Behandlungen und die Ergebnisse. Aufgrund dieser Analysen hat die Türkei erfolgreichere Behandlungsprotokolle als andere Länder entwickelt und ihr Wissen mit vielen Ländern geteilt.

Beispielsweise wurde festgestellt, dass sich das frühzeitige Anschließen von Patienten an das Beatmungsgerät negativ auf die Behandlung wirkt und es positive Auswirkungen hat, Patienten einer intensiven Sauerstofftherapie zu unterziehen. Das senkte die Zeit der Krankenhausaufenthalte der Patienten. In diesem Zusammenhang wird analysiert, welche Medikamente in welchem Krankheitszeitraum, abhängig von diversen Faktoren (im Rahmen von Alter, chronischem Krankheitsstatus usw.) erfolgreich oder gescheitert sind.

Auf das in der Kritik stehende Medikament bezogen heißt das: Es wurde festgestellt, wann die erste Verwendung des Arzneimittels erfolgt ist. Bei der Verwendung des Arzneimittels wird das EKG der Fälle gezogen und wenn kein Risiko für das Herz des Patienten besteht, erscheint es angemessen, es zu verwenden, sofern der Patient es absegnet. Die kurz- und langfristigen Nebenwirkungen dieses Arzneimittels und anderer angewandter Methoden werden ebenfalls untersucht. Permanente Nebenwirkungen des Arzneimittels bei Covid-19-Patienten wurden nicht festgestellt.

In Bezug auf all diese Studien werden in der Türkei viele wissenschaftliche Veröffentlichungen erstellt. Diese Studien, die in kurzer Zeit abgeschlossen sein werden, werden mit der Wissenschaftswelt geteilt. Es besteht immer die Möglichkeit, die Gesundheitsministerien der Republik Türkei und anderer Länder zu kontaktieren, um auf Anfrage Erfahrungen zu sammeln und Informationen auszutauschen.

Einführungstreffen zum "Sicheren Tourismus" am 19. und 20. Juni 2020 in Antalya

Nach einem intensiven diplomatischen Austausch mit Ländern, die die meisten Touristen in die Türkei schicken, veranstaltete der türkische Minister für Kultur und Tourismus, Mehmet Ersoy, vom 19. bis 21. Juni 2020 in Antalya das "Einführungstreffen für sicheren Tourismus". Bei dieser Veranstaltung waren Botschafter aus 60 verschiedenen Ländern sowie eine Reihe internationaler Medienmitglieder zu Gast. Das "Rediscover"-Programm ermöglichte es den Teilnehmern der Veranstaltung, alle Details und Sicherheitsmaßnahmen zu betrachten, denen ein Tourist im Rahmen des "Sicherer Tourismus Zertifizierungs-Programm" am Bord der Airlines, am Flughafen, in den Transferfahrzeugen und im Hotel begegnen würde.

Außenminister Cavusoglu und Tourismusminister Ersoy bei "ReTurkey"-Meeting (Bild: dha)

Schulungen für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Beherbergungssektor

Eins der Inspektionskriterien des Programms für sichere Tourismuszertifikate, das auf der Grundlage von Kriterien und Umsetzungen durch das Gesundheitsministerium der Türkei, anderen relevanten Regierungsinstitutionen und der WHO (Weltgesundheitsorganisation) erstellt wurde, ist, dass alle im Beherbergungssektor tätigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter angemessene Hygieneschulungen erhalten haben. Diese wurden von NGOs (TUROB, TUROFED, TURYID usw.) genehmigt. Um diese Kriterien zu erfüllen, werden in Zusammenarbeit mit nationalen und internationalen Lieferanten von Hygiene- und Reinigungsprodukten wie Ecolab, Diversey und Eczacibasi Live-Schulungsprogramme für die im Beherbergungssektor tätigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter organisiert. Die in den Schulungen behandelten Themen sind:

  • Hintergrundinformationen zu COVID-19;
  • Allgemeine Hygienevorschriften, die während des Betriebs anzuwenden sind;
  • Rundschreiben von zuständigen Behörden, deren Einhaltung vorgeschrieben ist;
  • Covid-19-Risikobewertung im Betrieb;
  • Persönliche Schutzmaßnahmen;
  • Persönliche Hygienemaßnahmen;
  • Regeln und Maßnahmen zur Einhaltung in technischen Abteilungen, Reinigungsbetrieben und Kücheneinheiten.

Darüber hinaus können Fachkräfte, die auf Reinigung und Hygiene im Beherbergungssektor spezialisiert sind, durch Fernschulungsprogramme die Live-Module ergänzen und über fundierte Kenntnisse über den Sektor im Allgemeinen verfügen. Nach jedem Modul erhalten die Teilnehmer des Programms, die den Test bestehen, automatisch "Leistungszertifikate", die an ihre E-Mail-Adresse gesendet werden.

Fazit und Ausblick auf das Ministertreffen

Man erkennt recht schnell, die türkischen Vertreter, die am Donnerstag zu einem Arbeitstreffen in Berlin erwartet werden, sind mehr als gut gewappnet, um Bedenken der deutschen Bundesregierung in Sachen Reisewarnung, Risikoland, Coronavirus, Covid-19 und Tourismus in die Türkei zu zerstreuen. Und das im Interesse vieler Urlauberinnen und Urlauber, Menschen, die Familienbesuche vornehmen wollen und ganz besonders auch in Interesse der Tourismus-Industrie in Deutschland, der ohne den Türkei-Tourismus in diesem Jahr schwerste Einbußen und Entlassungswellen oder gar Pleitewellen drohen, welche den Wirtschafts-Standort Deutschland und das Sozialnetz nachhaltig negativ tangieren würden.

(ce)

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