DHA

Türkei: Handtuch-Verwechslung am Nationalfeiertag sorgt für kuriose Festnahme

20.5.2020 19:02 Uhr

Ein Handtuch, das in Kayseri vom Iraner Mohammad Reza K. (32) auf seinem Balkon zum Trocknen aufgehängt wurde, sorgte am 19. Mai – dem Feiertag der Jugend, des Sports und des Gedenkens an Atatürk – zuerst für Verwirrung und danach für einen Polizeieinsatz mit vorübergehender Festnahme des Mannes. Doch woher hätte der iranische Staatsbürger wissen sollen, der in türkischer Geschichte eher nicht bewandert ist, dass das Handtuch besonders an diesem Tag für Aufregung sorgen würde?

Mohammad Reza K. wollte nach einer Dusche am 19. Mai sein Handtuch auf seinem Balkon zum Trocknen aufhängen. Das Problem? Das Handtuch war mit der britischen Flagge bedruckt. Und das ausgerechnet am Feiertag der Jugend, des Sports und des Gedenkens an Atatürk, an dem die Bevölkerung traditionell die türkische Fahne von Balkonen und Fenstern wehen lässt. Und weil diese um 19:19 Uhr auf ihre Balkone traten, um landesweit die Nationalhymne zu singen, waren sie natürlich irritiert, als sie plötzlich etwas in dem Meer aus roten Flaggen erblickten, dass aussah wie die Union Jack. Einige Nachbarn waren über den vermeintlichen Affront so wütend, dass sie die Polizei anriefen und sich beschwerten.

"Ich habe mein nasses Handtuch auf dem Balkon zum Trocknen aufgehängt."

Ab dann wird es jedoch etwas kurios. Die Polizei, die zum Einsatzort kam, nahm Mohammad Reza K. fest. Zudem wurde das fragliche Handtuch als "Corpus Delicti" beschlagnahmt. Nicht bekannt ist, ob es mittlerweile denn trocken war. Einige Bürger schossen Handy-Videos, während der Iraner in das Polizeiauto gesetzt wurde. Mohammad Reza K. wurde für seine Aussage zur Argincik Polizeistation gebracht. Aus den Vernehmungen wurde bekannt, dass der "Beschuldigte" sich zur "Tat" vollinhaltlich eingelassen habe und sagte: "Ich habe mein nasses Handtuch auf dem Balkon zum Trocknen aufgehängt. Ich hatte auf gar keinen Fall eine provokative Absicht dabei".

Während die Polizei Reza K. auf Beschwerde festnahm, sagte das Büro des Gouverneurs von Kayseri zum Vorfall: "Nachdem einige Bürger anlässlich der Feiertags der Jugend, des Sports und des Gedenkens an Atatürk um 19:19 Uhr auf ihre Balkone traten, um die Nationalhymne zu singen, erblickten sie die Fahne eines anderen Landes und interpretierten dies als eine mutwillige Störung." Man habe den Mann auf die Beschwerden hin kurzfristig mit auf die Polizeistation genommen, zu dem Vorfall befragt und dabei keine bösen Absichten des Mannes erkennen können. Nach seiner Aussage durfte Mohammad Reza K. wieder nach Hause. Ob er das Handtuch wieder mitnehmen durfte, ist nicht bekannt.

(ce)

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